
23.10.2026 | Asset Management
Werbeinformation der Metzler Asset Management GmbH
Am Dienstag werden die Auftragseingangsdaten für September für Investitionsgüter (nondefense capital goods excl. aircraft) veröffentlicht. Ein Blick auf die Entwicklung bis Ende August zeigt, dass erst seit Mitte 2025 eine merkliche Belebung zu verzeichnen ist. Die direkten Ausgaben für den KI-Infrastrukturboom tauchen nämlich kaum in den Daten für den Auftragseingang für Investitionsgüter auf, sondern eher die traditionellen Investitionsgüter wie Maschinen. Dass die Aufträge erst jetzt so stark steigen, hängt damit zusammen, dass nunmehr die Firmen, die die KI-Infrastruktur bauen, ihre Kapazitäten selbst erweitern und selbst investieren müssen, da allein die fünf großen Hyperscaler ihre Ausgaben von etwa 800 Mrd. USD in diesem Jahr auf über 1,2 Bio. USD im nächsten Jahr erhöhen wollen. Dieser investitionsgetriebene Aufschwung (KI-Infrastruktur plus traditionelle Investitionen) gewinnt somit an Breite und Widerstandskraft. Einige Analysen zeigen, dass derzeit der größte Investitionsboom in der gesamten Geschichte der USA zu beobachten ist.
Quellen: Bloomberg, Metzler; Stand 31.8.2026
In der Vergangenheit basierten in den USA die Aufschwünge zunächst immer auf einer Belebung des Wohnimmobilienmarktes, des Automarktes und des Konsums. Die Investitionsausgaben der Unternehmen waren dagegen eher spätzyklisch. In diesem Zyklus ist es umgekehrt. Daher liefern selbst Indikatoren, die früher eine große Bedeutung hatten, heutzutage keine beachtenswerten Signale mehr, wie z. B. die Neubauverkäufe (Dienstag) oder das das Konsumentenvertrauen (Dienstag). Das erklärt auch die Stärke der Wachstumsdynamik trotz der Schwächen in einzelnen wirtschaftlichen Bereichen. So schätzt das GDPNow-Modell der Federal Reserve of Atlanta ein Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent im dritten Quartal (Donnerstag), was eine Beschleunigung gegenüber den Vorquartalen bedeutet.
Gleichzeitig beschleunigt sich auch die US-Inflation. So dürfte die Kerninflation (Core PCE-Deflator) im September um 0,35 Prozent zum Vormonat gestiegen sein, was annualisiert eine Inflationsrate von über 4,0 Prozent impliziert.
Vor diesem Hintergrund wäre es nur sehr schwer zu verstehen, wenn die US-Notenbank am Mittwoch nicht den Leitzins anheben würde. Natürlich kann der Offenmarktausschuss mehrheitlich erwarten, dass sich die Wachstums- und Inflationsdynamik in den kommenden Monaten wieder verlangsamt und deshalb eine abwartende Haltung einnehmen. Eine zurückhaltende Geldpolitik wäre jedoch mit erheblichen Risiken behaftet, da im Fall überraschend anhaltend starker Konjunktur- und Inflationsdaten die Glaubwürdigkeit der US-Notenbank sofort wieder in Frage gestellt würde. Wir erwarten daher eine Leitzinserhöhung von 25 Basispunkten.
Auch zeigt ein Blick in die Historie, dass ein Investitionsboom oft mit einer Zeitverzögerung einen merklichen Rückgang der Arbeitslosenquote bewirkte. Es bestehen also gute Chancen für eine Belebung des US-Arbeitsmarktes in den kommenden Monaten.
Quellen: Bloomberg, Metzler; Stand 30.9.2026
Quellen: Bloomberg, Metzler; Stand 30.9.2026
Die Wirtschaft der Eurozone zeigt sich in diesem Jahr überraschend resilient. So dürfte das BIP-Wachstum (Freitag) im dritten Quartal in etwa dem Potenzialwachstum entsprechen. Deutschland dürfte mit den nunmehr tatsächlich fließenden Staatsausgaben die Rolle des Wachstumsmotors übernehmen, wie eine Verbesserung des ifo-Index (Montag) zum sechsten Mal in Folge signalisieren dürfte. Auch verharrt die Arbeitslosenquote nach wie vor Nahe historischer Tiefstände. Eine Wachstumsbelebung kann somit schnell für eine Verengung des Arbeitsmarktes und somit für ein Wiederaufflammen des Lohndrucks sorgen.
Gleichzeitig ist die Inflationsrate im Dienstleistungssektor, die stark von der binnenwirtschaftlichen Lohndynamik beeinflusst ist, immer noch viel zu hoch. Seit Einführung des Euros betrug die Inflationsrate im Dienstleistungssektor durchschnittlich 2,1 Prozent pro Jahr, ebenso wie die gesamte Inflationsrate. Im September lag die Inflation im Dienstleistungssektor aber immer noch bei 3,2 Prozent – sie wird in der Regel nicht direkt von der Energiepreisentwicklung beeinflusst.
Eine resiliente Wirtschaft plus eine hartnäckig hohe Inflation sprechen eigentlich für eine Leitzinserhöhung der EZB nächste Woche. Infolge der politischen Ereignisse in Frankreich, der Turbulenzen am Staatsanleihemarkt und der hohen Volatilität der Energiepreise könnte die EZB jedoch eine abwartende Haltung einnehmen und die Leitzinserhöhung auf Dezember verschieben.
Die Finanzmärkte sehen nur eine Wahrscheinlichkeit von etwa 12 Prozent für einen Zinsschritt nächste Woche, wir würden eher eine Wahrscheinlichkeit von 40 Prozent unterstellen.
Am Freitag findet dann zum Wochenabschluss die Sitzung der Bank von Japan statt. Die Finanzmärkte rechnen nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 2,5 Prozent mit einem Zinsschritt. Auch wir sehen nur eine geringe Wahrscheinlichkeit.
Basierend auf den starken Konjunkturdaten, einer sich beschleunigenden Lohndynamik, einer sehr dynamisch wachsenden Kreditvergabe, negativer Realzinsen, einer sich wieder beschleunigenden Inflation und einer sehr schwachen Währung müsste die Bank von Japan eigentlich den Leitzins anheben. Rein aus politischen Gründen dürfte sie damit bis Dezember warten.
Edgar Walk, CESGA, arbeitet seit 2000 bei Metzler. Als Chefvolkswirt im Bereich Asset Management ist er für die volkswirtschaftlichen Prognosen verantwortlich. Aufgrund seiner engen Zusammenarbeit mit dem Portfoliomanagement liegt sein Fokus neben der volkswirtschaftlichen Analyse verstärkt auf Kapitalmarktthemen. Vor seiner Anstellung bei Metzler studierte Herr Walk in Tübingen Volkswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Regionalstudien Ostasien und Japan. Zur Vertiefung seiner Studien verbrachte er ein Auslandssemester an der Doshisha-Universität in Kyoto, Japan. Am Institut für Weltwirtschaft in Kiel absolvierte er anschließend den Aufbaustudiengang „Advanced Studies in International Economic Policy Research“.

Edgar Walk
Chefvolkswirt
Metzler Asset Management
Economic Research
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