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Ein Artikel aus ZEITmagazin MANN 2/18 - 25.9.2018

Der Bankier

Er führt die älteste Privatbank Deutschlands, fördert zusammen mit seiner Frau Museen und lädt ganz Frankfurt zu legendären Festen ein. Dabei hätten Friedrich von Metzler und seine Familie nach der Entführung und dem Tod eines Sohnes allen Grund, sich abzuschotten. Aber wer ihn trifft, ahnt, warum ihn dieser Schicksalsschlag nicht gebrochen hat.
 

Er trägt, wie fast immer, einen dunkelgrauen Anzug. Die Manschetten des weißen Hemdes sind schlicht geknöpft, keine Cabochons als Manschettenknöpfe, keine Uhr aus dem Luxussegment. An Statussymbolen hat er kein Interesse. Er ist nicht sportlich genug, um sich auf Jachten zu vergnügen, und dass er früher gern und gut geritten ist, wird eher nebenbei erwähnt. Metzler macht kein Aufhebens von sich, und sein runder Schädel wirkt alles andere als weltmännisch.

Wir treffen uns vor dem Städel Museum, jenem Museum am Schaumainkai, das von der Familie Metzler immer schon profitiert hat und weiterhin profitiert. Der Besuch im Museum war unser Vorschlag, nicht um Metzlers Kenntnisse in der Kunstgeschichte zu prüfen – sondern um anhand von Bildern ins Gespräch zu kommen, abseits der Themen, über die er schon dutzendfach Auskunft gegeben hat. Über ihn, den erfolgreichen Frankfurter Privatbankier, ist schon sehr viel gesagt worden, ihn, den »Citoyen« (manager magazin), den »letzten Romantiker« (Handelsblatt) und »Menschenfreund« (Süddeutsche Zeitung). Auch über sein Unternehmen, die älteste deutsche Privatbank, B. Metzler seel. Sohn & Co., sind in den 340 Jahren ihrer Existenz einige Bände veröffentlicht worden.

Als wir ihm die Idee mit dem Städel vorschlugen, bekam sein Blick etwas Zögerliches. Aber er ließ sich auf das Spiel ein, und als es zu dem Treffen kommt, lobt er erst mal: »Schön, dass an einem heißen Sommertag so viele Menschen da sind.«

Wir beginnen oben bei den alten Niederländern, mit der Fröhlichen Gesellschaft von Dirck Hals. Eine wüste Fete hat der Künstler 1620 festgehalten: Alle Gäste stark angeheitert, Damen mit üppigen Dekolletees schauen glasig, leer gelutschte Austernschalen auf dem Boden beweisen, dass man aus dem Vollen geschöpft hat.

Friedrich von Metzler, Partner B. Metzler seel. Sohn & Co.
Friedrich von Metzler

Metzler tritt noch einen Schritt näher an die Leinwand heran, fast fürchtet man, gleich werde der Alarm ausgelöst. Dann lacht er: »So geht es bei uns nicht zu.« Er und seine Frau Sylvia sind in Frankfurt bekannt dafür, fantastische Feiern zu organisieren. Es kommen grüne Politiker aus Wiesbaden in Jeans, im Maßanzug die Herren von der Deutschen Börse aus der Innenstadt, Hockeyspielerinnen aus Sachsenhausen, FAZ-Herausgeber aus dem Gallus, Fußballprofis von der Eintracht, Lehrlinge aus der Bank am Mainufer und, immer dabei, Freunde der Kinder Franz und Elena. Die Türen der Metzlerschen Villa standen sogar offen an jenem schwersten Tag 2002, als die Nachricht eintraf, dass der entführte Sohn Jakob nicht mehr am Leben sei. Da verkrochen sich die Eltern des Elfjährigen nicht, sondern nahmen alle auf, die ihnen Mitgefühl und Trost spenden wollten.

Aber das war eine große Ausnahme.

Meist kommt man in der Mörfelder Landstraße zusammen, um guter Dinge zu feiern: eine Ausstellung, einen Jahrestag, einen Aus- oder Einstand oder, wie kürzlich, eine Hochzeit, als die Tochter in die Hotel-Dynastie der Steigenberger einheiratete. »Ich freue mich, wenn Menschen unser Haus beleben. Wir bringen Freunde und Kunden zusammen, einfach eine bunte Mischung. Sie führen gute Gespräche, tauschen sich aus über alles Mögliche«, sagt Metzler.

Jeder fühlt sich wahrgenommen, wenn ihn die Gastgeber am Eingang begrüßen, einzeln und mit Namen. Unermüdlich sind Metzler und seine Frau unterwegs, um Herrn A der Frau B und das Ehepaar C den Ds vorzustellen. Man nennt es »metzlern«. Es geht darum, dass die Gäste sich wohlfühlen, aber nicht nur mit ihresgleichen abhängen. Wenn dabei der eine oder andere Kontakt zustande kommt, der sich als nützlich erweist, umso besser.

»Metzlern gefällt mir viel besser als das Wort vom Netzwerken«
Friedrich von Metzler

»Metzlern gefällt mir viel besser als das Wort vom Netzwerken«, bemerkt der Namensträger. Wie lässig er es beherrscht, ist auch der FAZ nicht entgangen: »Niemand in Frankfurt vermag dies heute besser als Friedrich von Metzler, der mit seinem unkomplizierten Auftritt und seinem freundlichen Wesen die Kunst perfekt beherrscht, seinem jeweiligen Gesprächspartner das Gefühl zu geben, er sei ihm ganz besonders willkommen.« Wie das mit dem Metzlern zustande kam, berichtet er gern. Schuld war Emma Metzler. Sie führte im 19. Jahrhundert einen Salon, Gast war dort häufig ein junger Abgeordneter des Paulskirchenparlaments.

Später bekannt als Reichskanzler Otto von Bismarck. Als Frankfurt stöhnte unter den Reparationskosten, die die preußischen Besatzer 1866 von der Freien und Reichsstadt forderten, nutzte Emma Metzler diesen Kontakt, um Erleichterung zu erwirken. Das gelang.

Nicht zuletzt, weil Bismarck sich gut daran erinnerte, wie gern er in Frankfurt immer »gemetzlert« hatte.

Ein anderer Vorfahr, auch er hieß Friedrich, war ein Jugendfreund von Johann Wolfgang von Goethe. Logisch, dass wir bei Johann H. W. Tischbein vorbeischauen. Dessen Werk Goethe in der Campagna (1787) ist für das Städel, was die Mona Lisa für den Louvre ist – das Paradestück, gleich im ersten Saal oben, stets bewundert, immer umlagert. Friedrich Metzler nimmt nicht Platz auf der Bank vor dem Werk, er bleibt stehen. Und schaut genau. Natürlich weiß er, warum über den zwischen antiken Trümmern hingelagerten Großdichter hier gern gelacht wird. Tischbein hat sich ziemlich vermalt, der Arm zu lang – und dann die Füße!

Nicht so schlimm, findet Metzler, »besser zwei linke Füße als zwei linke Hände«, und erinnert gleich an Andy Warhols grellfarbigen Goethe-Siebdruc, der im Untergeschoss hängt. Friedrich Metzler, also der Ältere, hatte übrigens die Idee einer frühen Notenbank – und tatsächlich: In Faust II finden sich in der Geldschöpfungsszene konkrete Bezüge darauf. »Allerdings führte es dort faustisch zu einer großen Spekulation. Das war natürlich nicht die Absicht meines Vorfahren. Er hatte die Professionalisierung des Geldwesens vor Augen.«

Das Tischbein-Gemälde hat die Familie Rothschild, auch sie Frankfurter Bankiers, vor mehr als hundert Jahren dem Museum geschenkt. Heute sind es die Metzlers, die das Städel auf vielseitige Weise unterstützen: Sylvia von Metzler ist Vorsitzende des umtriebigen Freundeskreises, außerdem hat sie das Städelkomitee des 21. Jahrhunderts gegründet, wo Mäzene sich zusammentun, um Ankäufe zu unterstützen. Wenn Metzlers selbst etwas kaufen, landet es an der Wand, nicht im Tresor. Er gibt zu, dass es mit dem Platz allmählich eng wird. Aber da sind ja noch die Flure des Bankhauses, wo zeitgenössische Arbeiten, etwa aus dem Atelier Goldstein, hängen, in Kontrast zu dem Mahagoni-Mobiliar und dem alles Laute dämpfenden hellgrauen Teppichboden.

Apropos Kunst: Hat man Sie schon porträtiert, Herr von Metzler, richtig repräsentativ, in Öl? Fassungsloser Blick zurück – wie, etwa zu Lebzeiten? Abwegige Vorstellung. Selbst sein Vater habe das unangemessen gefunden. Ein Porträt von Albert von Metzler wurde »FM«, so heißt der Sohn bankintern, zum 70. Geburtstag geschenkt, es ist nach einer Fotografie entstanden. Mehr Aufwand schien ihm überflüssig, aber er schätzt das Bild, belegt es doch Tradition und Unabhängigkeit als Werte, die Bestand haben.

Albert von Metzler
Albert von Metzler

Viele Jahre lebte er mit den Eltern in der Großen Gallusstraße, mitten in der damals noch halb zerstörten Frankfurter Innenstadt, oben im sechsten Stock, unten die Bank. Manche Kinder wachsen hinter dem Tresen der elterlichen Kneipe auf, andere eben in einem kleinen Bankgeschäft. Mittags bei Tisch wurde erzählt, was gerade unten in der Wertpapierabteilung anlag. Man ließ dem Sohn freie Hand bei der Berufswahl. »Mein Vater hat immer gesagt: ›Ihr müsst eure Berufung selbst herausfinden. Wenn ihr etwas versucht und es nichts ist, könnt ihr auch wechseln.‹ Das habe ich mit meinen Kindern genauso gehalten. Und als mein zehnjähriger Sohn beim Frühstück sagte: ›Papi, sei doch ehrlich, du willst, dass ich später in die Bank komme‹, da habe ich gesagt: ›Nein, es bleibt dabei, wie wir es diskutiert haben.‹« Ihm ist in erster Linie wichtig, dass Sohn und Tochter im Beruf glücklich werden. Beide sind mittlerweile in der Bank tätig, was er gerade nicht erwähnt, womöglich, weil es auftrumpfend klänge. Dass einer in der Reihe fehlt, dass die Wunde, die Jakobs Tod gerissen hat, niemals heilt – auch darüber spricht der Vater nicht. Seine eigene Ausbildung gehorchte allen einst für unverrückbar gehaltenen, soliden Kriterien seiner Branche und verdient den Ausdruck sorgfältig – angefangen bei Münchmeyer Im- und Export in Hamburg, wo er im Hafen noch regelmäßig mit Kaffeeröstern zu tun hatte, über die Londoner Vermögensverwaltung J. Henry Schroder Wagg & Co und verschiedene New Yorker Institute, bei denen er das Investmentbanking kennenlernte. 1969 war es schließlich so weit: Start in Frankfurt.

Falsch wäre es, anzunehmen, dieser Sohn habe von Anfang an auf einem Sockel von Gelassenheit und Selbstbewusstsein gestanden. Sein Vetter Christoph galt als der Begabte, Kluge, Weltgewandte. Sie hätten sich prima verstanden, heißt es heute, nur leise wird angedeutet, die beiden hätten miteinander konkurriert. Christoph starb unerwartet 1993, mit 50 Jahren, fortan ruhte die Rolle des Familienoberhaupts auf Friedrichs Schultern. Ebenso falsch ist auch die Annahme, wer erbe, brauche nicht zu kämpfen, alles falle so einem ja in den Schoß. Erben, die halbwegs intelligent sind, holen dann tief Luft und bestätigen: Zu erben, zumal ein Unternehmen zu erben, bedeute, zwischen Generationen zerrissen zu werden. Den Eltern muss man beweisen, dass man es kann. Den Nachkommen soll die Chose so ordentlich wie möglich hinterlassen werden, womöglich noch größer, solider und dabei erfolgreicher, als man sie übernommen hat. Und zur Wahrheit gehört außerdem, dass jede Generation mit mindestens einer Herausforderung zu kämpfen hat, die niemand vorausgesehen hat. Unvermittelt kommt das Gespräch auf das Jahr 2008. 15. September, die Lehman-Pleite. Niemand hatte für möglich gehalten, dass eine New Yorker Investmentbank dieser Größe im Strudel der amerikanischen Immobilienkrise untergehen könnte. Alles blickte in den Abgrund. Der Handel zwischen den Banken, egal ob Anleihen, Währungen oder Fondsgeschäfte, rutschte auf null. Kein Geldinstitut vertraute dem anderen, jede Bank konnte die nächste sein, selbst langjährige Geschäftsbeziehungen wurden neu unter die Lupe genommen.

Da mag es durchaus helfen, sich vor Augen zu führen, wie viele Krisen und Herausforderungen schon überwunden wurden, im 20. Jahrhundert etwa: »Das Geld war zweimal nichts mehr wert. Aktien haben überlebt, das war immer unsere Kultur – Wertpapierkultur. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben unsere Vorgänger gesagt: Wir werden 20 bis 30 Jahre warten müssen, bis unser Geschäft wiederkommt.« So war es. Die vier Säulen, auf denen das Geschäft von B. Metzler seel. Sohn heute ruht, heißen Private Banking, Corporate Finance, Capital Markets und Asset Management. Die Geschäftsberichte sprechen durchweg von einem soliden Jahresüberschuss, der Bilanzgewinn der Bank betrug zuletzt 2,3 Millionen Euro. Im Einzelnen aufgeschlüsselt wird das nie, da ist man verschwiegen. Von Private-Equity-Hypes hält man sich fern. Wie überhaupt die kurzatmigen Konzepte der Kreditinstitute distanziert betrachtet werden: »Vor etwa 20 Jahren fingen einige Banken an, kurzfristig zu denken. Erfolg wurde plötzlich in Zwölfmonatszyklen gemessen. Das haben wir nie gemacht. Es hat allen geschadet, denn die Kunden haben das Vertrauen in das Bankensystem verloren. Wir hingegen werden weiterhin empfohlen, wir scheinen also Vertrauen zu genießen.« Sicher liegt das auch an dem Mann, der seit 45 Jahren mit seinem Namen für Kontinuität und Unabhängigkeit steht. Metzler-Kunden sind Privatleute, vor allem aber große Anleger wie Versicherer, Pensionsfonds und Kommunen.

»Ein Bankier muss ein Menschenfreund sein, er muss Interesse an Menschen haben.«
Friedrich von Metzler

Manchmal bedeutet es eine glückliche Entscheidung, nicht mitzumachen. Friedrich Metzler kann stillhalten. Auch, als es um seine Frau ging. Verliebt habe er sich in die blonde, aparte Sylvia gleich, als er sie das erste Mal sah. Beim Geburtstagsfest eines Freundes. Sie war noch in festen Händen, das wollte er respektieren, erzählt er. »So habe ich gewartet, mich immer wieder mal bei ihr gemeldet, und dann...« Er lässt den Satz unvollendet, nicht ohne dabei zufrieden auszusehen. Das Prinzip hat sich auch im Geschäftlichen bewährt. Dranbleiben, die Stimmung erspüren und im richtigen Moment die Chance nutzen. In der Bank heißt es, FM sei äußerst »abschlussorientiert«. Und die Schriftstellerin Eva Demski sagt: »Er hat natürlich mit der Materie Geld zu tun, aber er lässt sich nicht von dieser Materie überwältigen.«

Wir stehen jetzt vor einem kleinen Bild, das Metzler bislang übersehen hat, Tanz der Ratten von Ferdinand van Kessel (1690). Es ist einer der Favoriten des Publikums. Vier Nager halten sich an den Pfoten, drehen sich im Kreis, die Schnurrbarthaare zittern. »Wenn die Katze aus dem Haus ist...« Im Frühjahr hat sich Metzler aus dem operativen Geschäft offiziell zurückgezogen. Bedeutet das eine Erleichterung? »Ja. Ich wollte klarmachen: An mir hängt nicht der Erfolg der Bank. Sollte ich morgen nicht mehr da sein, sind genug Kollegen in der Verantwortung.« Das klingt gut. Stimmt es auch, so ganz? Alle, die ihn kennen, sind sicher: Er wird jetzt kaum im Lehnstuhl Romane lesen oder sich daheim um den Garten kümmern. Dazu bereitet es ihm viel zu großes Vergnügen, mit seinem Äppelwoi-Charme neue Kunden aufzutun und die Bank bekannter zu machen.Sorgen machen dem erfahrenen Bankier allerdings politische Veränderungen. Weniger drohende Handelskriege oder die Zinspolitik, eher beispielsweise die drohende Altersarmut vieler Deutscher. Im November vergangenen Jahres wandte sich Metzler an die Parteien, die in Berlin über eine Jamaika-Koalition verhandelten. Er schrieb: »Die gesetzliche Rente ist schon jetzt zu einem Drittel steuerfinanziert. Es kann nicht sein, dass darauf nicht reagiert werden soll.« Ein Konzept sei unumgänglich, zumindest die betriebliche und die private Vorsorge müssten zukunftssicher gemacht werden. Dass die letzte Regierung eine Garantiezusage für die betriebliche Altersversorgung abgeschafft hat, lobt er ausdrücklich. Das könnte viele Arbeitgeber ermutigen.

Warm ist es jetzt hier oben, kleine Schweißperlen stehen auf seiner Stirn. Kühler ist es in den Gartensälen, der Abteilung für zeitgenössische Kunst im Souterrain. Wir stehen vor einer großformatigen Arbeit von Andreas Gursky. Charles de Gaulle, eine Pariser Flughafen-Szene, überfüllte Rolltreppen, Hektik, Massenbetrieb. Geschäftsreisen sind keine Vergnügungstrips, doch die Autorin hat Metzler einmal im Flughafen am Gepäckband beobachtet, wie er heiter und zwanglos mit Fremden ins Gespräch kam. »Ein Bankier muss ein Menschenfreund sein, er muss Interesse an Menschen haben.« In wenigen Tagen bricht er mit seiner Familie nach Japan auf. Für Sightseeing und Genuss wird kaum Gelegenheit sein. Neu ist, dass er nicht mehr allein, sondern mit Kollegen reist. Nicht ohne einen besonderen Hintergedanken. »Wir sagen unseren Mitarbeitern: Ihr seid auch für eure Vorgesetzten verantwortlich.« Das sollten die Vorgesetzten ruhig wissen. »Ich freue mich, wenn ein junger Mitarbeiter mich darauf hinweist, dass ich in einem Kundengespräch zu viel geredet habe. Das kommt vor, wenn ich in Fahrt bin.« Diese Art von Kritik sei im Alter besser auszuhalten. »Ob ich früher schon so souverän war, kann ich nicht sagen.«

»Schön, dass Sie mal wieder bei uns sind, Herr von Metzler.« Einer der Museumswärter begrüßt ihn, man kommt ins Plaudern, der Wärter zeigt auf seinen Lieblingssaal. Er ist nach Barbara von Metzler benannt, der 2003 gestorbenen Schwester. Wirtschaftsprüferin war sie und eine geniale Fundraiserin. Kaum einer in der Stadt war vor ihrem Charme und ihrem Betteltalent sicher. 23 Millionen D-Mark kamen zusammen für einen Anbau. Die familieneigene Stiftung finanziert unter anderem Stipendien-Programme für junge Angestellte aus Südeuropa, unterstützt die Senckenberg-Gesellschaft und ein Familienzentrum mit Programmen für junge Eltern. Rund 1000 Anfragen im Jahr werden abschlägig beschieden. Es heißt, Formabsagen seien tabu.

Draußen am Schaumainkai erkennt niemand Metzler, den Frankfurter Ehrenbürger. Natürlich wird er noch weiterarbeiten, nach dem Museumsbesuch. Sich womöglich mit dem Vorstand Emmerich Müller zusammensetzen, die Japan-Reise vorbereiten. Und vielleicht abends mit seiner Ehefrau über die Gästeliste für das nächste Fest sprechen.


Ein Artikel aus ZEITmagazin MANN, Ausgabe 2/2018, von Anna von Münchhausen