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23.1.2019

Drei Fragen: Künstliche Intelligenz

Menschliche Potenziale versus künstliche Intelligenz
Interview mit Prof. Dr.-Ing. Christian Bauckhage, Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS

1. Herr Bauckhage, wie lässt sich künstliche Intelligenz kurz und knapp definieren?

Bauckhage: Schwache künstliche Intelligenz (KI) ist der Versuch, Algorithmen oder Computerprogramme zu entwickeln, die gewisse kognitive Fähigkeiten des menschlichen Gehirns simulieren, zum Beispiel zu sehen, zu hören oder zu planen. Starke KI ist die Idee, Algorithmen oder Computersysteme zu entwickeln, die all das, was das menschliche Gehirn kann, auch können.

2. Wo sehen Sie die größten Chancen für KI?

Bauckhage: In wirtschaftlichen Anwendungen bietet KI große Chancen bei Effizienzsteigerung und Kostenersparnis. Dies wird den Arbeitsmarkt disruptieren. Heute noch gängige Berufe werden wegfallen, andere entstehen. Die Herausforderungen müssen wir als Gesellschaft gestalten. Gefahren sehe ich vor allem bei der Anwendung von KI in Waffensystemen. Hier muss sich die Gesellschaft klarmachen, welche Grenzen zu ziehen sind.

3. Wie schätzen Sie die Sorge ein, dass intelligente Maschinen in Zukunft ein eigenes Bewusstsein entwickeln und den Menschen beherrschen?

Bauckhage: Diese Frage wird mir oft gestellt, vermutlich, weil wir alle die „Terminator“-Filme gesehen haben. Nach aktuellem Stand wird es noch länger dauern, bis Maschinen Bewusstsein entwickeln. Vielleicht noch so viel: Der Begriff „künstliche Intelligenz“ ist meiner Meinung nach unglücklich gewählt; es wäre besser, von „künstlicher Kognition“ zu sprechen. Mit Intelligenz assoziieren wir oft – unbewusst – menschliche Eigenarten wie Herrschaftswille. Maschinelle Intelligenz verhält sich aber zur menschlichen Intelligenz so, wie sich Flugzeuge zu Vögeln verhalten: Die einen erzeugen Auftrieb durch Triebwerke, die anderen schlagen mit den Flügeln, und doch können beide fliegen. Mit anderen Worten: Künstliche Intelligenz funktioniert völlig anders als natürliche und verhält sich daher auch anders.

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