Cookies

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind für den Betrieb der Seite technisch oder rechtlich notwendig. Andere helfen uns, unser Onlineangebot stetig für Sie zu verbessern oder den Seitenbesuch für Sie komfortabler zu gestalten, indem Ihre Einstellungen gespeichert werden. Sie können Ihre Auswahl der akzeptierten Cookies individuell treffen und die Einstellungen jederzeit ändern. Weitere Informationen erhalten Sie unter Details.

Diese Cookies sind für den Betrieb der Seite technisch oder rechtlich notwendig.
*Sie können daher nicht abgewählt werden.

Um unsere Webseite für Sie weiter zu verbessern, erfassen wir anonymisierte Daten für Statistiken und Analysen.

Diese Cookies sollen Ihnen die Bedienung der Seite erleichtern. So können Sie beispielsweise Ihre Einstellungen 30 Tage lang speichern lassen.

28.2.2020 - Edgar-Walk

Coronavirus: Eine globale Epidemie bahnt sich an

In den vergangenen Wochen hat sich gezeigt, dass das Eindämmen des Coronavirus offenbar gescheitert ist und sich eine globale Epidemie anbahnt. In der Folge dürfte die weltweite Wirtschaftsaktivität in den kommenden Wochen merklich sinken. Einerseits handelt es sich dabei um einen Nachfrageschock, da vermutlich weniger Güter und Dienstleistungen gekauft werden. Andererseits könnte es zusätzlich zu einem Angebotsschock kommen, da zunehmend Lieferketten unterbrochen werden könnten. Ein Nachfrageschock wirkt deflationär, ein Angebotsschock hingegen inflationär. Es könnte somit sein, dass die Preise für kaum noch nachgefragte Güter und Dienstleistungen stark fallen, während sie für kaum noch angebotene Güter und Dienstleistungen stark steigen. Somit besteht das Risiko, dass hoch verschuldete Unternehmen ihre Schulden nicht mehr bedienen können, da ihnen die Umsätze wegbrechen und sich zudem die relativen Preise – also das Verhältnis zweier Preise zueinander – gegen sie wenden. Es ist somit wahrscheinlicher geworden, dass die Zentralbanken bald reagieren, um eine ausreichende Finanzierung von Unternehmen zu gewährleisten. Darüber hinaus ist auch die Wahrscheinlichkeit von Leitzinssenkungen gestiegen: In den USA wird schon ein Rückgang des Leitzinses von insgesamt 1 %-Punkt erwartet, was unter anderem auch den US-Dollar in der vergangenen Woche geschwächt haben dürfte. Auch ist zu erwarten, dass die Regierungen aufgrund der außergewöhnlichen Lage in Not geratenen Unternehmen bald staatliche Überbrückungsfinanzierungen anbieten – sie könnten sogar fiskalische Stimuli beschließen.

Die Vergangenheit hat jedoch gezeigt, dass sich die Wirtschaft schnell wieder erholt, sobald eine Epidemie überwunden ist, und der Produktionsverlust wieder aufgeholt wird. Derzeit besteht allerdings noch große Unsicherheit darüber, wann die Epidemiewelle wieder abklingen könnte.   

Konjunkturdaten ohne Aussagekraft

In der kommenden Woche werden die Einkaufsmanagerindizes für die Industrie (Montag) und den Dienstleistungssektor (Mittwoch) veröffentlicht. Die Einkaufsmanagerindizes dürften jedoch die jüngste Verschlechterung der Wirtschaftslage noch nicht widerspiegeln. Auch der Arbeitsmarktbericht in den USA (Freitag) und die deutschen Auftragseingänge (Freitag) haben bei den derzeit veränderten Bedingungen für die Wirtschaft keine Aussagekraft.

Update: Brexit – Großbritannien bei Verhandlungen mit der EU in einer starken Position?

Die Fronten sind schon verhärtet, bevor die Verhandlungen überhaupt begonnen haben. Die britische Regierung besteht nur noch aus Brexit-Befürwortern, deren übergeordnetes Ziel eine vollständige regulatorische Unabhängigkeit von der EU ist – auch wenn damit ökonomische Kosten verbunden sind. Die Vertreter der britischen Regierung sind der festen Überzeugung, dass die EU früher oder später einlenken wird. Aus Sicht der EU würde ein nahezu freier Zugang zum Binnenmarkt früher oder später die Europäische Union sprengen: Andere Netto-Beitragszahler hätten dann ebenfalls einen großen Anreiz, die Union zu verlassen. 

Eine Einigung über einen Handelsvertrag bis Jahresende scheint somit kaum möglich. Der Übergang zu einem Handel auf Basis der Regeln der Welthandelsorganisation würde zwar etwas Wachstum kosten, aber sehr wahrscheinlich keine Rezession verursachen. Ein großer wirtschaftlicher Schaden für Großbritannien würde sich wahrscheinlich erst mittelfristig zeigen.

Wie stark der Druck ist, in den Verhandlungen nachzugeben – das wird von der ökonomischen Verfassung der britischen und der europäischen Wirtschaft im nächsten Jahr abhängen. Die britische Wirtschaft dürfte sich in einem Boom befinden – aufgrund der deutlich steigenden Staatsausgaben und der höheren Investitionen der binnenwirtschaftlich orientierten Unternehmen. Die europäische Wirtschaft dagegen dürfte vor sich hindümpeln, da fiskalische Spielräume nicht genutzt werden. Vielleicht wird der Druck des schwachen Wachstums in Europa die EU dann doch zu großen Zugeständnissen gegenüber Großbritannien zwingen. 

Volatilität ist ein gefährliches Risikomaß – blindes Verlassen auf Kreditratings vor der Finanzmarktkrise als warnendes Beispiel

Vor der Finanzmarktkrise gab es eine große Nachfrage von Anlegern nach „sicheren“ Anleihen mit bester Bonität und einer gleichzeitig hohen Rendite. Die Antwort darauf waren die „Collateral Debt Obligations“ (CDOs), in denen Hypothekenkredite mit schlechter Bonität und hohen Renditen gebündelt wurden. Mithilfe der Annahme, dass die Ausfallrisiken der einzelnen Kredite unkorreliert seien, konnten die Ratingagenturen für die Senior-Tranchen der CDOs beste Bonitätsnoten vergeben. Tatsächlich fielen jedoch in der Finanzmarktkrise zahlreiche Kredite gleichzeitig aus, sodass Anleger auch in den Senior-Tranchen schmerzhafte Verluste erlitten.

In der aktuellen Niedrigzinsphase ist die Nachfrage nach „sicheren“ Anlagen mit gleichzeitig hohen Renditen erneut hoch. Als Risikomaß scheinen die Kreditratings jedoch ausgedient zu haben; das Maß aller Dinge scheint nun die Volatilität zu sein. Ein gutes Beispiel dafür ist Private Equity: Laut dem Datenanbieter Cambridge Associates ließ sich mit der Anlageklasse US-Private-Equity seit 2010 ein Ertrag von durchschnittlich 14 % p. a. erzielen – bei einer Volatilität von nur 5,7 %. Das Problem dabei ist jedoch, dass die niedrige ausgewiesene Volatilität dadurch zustande kommt, dass Private-Equity-Firmen ihre Beteiligungen nur in größeren zeitlichen Abständen bewerten und das teilweise sogar selbst übernehmen. Tatsächlich investieren Private-Equity-Firmen überwiegend in kleinere und mittlere Unternehmen, deren Geschäftsmodelle riskanter sind als die von Großunternehmen; zudem nutzen sie neben dem verfügbaren Eigenkapital noch Fremdkapital. Unseren Schätzungen zufolge hätte ein Anleger mit einer vergleichbaren Schuldenaufnahme wie ein durchschnittlicher Private-Equity-Fonds seit 2010 mit Small Caps ebenfalls eine durchschnittliche Wertentwicklung von 14 % pro Jahr am US-Aktienmarkt erzielen können – jedoch mit einer Volatilität von mehr als 23 %. Die künstlich niedrige Volatilität von Private Equity signalisiert somit eine Sicherheit, die nicht den Tatsachen entspricht, da es sich um eine sehr riskante Anlage handelt. Die Höhe der Rendite hängt nun einmal vom eingegangenen Risiko ab. Diesen Gegensatz über einen längeren Zeitraum hinweg auszuhebeln kann kaum gelingen. 

Eine gute und erfolgreiche Woche wünscht

Edgar Walk

Chefvolkswirt Metzler Asset Management

Kapitalmarktausblick auf KW 10 28.2.2020 PDF — 320 KB
Edgar Walk, Chefvolkswirt Metzler Asset Management
Edgar Walk

Chefvolkswirt , Metzler Asset Management

Edgar Walk arbeitet seit 2000 bei Metzler. Als Chefvolkswirt im Bereich Asset Management ist er für die volkswirtschaftlichen Prognosen verantwortlich. Aufgrund seiner engen Zusammenarbeit mit dem Portfoliomanagement liegt sein Fokus neben der volkswirtschaftlichen Analyse verstärkt auf Kapitalmarktthemen. Vor seiner Anstellung bei Metzler studierte Herr Walk in Tübingen Volkswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Regionalstudien Ostasien und Japan. Zur Vertiefung seiner Studien verbrachte er ein Auslandssemester an der Doshisha-Universität in Kyoto (Japan). Am Institut für Weltwirtschaft in Kiel absolvierte er anschließend den Aufbaustudiengang „Advanced Studies in International Economic Policy Research“.

Weitere Beiträge

Diese Unterlage der Metzler Asset Management GmbH (nachfolgend zusammen mit den verbundenen Unternehmen im Sinne von §§ 15 ff. AktG „Metzler“ genannt) enthält Informationen, die aus öffentlichen Quellen stammen, die wir für verlässlich halten. Metzler übernimmt jedoch keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit dieser Informationen. Metzler behält sich unangekündigte Änderungen der in dieser Unterlage zum Ausdruck gebrachten Meinungen, Vorhersagen, Schätzungen und Prognosen vor und unterliegt keiner Verpflichtung, diese Unterlage zu aktualisieren oder den Empfänger in anderer Weise zu informieren, falls sich eine dieser Aussagen verändert hat oder unrichtig, unvollständig oder irreführend wird.

Ohne vorherige schriftliche Zustimmung von Metzler darf/dürfen diese Unterlage, davon gefertigte Kopien oder Teile davon nicht verändert, kopiert, vervielfältigt oder verteilt werden. Mit der Entgegennahme dieser Unterlage erklärt sich der Empfänger mit den vorangegangenen Bestimmungen einverstanden.