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Praktische Hinweise zur Umsetzung - 10.1.2019

Transfer von Versorgungszusagen eines CTA auf einen Pensionsfonds

Das anhaltend niedrige Zinsniveau spiegelt sich in einem nach HGB weiter sinkenden Rechnungszins und damit steigenden Pensionsrückstellungen wider – mit negativen Auswirkungen für Bilanz und Gewinn-und-Verlust-Rechnung (GuV). Viele Unternehmen beschäftigen sich deshalb aktuell damit, ihre über ein Contractual Trust Arrangement (CTA) abgesicherten unmittelbaren Versorgungszusagen teilweise oder vollständig auf einen Pensionsfonds auszulagern. Hierbei sind einige Besonderheiten zu beachten, und je nach Komplexität kann die Einbindung von externen Spezialisten sinnvoll sein.

Die Übertragung von Pensionsrückstellungen auf einen Pensionsfonds bringt für das Trägerunternehmen Vorteile:

  • Die Beiträge an den Pensions-Sicherungs-Verein (PSVaG) sinken um 80 %.
  • Die Kapitalakkumulation ist steuerfrei.
  • In der HGB- und Steuerbilanz entfallen die Pensionsverpflichtungen; nach internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS/US-GAAP) werden Planvermögen und Verpflichtungen saldiert.
  • Die Pensionszusagen sind nicht von der „HGB-Zinsschmelze“ betroffen, d.h. die Notwendigkeit entfällt, die Rückstellungen wegen der handelsrechtlich verzögerten Auswirkungen des sinkenden Diskontsatzes weiter zu erhöhen.

Erstdotierung in Cash oder alternativ als Sacheinlage

Die Erstdotierung des mit den Verpflichtungen korrespondierenden Sicherungs-vermögens („Einmalbeitrag“) kann eine Cashzahlung oder alternativ eine Sacheinlage von Vermögensgegenständen des CTA sein. Bei einer Sacheinlage werden für Rechnung eines Trägerunternehmens im CTA gehaltene Vermögensgegenstände wie Spezialfondsanteile zu Marktpreisen auf den Rechtsträger Pensionsfonds übertragen, ohne diese vorher am Markt zu veräußern.

Zunächst werden mithilfe einer aus der Asset-Liability-Studie abgeleiteten strategischen Asset-Allokation (SAA) potenziell geeignete Anlagen zur Überführung in die „Pensionsfondswelt“ identifiziert. Anschließend werden diese Anlagen dahingehend geprüft, ob sie den für einen Pensionsfonds geltenden aufsichtsrechtlichen Vorgaben nach Kapitel 4 der Pensionsfonds-Aufsichtsverordnung (PFAV) und Teil C des korrespondierenden BaFin-Rundschreibens 11/2017 grundsätzlich entsprechen (sogenannter „PFAVCompliance-Check“).

Die Beteiligten müssen sich mit komplexen Fragen befassen

Im nächsten Schritt folgt eine detaillierte Transition-Planung für jene CTA-Investments, die für den Pensionsfonds als ökonomisch sinnvoll und aufsichtsrechtlich grundsätzlich zulässig erachtet werden. Zur Transition-Planung gehört die Kommunikation mit den involvierten Kapitalverwaltern – d.h. mit Kapitalverwaltungsgesellschaften und Verwahrstellen sowie im Falle von Master-Spezialfonds auch mit externen Asset-Managern.

Bei der Umsetzung geht es je nach Komplexität der bestehenden und künftigen Investmentarchitektur u. a. um folgende Themen und Herausforderungen:

  • Bei einem Transfer von Fondsanteilen ist es eventuell notwendig, die Fondsvertrags-bedingungen formal anzupassen, damit sie PFAV-konform sind.
  • Vor dem Hintergrund des seit 1. Januar 2018 geltenden Investmentsteuerreformgesetzes sind die einbezogenen Investmentfonds hinsichtlich ihrer investmentsteuerlichen Einordnung zu prüfen – insbesondere Spezialfonds.
  • Sofern im CTA ein Master-Spezialfonds als „Bündelungsvehikel“ besteht, ist zu beachten, dass lediglich Spezialfondsanteile übertragen werden können und nicht die – rechtlich unselbstständigen – Spezialfondssegmente. Das heißt: Wenn die einzelnen Asset-Klassen und deren Verteilung im neuen Pensionsfonds deutlich anders sind als im bestehenden CTA, ist eventuell ein separates Bündelungsvehikel für den Pensionsfonds zu empfehlen.
  • Bei komplexen Investmentstrukturen über mehrere Ebenen, zum Beispiel bei Dach-Zielfondskonstruktionen, bei denen ein Dach-Spezialfonds Anteile an verschiedenen Ziel-Spezialfonds hält, können im Einzelfall auch kombinierte (Teil-)Sachaus- und -einkehrungen der Zielfonds sinnvoll sein (s. Abb).

 

Transfer von Spezialfondsanteilen bei einer Pensionsfondsdotierung
Transfer von Versorgungszusagen eines CTA auf einen Pensionsfonds

 

Je nach Komplexität und Granularität der einzelnen Maßnahmen sollte das Trägerunternehmen für die operative Umsetzung einen spezialisierten Transition-Manager zur Sicherstellung eines jederzeitigen „Markt-Exposures“ einschalten.

Das skizzierte Vorgehen zielt ausschließlich darauf, Opportunitäts- und Transaktionskosten beim Übertrag von Versorgungszusagen auf einen Pensionsfonds zu minimieren. Mögliche steuerliche Auswirkungen auch unter Berücksichtigung der in der Bilanz aufzulösenden Pensionsrückstellungen sind gesondert und im Einzelfall zu betrachten.

Andreas Drtil, Metzler Pension Management GmbH
Andreas Drtil


Metzler Pension Management GmbH

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