
28.9.26 | Karriere
Malteser Social Day 2026
Am 18. September fand der Malteser Social Day statt. 14 Kolleginnen und Kollegen begleiteten Seniorinnen und Senioren aus dem Sozial- und Rehazentrum West bei einem Ausflug in die Frankfurter City. Isabella Heinrich von Metzler Private Banking Hamburg war dabei und berichtet.
Manchmal merkt man erst dann, wie viele kleine Hürden der Alltag bereithält, wenn man ihn für ein paar Stunden aus einer anderen Perspektive erlebt. Eine Fahrt mit der U-Bahn, ein Bummel durch die Innenstadt oder ein gemeinsames Mittagessen – für viele von uns ganz alltägliche Dinge. Für die Bewohnerinnen und Bewohner des Sozial- und Reha-Zentrums West in Frankfurt wurde daraus an unserem diesjährigen Social Day ein ganz besonderer Ausflug.
Für mich war es bereits die dritte Teilnahme – und auch in diesem Jahr wurden wir wieder herzlich von Hausleiterin Jessika Bräuning begrüßt.
Dieses Mal stand ein Ausflug in die Frankfurter Innenstadt auf dem Programm: mit U-Bahn-Fahrt, einer kleinen Shoppingtour und anschließendem gemeinsamen Lunch. Ich gebe zu: Vor allem vor der Fahrt mit der U-Bahn hatte ich großen Respekt. Würden wir alle rechtzeitig ein- und aussteigen können? Wie groß ist der Abstand zwischen Bahnsteig und U-Bahn? Und wie gut funktioniert das Ganze mit einer größeren Gruppe von Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrern Fragen, über die man sich im Alltag vermutlich nur selten Gedanken macht.
Neben all der Fröhlichkeit gab es für mich an diesem Tag aber auch wieder Momente, die mich sehr nachdenklich gemacht haben. Jeder einzelne Mensch, den wir an diesem Tag begleitet haben, war einmal jung, hatte Wünsche, Pläne und Träume, hat geliebt, gearbeitet, vielleicht eine Familie gegründet und unzählige Geschichten erlebt. Zu sehen, wie sehr sich das Leben im Laufe der Jahrzehnte verändert und wie kostbar gemeinsame Zeit gerade im hohen Alter wird, führt einem auch die Endlichkeit des eigenen Lebens sehr deutlich vor Augen. Vielleicht sind es gerade deshalb die vermeintlich kleinen Dinge, die an einem solchen Tag eine so große Bedeutung bekommen: gemeinsam durch die Stadt zu fahren, Erinnerungen auszutauschen, miteinander zu lachen oder einfach zusammen an einem Tisch zu sitzen und zu essen.
Nach unserem Lunch machten wir uns schließlich auf den Rückweg ins Sozial- und Reha-Zentrum. Und wie schon bei meinen vorherigen Social Days fiel mir auch dieses Mal der Abschied nicht leicht. Ich durfte Barbara noch auf ihr Zimmer begleiten. Dort nahm sie mich mehrfach in den Arm, erzählte immer wieder, wie schön dieser Tag für sie gewesen sei – und wollte mich eigentlich gar nicht gehen lassen.
Auch von anderen Bewohnerinnen und Bewohnern hörten wir, wie besonders dieser Ausflug für sie gewesen war. Zu erleben, mit wie viel Freude und Dankbarkeit dieser Tag angenommen wurde, war für mich vielleicht das Schönste überhaupt.
Und vielleicht muss es für Barbara und mich auch gar nicht bis zum nächsten Social Day dauern: Ich habe mir jedenfalls fest vorgenommen, bei einem meiner nächsten Aufenthalte in Frankfurt bei ihr vorbeizuschauen. Vielleicht machen wir dann einfach wieder einen Spaziergang, gehen irgendwo gemeinsam etwas essen und setzen unsere Gespräche dort fort, wo wir sie an diesem Tag beendet haben.
Für mich war der Social Day deshalb auch in diesem Jahr weit mehr als ein Tag außerhalb des gewohnten Arbeitsalltags. Er hat mich berührt, nachdenklich gemacht und mir einmal mehr gezeigt, wie wertvoll Zeit ist, die wir miteinander teilen.
Ich hoffe sehr, auch im nächsten Jahr wieder dabei sein zu dürfen.

Meine Begleiterin an diesem Tag war Barbara, 87 Jahre alt, die mich gleich mit einem Lächeln begrüßte. Eine unglaublich sympathische und lebensfrohe Dame mit einer beeindruckenden Lebensgeschichte.
Barbara wuchs in der ehemaligen DDR auf. Ihr Vater war im Krieg gefallen, mit ihrem späteren Stiefvater verstand sie sich nicht gut. Mit gerade einmal 16 Jahren fasste sie deshalb einen mutigen Entschluss: Sie stieg in einen Zug und machte sich auf den Weg in den Westen, nach Kiel, wo ihre Schwester bereits lebte. Zu dieser Zeit war die Grenze noch durchlässiger und eine solche Reise möglich – trotzdem beeindruckte mich sehr, welchen Mut dieser Schritt für einen so jungen Menschen bedeutet haben muss.
Auf der Suche nach Arbeit führte Barbaras Weg später nach Frankfurt. Im Frankfurter Hof, dem heutigen Steigenberger Hotel, begann sie eine Ausbildung zur Köchin. Sie bekam dort ein kleines Zimmer sowie Kost und Logis gestellt und verdiente zusätzlich 50 Mark im Monat. Barbara erzählte lachend, dass davon allerdings kaum etwas übrigblieb, wenn beispielsweise ein neues Paar vernünftige Schuhe schon 40 Mark kostete.
Später lernte sie ihren Mann kennen, bekam zwei Kinder, zog mit ihrer Familie nach Bremen und hatte ein sehr schönes Familienleben. Viele Jahre später erkrankte ihr Mann an Demenz. Barbara pflegte ihn, bis dies irgendwann nicht mehr möglich war. Trotz der schweren Zeiten, die sie in ihrem Leben erlebt hat, ist sie bis heute eine unglaublich positive Frau. Sie lacht viel, ist interessiert und offen und besitzt eine Lebensfreude, die mich vom ersten Moment an beeindruckt hat.
Wir machten uns also an diesem Tag gegen zehn Uhr gemeinsam auf den Weg zur U-Bahn. Die U-Bahn-Fahrt selbst verlief viel unkomplizierter als gedacht.
Die eigentliche Herausforderung erwartete uns erst in der Frankfurter Innenstadt. Um den Bahnhof mit den Rollstühlen zu verlassen, stand uns lediglich ein Aufzug zur Verfügung, in den jeweils nur ein Rollstuhl samt Begleitperson passte. Bei 17 Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrern und ebenso vielen Begleitpersonen wurde schnell deutlich, wie viel Zeit eine vermeintlich einfache Strecke in Anspruch nehmen kann.
Da Barbara noch einige Schritte selbstständig gehen konnte, entschieden wir uns schließlich für eine andere Lösung: Ich nahm sie an die Hand und wir fuhren gemeinsam mit der Rolltreppe nach oben, während eine Kollegin ihren Rollstuhl übernahm.
Gegen elf Uhr erreichten wir schließlich den Römer. Nach einem gemeinsamen Fototermin hatten wir Zeit, Frankfurt auf eigene Faust zu erkunden. Während unseres Spaziergangs erzählte Barbara mir immer wieder, wie einzelne Orte früher ausgesehen hatten und welche Erinnerungen sie damit verband. In solchen Momenten wird einem bewusst, wie schnelllebig unsere Umgebung ist – und wie sehr sich eine Stadt innerhalb eines einzigen Menschenlebens verändern kann.
Natürlich durfte auch ein mittlerweile schon fast vertrauter Begleiter nicht fehlen: Milo, der kleine Shih Tzu, war wieder mit von der Partie. Wie schon im vergangenen Jahr eroberte der kleine Hund mit seiner entspannten und freundlichen Art innerhalb kürzester Zeit die Herzen und sorgte bei den Bewohnerinnen und Bewohnern für viele strahlende Gesichter.
Nach unserem Rundgang durch die Innenstadt kehrten wir gemeinsam bei L’Osteria ein. Bei einem entspannten Lunch konnten wir uns ausruhen, miteinander austauschen und die vielen Eindrücke des Vormittags noch einmal Revue passieren lassen.


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