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Unverhofftes Comeback des Euro

von Özgür Atasever, Eugen Keller
 
Rasanter hätte der Anstieg kaum verlaufen können. Seit dem Verlaufstief von Anfang Juni hat der Euro gegenüber dem Dollar von 1,1876 auf 1,3028 zugelegt. Damit belaufen sich die Kursgewinne auf 11,5 "big figures". Schon bemerkenswert, dass beispielsweise die "Wirtschaftswoche" gerade einmal zwei Wochen vor den markanten Tiefs auf ihrer Titelseite in einer Art Todesanzeige den Euro für Geschichte erklärte. Doch was wie eine dynamische Hausse aussieht, ist für viele Marktbeobachter noch immer nur ein Strohfeuer.

Die Investmentbanken gehen in den aktuellen FX-Konsensprognosen für Oktober von Kursen um 1,2050 und für Juli 2011 um 1,2010 aus. Die Schätzungen der über 100 befragten Häuser weisen dabei mit einem Erwartungshöchstwert von 1,35 - verglichen mit aktuellen Kursen - ein nicht allzu großes Überraschungspotenzial auf.

Während wir in unserem Ausblick für das erste Halbjahr infolge der immensen Staatsverschuldung der Euro-Peripherieländer schwierige Zeiten für den Euro vorhersahen, sollte die kritische Überprüfung der Angelsachsen den Dollar in der zweiten Jahreshälfte wieder belasten. Zeitlich gesehen liegen wir in der Erwartung einer V-förmigen Euro-Erholung voll im Plan.

Die Befürchtungen eines erneuten Abgleitens der USA in eine Rezession sind zwar noch verhalten, jedoch deuten die jüngsten Konjunkturdaten auf eine deutliche Abschwächung der Wirtschaftsdynamik hin. Das Thema europÌische Schuldenkrise rückt dagegen immer weiter in den Hintergrund. Während in der ersten Jahreshälfte enttäuschende Konjunkturdaten stets zugunsten des Dollar und zulasten des Euro wirkten, hat sich dieser Zusammenhang seit Anfang Juli teilweise ins Gegenteil verkehrt. Rückblickend könnte diese Wende sogar als Wegscheide bezeichnet werden.

Charttechnisch ist es in der vergangenen Woche zu einem signifikanten Bruch des mittelfristigen Abwärtstrends gekommen, der die Talfahrt von Euro-Dollar auch unter technischen Aspekten für beendet erklärt. Mit einem Wochenschlusskurs von 1,2930 bestätigte Euro-Dollar erstmalig den Bruch des langen Dezember-2009-Abwärtstrends, der aktuell bei 1,2596 verläuft. Spiegelbildlich dazu unterschritt der Dollar-Index seinen Dezember-2009-Aufwärtstrend. Unterstützt von den Trendfolgeindikatoren hat sich das Bild für den Euro aufgehellt. Kurzfristig spricht das Erreichen der psychologisch wichtigen Marke von 1,30 für kleinere Gewinnmitnahmen. Im schlimmsten Fall könnte die kurzfristige Konsolidierung bis auf den Abwärtstrend führen und ihn mit einem klassischen "retest" bestätigen.

Auf der Oberseite fassen wir als nächstes wichtiges Kursziel die Marke von 1,3070 ins Auge. Hier liegt das rechnerische Kursziel der in den Monaten Mai bis Juli komplettierten inversen Kopf-Schulter-Formation. Darüber hinaus liegen nächste wichtige Widerstände bei 1,3095, einem markanten Verlaufshoch vom 10. Mai dieses Jahres, bzw. bei 1,3125, dem 38,2 %-Fibonacci-Retracement der großen Abwärtsbewegung von 1,5145 auf 1,1876. In Anlehnung an die Fibonacci Retracements liegen die mittelfristigen Kursziele bei 1,3511 (50 %) bzw. 1,3896 (61,8 %). Unsere Jahresendprognose rangiert mit 1,37 relativ genau dazwischen.

Zinsdifferenzen beflügeln

Ein weiteres Indiz für das wiedergewonnene Vertrauen in den Euro offenbart die spekulative EuroShort-Positionierung, die sich in der Spitze von -111890 Mitte Mai auf aktuell -27050 Kontrakte reduziert hat. Eine langfristige Studie von uns verdeutlicht, dass hier durchaus noch positives Reaktionspotenzial vorhanden ist. Liegt doch der langfristige Durchschnitt seit Beginn der Aufzeichnung Anfang 1999 bei +15000 Kontrakten. Auch unter Verteilungsaspekten lagen 95 % aller Ausprägungen über -31000 Kontrakten.

Die Stimmung der institutionellen Sentix-Teilnehmer hat sich indes völlig gedreht und markierte mit einer Optimismusquote von +44,4% sogar ein neues Verlaufshoch.Erwähnenswert ist die Tatsache, dass der zugehörige Sentix-Index als bewährter Vorlaufindikator bereits zwei Wochen vor der markanten Bodenbildung bei Euro-Dollar eine Stimmungsaufhellung für den Euro anzeigte.

Dass das aktuelle Niveau noch nicht das Ende der Fahnenstange sein muss, zeigt auch der Vergleich mit dem zehnjährigen Treasury/ Bund-Spread, der von +90 Basispunkten (BP) im Hoch auf aktuell +30 BP zusammengeschnurrt ist. Tendenz weiter fallend. Im charttechnischen Vergleich der beiden hochkorrelierten Märkte müsste Euro-Dollar entsprechend den aktuellen Spreadniveaus gar um 1,40 handeln.

Mit dem Bruch des langen Abwärtstrends steht eine nachhaltige Umkehr bei Euro-Dollar für uns außer Frage. Potenzielle Rücksetzer in Richtung Ausbruchsniveau würden wir deshalb zum Aufbau neuer Longs nutzen. Als Stopp sollte die markante Zone zwischen 1,2450 und 1,2530 Beachtung finden. Hier liegt neben signifikanten Hochs und Tiefs der vergangenen drei Monate auch die Nackenlinie der inversen Kopf-Schulter-Formation. Sollte diese wichtige Unterstützungszone unterschritten werden, müsste man neu nachdenken. Da unser Basisszenario eine wieder aufkeimende Dollar-Schwäche unterstellt, bleiben wir unserer Jahresendprognose von 1,37 treu, auch wenn wir damit die Hitliste der Euro-Bullen anführen.

Die Autoren arbeiten als Devisen- und Rentenstrategen beim Bankhaus Metzler in Frankfurt.

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