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Werbeinformation der Metzler Asset Management GmbH - 30.4.2021 - Edgar Walk

Warnsignal: US-Leistungsbilanzdefizit

In der kommenden Woche werden die Handelsbilanzdaten aus den USA (Dienstag), Deutschland (Freitag) und China (Freitag) veröffentlicht. Die Vermutung liegt nahe, dass die Defizite in den USA in den nächsten Monaten merklich steigen, während die beiden großen Exportnationen China und Deutschland immer höhere Überschüsse ausweisen werden. Wir rechnen sogar damit, dass das US-Leistungsbilanzdefizit Anfang 2022 auf etwa -6,0 % des BIP fallen und damit wieder den Tiefstand von 2006 erreichen könnte. 

USA: Leistungsbilanzdefizit von 6 % des BIP im Jahr 2022 wahrscheinlich
Leistungsbilanz in % des BIP

Quellen: Refinitiv Datastream, Metzler

2006 war das hohe Defizit ein Warnsignal für eine exzessive Kreditvergabe im privaten Sektor, die den Boom am US-Immobilienmarkt antrieb. Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Kausalkette: 

Exzessive Vergabe von Hypothekenkrediten ⇒ Boom am Immobilienmarkt ⇒ Immobilienpreise steigen ⇒ Vermögen der privaten Haushalte steigt ⇒ Kreditwürdigkeit der Konsumenten steigt ⇒ kreditfinanzierter Konsumboom ⇒ Importe steigen ⇒ Exporteure tauschen US-Dollar in lokale Währung bei ihren Banken ⇒ ausländische Banken und Zentralbanken halten die US-Dollars und legen sie in den USA an ⇒ Leistungsbilanzdefizit steigt ⇒ Ausländer finanzieren damit indirekt den US-Boom.  

Hätten die ausländischen Banken und Zentralbanken die US-Dollars nicht wieder in den USA angelegt, sondern am Devisenmarkt verkauft, wäre der US-Dollar-Wechselkurs stark gefallen und die US-Inflation gestiegen. Die US-Notenbank hätte dann als Reaktion darauf den Leitzins anheben müssen, was die Immobilienpreisblase möglicherweise verhindert hätte. 

Dieses Mal ist der Grund für ein voraussichtlich hohes US-Leistungsbilanzdefizit eine exzessive Kreditaufnahme des Staates. Ob ausländische Banken auch dieses Mal die von den Exporteuren erwirtschafteten US-Dollars halten werden, dürfte vom Renditeniveau der US-Staatsanleihen abhängen. Derzeit erscheinen US-Staatsanleihen angesichts der ultralockeren Geldpolitik der US-Notenbank nicht sonderlich attraktiv. Insofern könnte von der Anlegergruppe der ausländischen Banken zunehmend Verkaufsdruck auf den US-Dollar ausgehen.   

Die spannende Frage ist nun: Wie werden die Zentralbanken mit ihrer Interventionspolitik reagieren? Vor allem in vielen asiatischen Ländern scheint die Angst groß zu sein, infolge einer Aufwertung der eigenen Währung an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Nachbarn einzubüßen. Viele Regierungen in Asien und ihre Zentralbanken dürften daher weiter kräftig intervenieren, um ihre eigene Währung künstlich zu schwächen. Eine sehr ausgeprägte US-Dollar-Schwäche, die von einem gleichzeitigen Verkauf von US-Dollars durch die Banken und Zentralbanken ausgeht, ist daher eher unwahrscheinlich. 

Nur wenn im Inland Inflation und Löhne merklich steigen sollten – also ein Verlust an Wettbewerbsfähigkeit infolge steigender Kosten im Inland droht – dürften die asiatischen Regierungen bereit sein, eine Aufwertung ihrer Währung zuzulassen, um die Inflation wieder einzudämmen. Derzeit sind die Inflationsraten in den meisten asiatischen Ländern aber immer noch niedrig, sodass dieses Szenario allenfalls ein mittelfristiges Risiko für den US-Dollar ist.

Insgesamt spricht also vieles dafür, dass der US-Dollar mittelfristig moderat abwertet.  

Der „Once in a Lifetime“-Aufschwung 

Die Weltwirtschaft befindet sich mitten in einem der stärksten Aufschwünge seit dem Zweiten Weltkrieg. Bestätigung dafür dürfte von den Einkaufsmanagerindizes weltweit kommen (Montag: Industrie, Mittwoch: Dienstleistungssektor). Auch die deutschen Auftragseingänge (Donnerstag) dürften ein explosives Wachstum zeigen. 

Die anhaltend niedrige Zahl an Neuinfektionen in den USA ermöglicht es, die Wirtschaft bald wieder komplett zu öffnen. Die Stadt New York wird beispielsweise am 1. Juli alle coronabedingten Einschränkungen komplett aufheben. Dementsprechend ist eine rapide Erholung am Arbeitsmarkt (Freitag) zu beobachten – ein Anstieg der Beschäftigtenzahl von mehr als 1,5 Millionen im April ist somit nicht auszuschließen.    

Rohstoffknappheit ist ebenso Wachstumsbremse wie Inflationsrisiko

Täglich steigt die Zahl an Rohstoffen, die neue Höchstpreise erzielen. Die Verfügbarkeit von Rohstoffen als auch die Transportkapazitäten werden zunehmend knapp. Dabei steht der Konsumboom der Weltwirtschaft erst am Anfang. Mit der zunehmenden Öffnung der Wirtschaft weltweit wird die Beschäftigung überall rapide steigen – und damit der Konsum. Die Rohstoffknappheit könnte somit das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr bremsen. Es ist aber zu vermuten, dass die Konsumenten lange Wartezeiten akzeptieren werden, sodass der Konsumboom bis ins nächste, vielleicht sogar übernächste Jahr anhalten wird. Damit würde auch der Aufwärtsdruck auf die Rohstoffpreise anhalten – was wiederum mit Inflationsrisiken einherginge. 

Die Federal Reserve of New York veröffentlichte vor einigen Jahren ein einfaches Modell zur Erklärung und Prognose der Rohstoffpreise. Als Erklärungsfaktoren nutzte sie allein das globale reale Wirtschaftswachstum und die Entwicklung des handelsgewichteten US-Dollar. Der Internationale Währungsfonds erwartet ein globales Wirtschaftswachstum von 6,0 % in diesem Jahr und von 4,4 % im Jahr 2022. Wir rechnen gleichzeitig mit einer Abwertung des US-Dollar von 5 % in diesem und im nächsten Jahr. Das Modell prognostiziert auf Basis der genannten Annahmen einen Anstieg der Rohstoffpreise (Bloomberg Commodity Price Index) von insgesamt 40 % über zwei Jahre zwischen 2020 und 2022.

Bei den Rohstoffen ist bereits der Aufschwung bis ins nächste Jahr eingepreist
Index in USD

Quellen: Refinitiv Datastream, Metzler

In dieser Woche erreichte der „Bloomberg Commodity Price Index“ schon das prognostizierte Niveau von 2022. Im Endeffekt haben die Rohstoffpreise damit den erwarteten Wirtschaftsboom bereits eingepreist. In den kommenden Monaten droht jedoch ein Überschießen der Rohstoffpreise aufgrund der kurzfristig zunehmenden Knappheit. Die hohen Preise dürften jedoch eine Angebotsreaktion hervorrufen – verstärkte Investitionen in Produktions- und Transportkapazitäten, sodass es im nächsten Jahr wieder zu einer Entspannung bei den Rohstoffpreisen kommen dürfte. 

Edgar Walk, Chefvolkswirt Metzler Asset Management
Edgar Walk

Chefvolkswirt , Metzler Asset Management

Edgar Walk arbeitet seit 2000 bei Metzler. Als Chefvolkswirt im Bereich Asset Management ist er für die volkswirtschaftlichen Prognosen verantwortlich. Aufgrund seiner engen Zusammenarbeit mit dem Portfoliomanagement liegt sein Fokus neben der volkswirtschaftlichen Analyse verstärkt auf Kapitalmarktthemen. Vor seiner Anstellung bei Metzler studierte Herr Walk in Tübingen Volkswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Regionalstudien Ostasien und Japan. Zur Vertiefung seiner Studien verbrachte er ein Auslandssemester an der Doshisha-Universität in Kyoto (Japan). Am Institut für Weltwirtschaft in Kiel absolvierte er anschließend den Aufbaustudiengang „Advanced Studies in International Economic Policy Research“.

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