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21.9.2018

EbAV-II-Richtlinie: Mehr ESG*-Transparenz in der betrieblichen Altersversorgung

Mit der neuen EU-Richtlinie für Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbAV) sollen die Vorschriften harmonisiert werden. Wie auch bei anderen neuen Richtlinien sind Governance und Transparenz übergeordnete Ziele. Die EbAV-II-Richtlinie trägt der zunehmenden Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten in der Kapitalanlage Rechnung.

Neue EU-Richtlinie soll bAV harmonisieren

Die EU-Richtlinie 2016/2341 über die Tätigkeiten und die Beaufsichtigung von Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbAV-II-RL) wurde in ihrer Neufassung am 23. Dezember 2016 im Amtsblatt der EU veröffentlicht. Bis zum 13. Januar 2019 muss sie in deutsches Recht umgesetzt
werden. Der entsprechende Referentenentwurf liegt inzwischen vor, und das Bundesfinanzministerium strebt eine 1:1-Umsetzung an. Die Richtlinie betrifft Pensionsfonds und Pensionskassen. Von unseren Kunden wissen wir aber, dass sie die Regelungen der Richtlinie auch bei anderen Finanzierungsvehikeln berücksichtigen, zum Beispiel bei Contractual Trust Arrangements (CTAs) und Direktversicherungen. 

Richtlinie bezieht sich auch auf ESG-Aspekte

In mehreren Abschnitten der neuen Richtlinie geht es – anders als in der Richtlinie, die nun ersetzt werden soll – um Nachhaltigkeitsaspekte im Zusammenhang mit der Kapitalanlage zur Altersversorgung:

  • Anlagevorschriften: Den EbAV wird explizit gestattet, bei ihren Anlageentscheidungen ESG-Faktoren Rechnung zu tragen – also den langfristigen Auswirkungen auf ökologische, soziale und die Unternehmensführung betreffende Faktoren.
  • Sofern sich eine EbAV dazu entscheidet, soll sie im Sinne eines wirksamen Unternehmensführungssystems ESG-Faktoren bei Anlageentscheidungen berücksichtigen.
  • Im Zusammenhang mit dem Portfoliomanagement sollen die EbAV in ihrem Risikomanagementsystem bei Bedarf ESG-Risiken wie Klimawandel und Ressourcenverwendung in einer je nach ihrer Größe und Organisation angemessenen Weise abdecken.
  • Bei Berücksichtigung von ESG-Komponenten muss die EbAV in ihren Grundsätzen der Anlagepolitik öffentlich zugänglich erklären, wie sie ESG-Belangen Rechnung trägt.
  • Zudem haben die EbAV zukünftig eine umfassendere Auskunftspflicht gegenüber Versorgungsanwärtern und -berechtigten. Demnach müssen sie zum Beispiel darüber informieren, ob und wie sie ESG-Belange in der Anlagepolitik berücksichtigen.

In dem von der EU-Kommission am 24. Mai 2018 publizierten Entwurf einer Transparenz-Verordnung [„Disclosures relating to sustainable investments and sustainability risks and amending Directive (EU) 2016/2341“] ist sogar vorgesehen, die EbAV-Richtlinie „nachzuschärfen“ – also so zu verändern, dass der „Grundsatz der unternehmerischen Vorsicht“ (BaFin-Übersetzung für „prudent person rule“, PPP) auch bezüglich ESG-Kriterien zu berücksichtigen ist und ESG-Faktoren in den internen Investment- und Risikomanagementprozessen integriert werden müssen.

Interessenverband fordert stärkere Transparenz

Im Gegensatz dazu vertrat die Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung e. V. (aba) in einer EU-Konsultation im Januar 2018 noch die Meinung, dass Investmentunternehmen ESG-Faktoren freiwillig in die konventionellen Kapitalanlageprozesse einfließen lassen sollten (ESG-Integration). Wenn die Träger der EbAV eine Nachhaltigkeitsstrategie hätten, sollte diese kongruent übertragen werden. Insbesondere sprach sich die aba für mehr Transparenz bei der Darstellung der angewendeten ESG-Kriterien aus, auch im Zusammenhang mit der Aktionärsrichtlinie II, die bis Juni 2019 in deutsches Recht umgesetzt werden muss und ebenfalls zusätzliche ESG-Transparenzanforderungen enthält.

ESG im Metzler Pension Management

Metzler Asset Management berücksichtigt bereits seit 1999 ESG-Ausschlusskriterien in Spezialfonds. Seit 2016 gilt dies auch für alle Aktien- und Corporate-Bond-Fonds, ergänzt um den von der aba favorisierten Kernbestandteil der ESG-Integration in die Fundamentalanalyse. Hiermit wollen wir explizit langfristig die Investmentperformance steigern. Gleichzeitig führten wir ESG-Dialoge und -Stimmrechtsausübungen ein und beauftragten damit die Bank of Montreal; insofern sind wir auch bezüglich der Aktionärsrichtlinie II bereits in Vorleistung getreten. Nicht zuletzt haben wir zu all diesen Aspekten ein innovatives ESG-Reporting für Publikumsfonds, Spezialfonds und Master-KVGs entwickelt, das die ESG-Transparenz für Investments in Aktien sowie in Unternehmens- und Staatsanleihen entsprechend den aba-Anregungen für unsere Kunden deutlich erhöht.

Alle diese ESG-Aspekte sind Bestandteile des erweiterten Leistungsspektrums (Kapitalanlageberatung) der 2018 gegründeten Metzler Pension Management GmbH. Insbesondere bei Kapitalanlagestrategien (strategische Asset-Allokation) und bei Asset-Liability-Studien für Pensionsgelder fragen unsere Kunden häufig nach dem Einsatz von ESG-Kriterien. Die Langfristigkeit der Verbindlichkeiten in EbAV bietet sich geradezu an, nachhaltige Strategien umzusetzen, und die entsprechenden Finanzvehikel umfassen ohnehin ESG-Komponenten in ihren Anlagegrundsätzen.

*ESG steht für Environment, Social and Governance, also für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung.


Dr. Axel Hesse, ESG-Integration, Metzler Asset Management GmbH, und Martin Thiesen, Geschäftsführer Metzler Pension Management GmbH