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23.8.2018

Standpunkt zur DSGVO: Datenflucht könnte ein Thema werden

Smart Phone & Home, Industrie 4.0, Robo-Advisor – die Digitalisierung verändert unser Leben, unser Arbeiten und unsere Gesellschaft. Digitale Geschäftsmodelle basieren vor allem auf Daten, und für das Entwickeln neuer Technologien sind oft riesige Mengen davon unerlässlich. Sollte die neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) restriktiv angewendet werden, könnte dies die digitale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Europas massiv einschränken und eine Datenflucht auslösen.

Daten sind der Treibstoff der Digitalisierung


Die entscheidende Frage ist heute: „Wie können wir mit Daten Geld verdienen?“ Ein Unternehmen, das Daten und Konsumentenbedürfnisse verknüpft und daraus ein brauchbares digitales Geschäftsmodell zimmert, partizipiert an der datengetriebenen Wertschöpfungskette – bekannte Beispiele sind Airbnb, Uber und Immobilienscout24. Ohne ausreichend viele Daten lässt sich auch manch neue Technologie nicht vorantreiben – etwa die künstliche Intelligenz, deren Qualität von der Datenmenge abhängt, aus der die Systeme ihre Rückschlüsse ziehen. Datensparsamkeit ist hier nicht gefragt.

DSGVO kann den digitalen Wandel bremsen


Datenschutz, Datensicherheit und Transparenz bei der Verwendung persönlicher Daten sind berechtigte Anforderungen an eine digitale Zukunft. Jedoch könnte die DSGVO über das Ziel hinausschießen und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Europas gefährden. Denn noch ist unklar, wie die notwendige Balance zwischen dem Datenschutz des Einzelnen und der notwendigen Nutzung der Daten für digitale Geschäftsmodelle aussehen wird. Die Verunsicherung könnte zu einer eingeschränkten Risikobereitschaft für Digitalprojekte führen – keine gute Ausgangslage, um den Rückstand Deutschlands im digitalen Wettbewerb zu verkürzen; bisher liegt Deutschland im internationalen Vergleich weit zurück.

Datenflucht ist ebenso schädlich wie Steuerflucht


Der Wettbewerbsnachteil für die digitale Wirtschaft wäre enorm, wenn internationale Unternehmen ihre Geschäfte aufgrund der neuen Verordnung in Europa einstellen und Online-Angebote oder -Plattformen gar nicht mehr entstünden oder betrieben würden. Ebenso problematisch wären Überlegungen, wie man seine Daten, seine digitale Identität und die zugehörige Datenverarbeitung dorthin auslagern kann, wo weniger restriktive Vorschriften angewendet werden. Diese Datenflucht schadet der Wirtschaft und auch der Gesellschaft, zudem hätte sie gravierende Folgen für den Standort Deutschland.


Prof. Dr. Tobias Kollmann ist Inhaber des Lehrstuhls für E-Business und E-Entrepreneurship an der Universität Duisburg-Essen. Seit 2013 ist er Vorsitzender des Beirats „Junge Digitale Wirtschaft“ im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Prof. Kollmann ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de und veröffentlicht dort regelmäßig eine Onlinekolumne.
 

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