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Alles in Butter

von Johannes J. Reich, Head of Metzler Equities
 
Sommerlöcher haben ihr Gutes. Nach Herzenslust schwadronieren und dabei, dank feriensommerlich unterausgelasteter Zuhörerschaft, vielfaches Echo auslösen – das lässt sich’s im Sommerloch trefflich. Andererseits lassen sich Themen, die nicht gelegen kommen, mit dem Hinweis abtun, dass sich halt das Sommerloch aufgetan habe.    

Die Preise für Milch und Butter werden deutlich steigen, prognostizierte am letzten Wochenende die ZMP, Zentrale Markt- und Preisberichtstelle für Erzeugnisse der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft GmbH, Bonn. Grund: Die Nachfrage nach Milchprodukten sei weltweit in den letzten Jahren schneller gestiegen als die Erzeugung. Seit dem Frühjahr 2007 seien laut ZMP vorhandene Bestände überall geräumt und der Nachfrageüberschuss könne nicht mehr bedient werden.

So weit, so gut – könnte man meinen. Gut für Milchbauern etwa, die im aberwitzigen Quoten- und Planwirtschafts­system des EU-Agrar-Regimes in der Vergangenheit mit Strafzahlungen für höher als erlaubte Milchproduktion bedroht wurden. Oder auch für Studierende in den Anfangssemestern wirtschaftswissenschaftlicher Studiengänge vielleicht, die ihre ersten akademischen Ahnungen mittels Praxistest im Supermarkt durch gelebte Erfahrung endlich empirisch untermauern können. Gut möglicherweise auch für Anbieter von Margarineprodukten, die uns bewusst modernen Margarine-Geniessern ja sowieso mehr Spaß am Leben, Mut zur Leidenschaft oder Schwung im Familienalltag versprechen als sauerrahmtöpfischen Butterfassstampfern.

Aber halt – so einfach und vor allem gut ist das nicht! Das lehren uns besorgte Politiker und sogar unsere zum Glück nicht minder besorgte Regierung. Ernstlich erbost über die höheren Milch- und Butterpreise prangern sie die Raffgier der Milchhändler an und beweisen so wieder einmal, wie ernst sie ihr politisches Mandat und ihren Regierungsauftrag nehmen zum Schutz aller Untergebutterten  in deutschen Landen.

Dankbar erkennen wir, dass wir beschützt werden vor raffgierigen Milchhändlern  und sind so gefeit davor, uns allzu ausführlich zu beschäftigen mit anderen „Sommerloch“-Themen. Wie etwa der Frage, was es mit den vom Bundesfinanz­ministerium geplanten, beweislastumkehrenden Verschärfungen der Nachweispflichten für Steuerpflichtige auf sich hat. Oder der Frage, wie sich die geplante Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge für Kleinanleger und deren Bemühungen um eine private Altersvorsorge auswirkt. Oder der Frage, was mit den hohen zu erwartenden Überschüssen der Bundesagentur für Arbeit passiert, oder den weitaus höher als gedacht ausfallenden Steuereinnahmen des Bundes und der Gemeinden. Kapitalmarktförderung zur Unterstützung der kollabierenden Umlagefinanzierung der Sozialkassen? Stärkere Senkung der Arbeitslosen­beiträge? Senkung des Solis? Oder der Steuern gar? Unsinn – wir wissen zum Glück, was wichtig ist in diesem Sommer und lassen uns die Butter nicht vom Brot nehmen! Alles in Butter also!

Frankfurt am Main, 31. Juli 2007
Johannes J. Reich, Head of Metzler Equities,
Mitglied des Partnerkreises B. Metzler seel. Sohn & Co. Holding AG

Johannes J. Reich schreibt regelmäßig für das manager-magazin.

(c) manager-magazin.de - 2007



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