
8.10.2026 | Asset Management
Vom 21. bis 23. September 2026 fand unser Economist Summit „Metzler meets Payden“ zum dritten Mal statt – erstmals in vier Städten. Von München über Zürich und Frankfurt am Main bis Wien. Edgar Walk, Chefvolkswirt von Metzler Asset Management, und Jeffrey Cleveland, Chefvolkswirt von Payden & Rygel, diskutierten über Wachstum, Handelspolitik und Kapitalmärkte. Erfahren Sie, wo Walk und Cleveland übereinstimmen und wo sie sich widersprechen.
Cleveland hob Investitionen in Künstliche Intelligenz als wichtigen Treiber der US-Wirtschaft hervor. Seiner Schätzung nach könnten die Ausgaben für Software, Hardware und Rechenzentren rund die Hälfte zum US-Wachstum der vorangegangenen vier Quartale beigetragen haben. Der Investitionsboom habe die Belastung durch Zölle bislang überlagert. Langfristig seien laut Cleveland vor allem neue Ideen, Risikokapital und Unternehmensgründungen entscheidend.
Walk beschrieb für Deutschland eine andere Ausgangslage. Höhere Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur könnten das Wachstum zunächst stützen. Für die folgenden sechs bis acht Quartale erwartet er ein Plus von etwas mehr als einem Prozent. Ob dieser Impuls darüber hinaus trägt, hänge aus seiner Sicht von Reformen ab, insbesondere bei der gesetzlichen Rente.
Beim Handel mit China gingen die Einschätzungen deutlich auseinander. Walk verwies auf staatliche Subventionen, günstige Kredite und eine aus seiner Sicht unterbewertete Währung. Er sprach sich deshalb für zeitlich begrenzte europäische Handelsbarrieren aus, möglichst gemeinsam mit den USA, Kanada, Japan und Südkorea. Cleveland hingegen hielt offene Märkte und Innovation für die wirksamere Antwort. US-Zölle hätten seiner Einschätzung nach keine Industriejobs zurückgebracht.
Bei langlaufenden US-Staatsanleihen lagen Walk und Cleveland näher beieinander: Sie deuteten die gestiegenen Renditen nicht in erster Linie als Zeichen wachsender Inflationssorgen. Cleveland führte vor allem das starke Wirtschaftswachstum und das wachsende Anleiheangebot an. Walk rückte eher die weltweite hohe Staatsverschuldung sowie die fehlende politische Bereitschaft für Sparmaßnahmen in den Vordergrund. Beide sahen aus ihrer jeweiligen Perspektive das Risiko weiter steigender Renditen.
Die Tragfähigkeit der US-Staatsfinanzen beurteilten beide dennoch unterschiedlich. Cleveland anerkannte zwar die steigende US-Zinslast, sah sie jedoch noch als unkritisch an und vergleichbar mit dem Niveau Anfang der 1990er Jahre. Auch sieht er die Chance, dass die USA aus ihren Schulden herauswachsen können – ohne größere Sparmaßnahmen. Walk gab zu bedenken, dass die weltweite Verschuldungsdynamik sehr gefährlich sei und früher oder später ein Konflikt zwischen Regierungen und Zentralbanken um die Frage der monetären oder fiskalischen Dominanz drohe.
Walk erläuterte ein Szenario, bei dem er seine wirtschaftliche Einschätzung überprüfen würde: Läge der Preis für Brent-Öl zwei bis drei Wochen lang bei über 120 US-Dollar, würde er ein globales Rezessionsszenario zugrunde legen. Aufgrund der schon hohen bestehenden Staatsverschuldung weltweit könnten die Finanzmärkte dieses Mal auf ein Rezessionsszenario mit steigenden Renditen reagieren, da die Staatsdefizite in einem Rezessionsszenario explodieren würden. Cleveland widersprach diesem letzten Punkt mit einem Verweis auf das Jahr 2008: Damals fielen die Anleiherenditen, sobald die Wachstumsabkühlung sichtbar wurde.
Zum Schluss kamen beide noch einmal auf das Thema Künstliche Intelligenz zurück. Cleveland sah angesichts der hohen Nachfrage nach Rechenkapazität keine KI-Blase. Walk beschrieb eine mögliche Chance für Europa: Sollte mehr Rechenkapazität entstehen als benötigt, könnten günstigere KI-Modelle in europäischen Maschinen und Produktionsprozessen zum Einsatz kommen.
Die Gespräche in vier Städten gaben der europäischen und der US-amerikanischen Perspektive Raum. Der Bericht aus Wien zeigt, was den Austausch auszeichnet. Walk und Cleveland legen ihre Annahmen offen – und kommen nicht immer zu demselben Schluss.






