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Informationen für professionelle Kunden - 29.7.2020

Guter Fisch, schlechter Fisch

  • Ist die Kritik am Betreiben von Fischfarmen berechtigt?
  • Zu welcher Einschätzung kommt unser Portfoliomanagement? 
  • Welche Optionen ergeben sich für den Konsumenten? 
Angler

„Weder Fisch noch Fleisch“

Die Redensart ist seit Erasmus von Rotterdam (1469–1536) schriftlich belegt und bezeichnet Sachverhalte, die nicht klar zuzuordnen sind. In einer Dokumentation im öffentlich-rechtlichen Fernsehen wurde jüngst das Betreiben von Fischfarmen scharf kritisiert und auf die damit verbundenen Auswirkungen hingewiesen. Im Fokus steht insbesondere die Lachszucht, die als klassische Massentierhaltung mit Viren, Krankheiten und Parasiten zu kämpfen hat. Entsprechend werden die Tiere medikamentös und chemisch behandelt. Auch wenn in den meisten Medien die in der Dokumentation vorgebrachten Bedenken geteilt wurden, sollte auch bei diesem Thema nicht das große Ganze aus dem Blick geraten. So empfiehlt zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für Ernährung ein bis zwei Portionen Fisch pro Woche, davon 70 g fettreichen Seefisch wie Lachs. Auch der Umweltfußabdruck der tierischen Alternativen im Vergleich zur Lachszucht sollte nicht außer Acht gelassen werden. 

Konsumverhalten und Eiweißquellen 

  • 60 kg Fleisch und 14 kg Fisch verzehrte jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr 2019.
  • Die Vereinten Nationen erwarten einen Anstieg der Weltbevölkerung von aktuell 7,8 Mrd. auf 9,7 Mrd. bis 2050.
  • 70 % der Erde sind mit Wasser bedeckt, 30 % mit Land.  

Nach Zahlen der Welternährungsorganisation stammten 2017 rund 7 % der Eiweißquellen unserer Ernährung aus dem Fischverzehr: 

Protein Source for human Consumption (2017)

Im Vergleich zu anderen tierischen Eiweißen zeichnet sich der Zuchtlachs durch einen niedrigen Treibhausgas- und Wasserfußabdruck aus sowie durch eine hohe Futtermitteleffizienz und Proteinspeicherung.

Ohne die Konsumpräferenzen von tierischen hin zu pflanzlichen Eiweißen signifikant zu ändern, bietet Zuchtlachs zahlreiche Vorteile im Vergleich zur Landtierzucht:

Footprint Zuchtlachs vs Landtiere

* Gesamtwasser-Fußabdruck für Zuchtlachsfilets in Schottland, im Verhältnis zu Gewicht und Gehalt an Kalorien, Protein und Fett.

Umweltauswirkungen im Überblick

  • Genetische Veränderungen beim Wildlachs: Entkommene Zuchtlachse dringen in Flüsse ein. Dies birgt ein Risiko von genetischen Veränderun-gen in der Wildlachspopulation.
  • Organische Partikel: Kot der Fische und Futter gelangen in die Umwelt. Die Emissionen bestehen hauptsächlich aus leicht abbaubaren Verbindungen, die Auswirkungen sind reversibel, und der Meeresboden kann sich über einige Monate bis zu einigen Jahren vollständig regenerieren. Es bestehen gesetzliche Verpflichtungen, den Meeresboden kontinuierlich zu überwachen, sodass sich die Umweltauswirkungen der Aquakultur in akzeptablen Grenzen halten.
  • Anwendung von Medikamenten: In der Bekämpfung von zum Beispiel Seeläusen kommen antimikrobielle Arzneimittel zum Einsatz, wenn die Gesundheit der Fische durch bakterielle Infektionen gefährdet ist.
  • Futtermittel: Der Einsatz von Fischmehl und Fischöl ist beim norwegischen Lachs von 90 % im Jahre 1990 auf 25 % im Jahr 2019 gesunken. Das Futter besteht somit aus überwiegend pflanzlichen Bestandteilen und trägt nicht zur Überfischung der Weltmeere bei.

Portfoliomanagement sieht langfristig gute Performancechancen

Für Boris Anbinder, Sektorexperte und Manager der Strategie European Dividend Sustainability bei Metzler Asset Management, stehen folgende Themen im Fokus, wenn es darum geht, Fischzuchtfarmen aus Nachhaltigkeitssicht umfassend zu bewerten:

  • Durch das sinkende Angebotswachstum aufgrund strikterer Regulierung und Umweltauflagen, insbe-sondere in Chile, entwickeln sich die Preise deutlich stabiler. Marktexperten erwarten ein Wachstum von durchschnittlich 3 % p. a. für die nächsten Jahre, im Vergleich zu 6–7 % p. a. in der Vergangenheit.
  • Deswegen setzen wir in unserer Einzeltitelauswahl auf Lachsfarmer, die durch Innovation wachsen und nicht auf die Vergabe neuer Lizenzen angewiesen sind. Diese Anbieter können das durch größere Fische bzw. mehr überlebende Fische erreichen.
  • Der Markt ist einerseits durch ein weiterhin starkes Nachfragewachstum infolge einer steigenden Weltbevölkerung geprägt. Weiterhin erwarten wir einen zunehmenden Pro-Kopf-Verbrauch in Ländern mit relativ geringem Fischverzehr. Beispielsweise werden in Norwegen 8,3 kg Lachs pro Kopf im Jahr gegessen, in Deutschland dagegen nur 2,1 kg, in den USA gerade mal 1,3 kg und in China sogar nur 0,1 kg pro Kopf (Stand: 2018).

Aufgrund dieses attraktiven Umfelds werden Lachsfarmen auch bei schwacher Konjunktur gute Ergebnisse erzielen und sich über den gesamten Zyklus als solide Dividendenzahler erweisen. In unserer Bewertung der Unternehmen berücksichtigen wir aber neben Finanzkennziffern wesentliche ESG-Themen wie das Management von Produktsicherheit und -qualität. 

Nachhaltigkeitsurteil durch MSCI ESG Research:

Mowi ASA ist der weltgrößte Produzent von Atlantischem Lachs. Die Analysten von MSCI ESG Research heben in ihrer letzten Beurteilung vom 6. Juli 2020 (AA) die hohen Standards des Unternehmens in der Qualitätssicherung und Zertifizierung der Produktionsstandorte hervor. Sie identifizierten in ihrer Analyse lediglich zwei Fälle mit moderaten „kontroversen“ Geschäftspraktiken in den Bereichen Biodiversität und Kartellrecht. 

Bakkafrost betreibt Lachsfarmen und zählt zu den weltweit größten Lachsproduzenten. Niedrige Standortrisiken durch die Produktion auf den Färöer-Inseln und ein verbessertes Wassermanagement haben das Nachhaltigkeitsrating der Experten von MSCI ESG Research vom 6. Juli 2020 (BBB) positiv beeinflusst. Aktuell liegen zudem keine Verstöße gegen international anerkannte Normen und Standards vor. 

Auf Qualität setzen!

Die Kritik an Fischzuchtbetrieben, insbesondere den Lachsaquakulturen, ist aus unserer Sicht berechtigt, aber es gilt hier zu differenzieren. Als aktiver Manager durchleuchten wir die Geschäftsmodelle und erkennen die Besonderheiten. Aufgrund dieser Datenbasis können wir die nachhaltig geführten Unternehmen von den weniger ESG-konformen Unternehmen unterscheiden. Unsere Integration von ESG-Komponenten in die Portfolioanalyse ist in diesem Sektor besonders relevant und hilft Unternehmen zu identifizieren, die vorhandene Risiken gut managen. Sie verfügen über entsprechende Programme und setzen diese um.

Im Fokus steht das Thema Produktsicherheit und Qualität in der Produktion und der Zulieferkette. Mowi fokussiert sich unter anderem auf zertifizierten Bio-Lachs; hier sind kritische Futtermittelzusatzstoffe wie Ethoxyquin sowie Hormone und Medikamente verboten. Zudem strebt das Unternehmen an, 100 % seiner Produktion nach dem ASC-Standard (Aquaculture Stewardship Council) zu zertifizieren.

Wir sind in einem aktiven Dialog mit den Unternehmen und erhalten hier oft einen noch tieferen Einblick in die Geschäftstätigkeit, der über extern verfügbare ESG-Daten hinausgeht. 

So sprachen wir im Februar 2020 gemeinsam mit unserem Engagement-Partner mit Vertretern von Mowi über die ESG-Programme und -Ziele des Unternehmens. Demnach ist es für Mowi ein zentrales Ziel, Antibiotika in den Futtermitteln zu vermeiden. Der in Norwegen praktizierte Ansatz wurde jüngst von der WHO als Vorbild für die Lachszucht empfohlen. 

Mittels Impfung der Fische lässt sich der Antibiotika-Einsatz auf fast null reduzieren. Im Vergleich zu anderen Unternehmen ermöglichen die spezifischen Netze bei Mowi den Fischen, in tieferen Regionen zu leben. So lassen sich die Risiken für die Fische verringern, die durch den klimawandelbedingten Anstieg der Meerestemperatur entstehen.

Kritiker der Lachszucht verweisen darauf, dass Omega 3 als umweltfreundliche Alternative in Leinsamen vorkommt. Die besonders wertvollen langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA sind jedoch nicht in Nüssen oder Ölsaaten enthalten, diese finden sich vorrangig in fettreichen Seefischen wie dem Lachs.

Die Umweltbilanz der anderen tierischen Alternativen 
ist deutlich kritischer, insbesondere der Konsum von Schweine- und Rindfleisch führt zu einem höheren Umweltfußabdruck. Langfristig wäre mehr Transparenz beim Umwelt- und beim sozialen Fußabdruck wünschenswert, um die Verbraucher noch stärker für die Qualität von Lebensmitteln in puncto Nachhaltigkeit sensibilisieren zu können.

Für unser Portfoliomanagement lautet die Devise, auf Qualität zu setzen – was wir auch Konsumenten empfehlen. Auch Verbraucherschutzorganisationen empfehlen beim Konsum von Lachs auf Bio-Lachs zu setzen, und bei tierischen Produkten gilt allgemein das Motto „weniger ist mehr“.

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. 
  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
  • Fisch Informationszentrum e. V. 
  • Fry et al. (2018): Effizienz der Futterverwertung in der Aquakultur: Messen wir sie richtig?
  • SINTEF (2020): Treibhausgasemissionen norwegischer Meeresfrüchteprodukte im Jahr 2017
  • Mekonnen, M.M. und Hoekstra, A.Y. (2010): Der grüne, blaue und graue Wasser-Fußabdruck von Nutztieren und Tierprodukten
  • SARF (2014): Die Nutzung von Umweltressourcen durch die schottische Aquakultur
  • Kontali (Analyseinstitut)
  • Mowi
  • Norwegisches Institut für Meeresforschung
  • SINTEF (unabhängige Forschungsorganisation)
     

Nähere Informationen dazu erhalten Sie unter Nachhaltigkeit.

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Stand: April 2020