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Unabhängig seit 1674

Die Geschichte des Bankhauses Metzler

Am Anfang stand der Tuchhandel
Das Bankhaus Metzler geht zurück auf eine Tuchhandlung, die Benjamin Metzler, ein Pfarrerssohn aus dem sächsischen Vogtland, im Jahre 1674 gründete. Benjamin Metzler ging 1663 im Alter von dreizehn Jahren nach Nürnberg, wo er eine Ausbildung in einem Handelshaus absolvierte. 1671 siedelte er nach Frankfurt um und arbeitete zunächst drei Jahre als Buchhalter in der Tuchhandlung von Sebastian Schweitzer.

Vom Handel zum Bankgeschäft
Der Frankfurter Handel lebte, wie der aller anderen großen europäischen Handelsstädte, jahrhundertelang von der Kraft, die ihm die kaufmännischen Immigranten aus der näheren und weiteren Umgebung immer wieder neu einflößten. Frankfurt profitierte damals von der Lage am Knotenpunkt wichtiger europäischer Handelswege. Der Handel konzentrierte sich zunehmend auf das Kommissions- und Speditionsgeschäft, was bereits Ende des 17. Jahrhunderts zu einer Kopplung von Waren- und Geldgeschäft führte. Aus dem Leistungsverbund von Speditions- und Kommissionswarenverkehr sowie kurzfristigem Kreditgeschäft sind zahlreiche Frankfurter Privatbankiers hervorgegangen. Diesen Weg nahm auch das Unternehmen der Metzlers. Erste Geld- und Wechselgeschäfte sind seit 1728 nachweisbar. Im Jahre 1738 bezeichnete sich Johann Jeremias Metzler als "merchand banquier", als Kaufmann, der außer mit Waren auch mit Wechseln handelt.

18. Jahrhundert: Staatsanleihen
Die Entwicklung zum Bankhaus fand unter der Leitung von Christina Barbara Metzler um 1760 weitgehend ihren Abschluss. 1771 trat Friedrich Metzler, der erste und einer der herausragenden Bankiers der Familie, in die Geschäftsleitung ein. Bereits 1779, in dem Jahr, als die Gebrüder Bethmann die erste Millionenanleihe für den deutschen Kaiser in Wien platzierten, stiegen auch die Metzlers in das schnell wachsende und profitable Staatsanleihegeschäft ein. Handelsgeschäfte wurden zwar auch später noch getätigt, allerdings hatten sie nur noch untergeordnete Bedeutung. Während die Gebrüder Bethmann die Habsburger finanzierten, arrangierten die Metzlers Finanzierungen für das preußische Königshaus. In der Zeit Napoleons zog sich das Bankhaus Metzler aus dem Staatsanleihegeschäft zurück und wandte sich dem Effekten- und Effektendepotgeschäft zu.

19. Jahrhundert: Konzentration auf individuelle Finanzdienstleistungen
Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts erkannte die Geschäftsführung des Bankhauses, dass der unmittelbare Wettbewerb mit den neugegründeten Aktienbanken gleichbedeutend sein würde mit der Notwendigkeit eines raschen Bilanzwachstums, das über kurz oder lang die Unabhängigkeit des Hauses in Gefahr bringen würde. Ebenso war offensichtlich, dass in diesem über Mengen auszutrgenden Wettbewerb die eigentlichen Stärken des Privatbankiers nicht zum Tragen kommen konnten. Die Reaktion auf diese Herausforderung war eine strategische Ausrichtung des Geschäfts, die heute noch, über hundert Jahre später, die Unternehmenspolitik entscheidend bestimmt. Im Wesentlichen beinhaltet sie den Verzicht auf das bilanzwirksame Geschäft bei gleichzeitiger Konzentration auf individuelle Finanzdienstleistungen - also das, worin der Privatbankier über die Jahrhunderte seine eigentliche Expertise erworben hat.

20. Jahrhundert: Entwicklung zum Investmenthaus
Metzler schränkte folglich zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Kontokorrent- und Kreditgeschäft ein. Gleichzeitig wurde der Handel mit Effekten gezielt ausgebaut. In der ausgehenden Kaiserzeit und der Weimarer Republik verlor Frankfurt als Finanzzentrum des Reiches zugunsten Berlins stetig an Bedeutung. Dies und das zunehmend schwierigere gesamtwirtschaftliche Umfeld beeinträchtigten die Frankfurter Privatbankhäuser. Zwar wurde in dieser Zeit das Geschäft unverändert weitergeführt, jedoch in Anbetracht der erhöhten Unsicherheiten mit angemessener Zurückhaltung.

Die Blütezeit vieler Privatbankhäuser war schon vor dem Ersten Weltkrieg zu Ende gegangen, Dieser Prozess wurde durch die finanzwirtschaftlichen Verwerfungen des Ersten Weltkriegs und der Großen Inflation in Deutschland beschleunigt. Bis 1914 wurde der jeweilige Jahresgewinn des Bankhauses schon zu Jahresbeginn durch die dann fälligen Wertpapier-Depotgebühren eingefahren. Die weiteren Erträge im Jahresverlauf gingen in die Rücklagen bzw. stillen Reserven. Kriegsbedingte Verluste an ausländischen Wertpapiervermögen und deren weitere Entwertung durch die Große Inflation änderten die Ertragssituation erheblich, obwohl in den Jahren bis 1928 eine Besserung der Verhältnisse eintrat.

Die Weltwirtschaftskrise ab Oktober 1929 sowie die große Bankenkrise im Juli 1931 brachten weitere spürbare Verluste. Das Bankhaus Metzler konnte diese schwierigen Jahre aber aus eigener Kraft überstehen. In der Zeit des „Dritten Reiches“ sowie des Zweiten Weltkrieges verlief das Bankgeschäft infolge der umfangreichen gesetzlichen Restriktionen und der Isolation vom Ausland in insgesamt ruhigen Bahnen. Politische Vorgaben, wie feste Börsenkurse, erschwerten das Wertpapiergeschäft zusätzlich. Dass das Bankhaus Metzler auch die wirtschaftlichen und politischen Turbulenzen der Zwischen­kriegszeit, besonders die Jahre der Weltwirtschaftskrise und die Abschottung des deutschen vom internationalen Kapitalmarkt während des Dritten Reiches, überlebte und nicht schließen musste oder seine Selbständigkeit verlor, ist eine kaum zu überschätzende Leistung. Den damaligen Geschäftsinhabern Hugo, Moritz, Albert und Dr. Gustav von Metzler gelang unter widrigsten Umständen etwas ganz Außergewöhnliches.

Im März 1944 fielen das Anfang des 19. Jahrhunderts erworbene Frankfurter Bankgebäude in der Großen Gallusstraße sowie die meisten Geschäftsunterlagen bei einem Luftangriff den Flammen zum Opfer. Nach dem Krieg normalisierte sich das Bankgeschäft erst langsam. Konsequent folgten die Teilhaber der strategischen Linie der Vorkriegszeit durch Konzentration der Kräfte auf die Dienstleistungsbereiche. Auf der Basis noch vorhandener alter Aktienbestände und ausgewählter Neuerwerbungen kam es darauf an, Eigenkapital in Form von stillen Reserven und Gewinnthesaurierung zu bilden. In der Zeit des beginnenden „Wirtschaftswunders“ setzte sich Albert und Dr. Gustav von Metzler dafür ein, das Bankhaus zunächst von innen heraus wieder aufzubauen und den Verlockungen der Zeit wie Bilanzwachstum, Filialgeschäft und Mengenwachstum zu widerstehen. Erst um 1960 war die Konsolidierungsphase weitgehend abgeschlossen und das wieder erstarkte Bankhaus konnte seine Geschäftsaktivitäten erweitern.

Auf die Ende der 1970er-Jahre international einsetzende Expansion der Wertpapiermärkte waren die Metzlers bestens vorbereitet. Nicht zuletzt profitierte man von der Konzentration des Wertpapierhandels auf den Standort Frankfurt. Gleichzeitig trieb Metzler seine Entwicklung zum Investmenthaus voran. Das kommerzielle Geschäft trat weiter in den Hintergrund, die Geschäftsfelder Wertpapierberatung und -handel, Vermögensverwaltung, Devisenberatung und -handel, Außenhandel sowie Corporate Finance gewannen immer mehr an Bedeutung.

Um die langfristige Unabhängigkeit und die Kontinuität des Unternehmens zu sichern und die Kapitalbasis zu stärken, wurde das Bankhaus 1986 von einer Personengesellschaft zu einer Kapitalgesellschaft in Form einer Kommanditgesellschaft auf Aktien umgewandelt. Der Kreis der Gesellschafter blieb auf die Mitglieder der Familien von Metzler begrenzt. Im gleichen Zug bildete man eine Holdingstruktur, deren Muttergesellschaft unter dem Namen B. Metzler seel. Sohn & Co. Holding AG firmiert. Die verschiedenen Geschäftsfelder, deren Kern stets der Gedanke individueller Kundenberatung ist, liegen seitdem in der Verantwortung selbstständiger Schwestergesellschaften der Bank.