
1.10.2026 | Asset Management
CIO View – Investment Summary
Langweilig ist es dieses Jahr nicht an den Börsen. Hatten die globalen Aktienmärkte noch Mitte August neue historische Höchststände markiert, so sorgte das Wiederaufflammen des Iran-Kriegs für eine spürbare Verunsicherung unter den Anlegern. Die Ölpreise verzeichneten erneut einen deutlichen Anstieg. Zeitgleich kühlte sich die zuvor von massiven Kursgewinnen getragene Euphorie bei KI-Ausrüstern wie Halbleitertiteln merklich ab. An den Staatsanleihemärkten sorgten Inflationsängste, eine restriktivere Geldpolitik und Sorgen um die US-Staatsschulden für einen dynamischen Ausverkauf. Die Renditen langlaufender Anleihen bewegen sich mittlerweile auf Niveaus, die man zuletzt vor Jahrzehnten beobachten konnte.
Für die Aktienmärkte wäre ein Renditeanstieg, der auf einen Anstieg der langfristigen Inflationserwartungen zurückzuführen ist, zweifelsohne ein erheblicher Belastungsfaktor. Ein solcher fundamentaler Vertrauensverlust in die Geldwertstabilität lässt sich in den Daten derzeit jedoch nicht ablesen. Vielmehr dürfte der Inflationsschub durch den erneuten Ölpreisschock ein temporäres Phänomen sein. Die Aufwärtsbewegung der Renditen ist folglich vornehmlich realzinsgetrieben.
Die wesentlichen Treiber dieser Entwicklung sind die sich aufhellenden Konjunkturperspektiven und der intensive Wettbewerb um Kapital. So haben sich die Erwartungen für das globale Wirtschaftswachstum in den vergangenen Monaten sukzessive verbessert und nähern sich unserer kürzlich erneut erhöhten Prognose von 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr an. Als maßgeblicher Katalysator fungiert die investitionsgetriebene Dynamik im KI-Bereich. Auch für den europäischen Wirtschaftsraum signalisieren die konjunkturellen Stimmungsindikatoren mittlerweile eine Wachstumsbeschleunigung. Wesentlichen Anteil daran hat der expansive Fiskalimpuls der Bundesregierung, der die Konjunktur massiv stützt.
An den Anleihemärkten konkurriert der hohe staatliche Kapitalbedarf direkt mit der wachsenden Finanzierungnachfrage für den Ausbau der KI-Infrastruktur. Mit sehr guten Bonitäten, gigantischen Emissionsvolumina und einem breit gefächerten Laufzeiten- und Währungsspektrum entwickeln sich die Anleiheprogramme der US-Hyperscaler zunehmend zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz für Staatsanleiheemittenten. Im Segment der Investment Grade-Anleihen machen die Neuemissionen aus dem KI-Sektor inzwischen 14 Prozent aller Neuemissionen aus, Tendenz steigend.
Zitat des Quartals
„Die heutigen Maßnahmen zeigen, dass wir es ernst meinen. “
Kevin Warsh, Fed-Vorsitzender, zur Zinserhöhung der US-Notenbank am 16. September
Quellen: EZB, Fed; Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Entwicklung.
Stand: 30.09.2026
Quelle: Metzler; Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Entwicklung.
Stand: 25.09.2026
Gleichwohl geht auch von einem realzinsgetriebenen Renditeanstieg ein Risiko für den Aktienmarkt aus, da er die Finanzierungskosten nach oben treibt. Titel kapitalintensiver, stark fremdfinanzierter Sektoren wie Immobilien oder Erneuerbare Energien gerieten daher im dritten Quartal unter Abgabedruck. Der breite Markt präsentiert sich indessen in robuster Verfassung. Die Investitionen entlang der gesamten KI-Wertschöpfungskette, die auch außerhalb des US-Technologiesektors zu einer Sonderkonjunktur führen, dürften die globalen Unternehmensgewinne im laufenden Turnus mit einer Dynamik steigen lassen, wie es sonst nur aus zyklischen Erholungsphasen nach schweren Rezessionen bekannt ist. Solange dieser fundamentale Gewinntrend intakt ist, sollte der Gesamtmarkt die höheren Kapitalkosten verkraften können. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass das Narrativ der Wachstums- und Produktivitätspotenziale durch KI keine Risse bekommt.
Infolge des signifikanten Renditeanstiegs im bisherigen Jahresverlauf eröffnen sich bei Anleihen mittlerweile attraktive Ertragschancen. Fallende Aktienrisikoprämien – gemessen an der Differenz zwischen der Gewinnrendite von Aktien und der Rendite zehnjähriger Staatsanleihen – verdeutlichen zudem, dass die relative Attraktivität von Rentenpapieren gegenüber dem Aktienmarkt spürbar zugenommen hat. Ein detaillierter Blick auf diese Kennzahl offenbart überdies ein geografisches Gefälle: Die europäischen Börsen dürften die steigenden Renditen im internationalen Vergleich deutlich besser abfedern können, da sie vergleichsweise niedrig bewertet sind. Die US-Märkte dagegen sind angesichts hoher US-Treasury-Renditen stärker darauf angewiesen, dass das vom Markt antizipierte Gewinnwachstum der Unternehmen tatsächlich eintritt.
Kurzfristige Voraussetzung für ein Ende des Ausverkaufs am Anleihenmarkt ist, dass der Inflationsdruck schwindet und die Notenbanken ihre restriktivere Geldpolitik beenden. Aktuell zeichnet sich ein solches Szenario indes nicht ab und wir rechnen in den kommenden Monaten mit weiteren Leitzinserhöhungen. Da die Unsicherheit über Zeitpunkt und Ausmaß dieser Schritte groß ist, empfehlen wir, langlaufende Titel weiterhin zu meiden. Das gilt im besonderen Maße für Staatsanleihen, da die ausufernden Staatsschulden von den Marktteilnehmern zunehmend kritisch gesehen werden. Im Fokus steht hierbei das hohe Haushaltsdefizit der USA, welches nicht zuletzt wegen der explodierenden Zinskosten immer größer wird.
Kurzfristig dürften neben der Berichtssaison, die geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten, die Ölpreisdynamik sowie die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen die maßgeblichen Determinanten für die globalen Aktienmärkte bleiben. Rund um die US-Kongresswahl im November ist mit einer erhöhten Volatilität zu rechnen, da unsicher ist, wie die Politik auf die wachsende Wählerskepsis gegenüber KI reagieren wird.
Das Portfolio unserer aktiv-diskretionären Multi-Asset-Strategie haben wir vor diesem Hintergrund defensiver aufgestellt als zuvor und die Aktienquote leicht reduziert. Im Rentenbaustein favorisieren wir Kurzläufer, bonitätsstarke Unternehmensanleihen ziehen wir langlaufenden Staatsanleihen vor. Bei Gold und im US-Dollar behalten wir bis auf Weiteres unsere neutrale Positionierung bei.
Einschätzung und Veränderungen im Überblick
Unsere zentralen Investmentthesen
Quelle: Metzler; Stand: 30.09.2026

Oliver Schmidt
Chief Investment Officer