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Werbemitteilung der Metzler Asset Management GmbH - 24.5.2018

Mit kleinen Schritten zum Reformziel

Japans Regierungschef und der Präsident der Notenbank sind bereits so lange im Amt wie nur wenige ihrer Vorgänger. Diese Stabilität an der Doppelspitze der Fiskal- und Geldpolitik macht weitere Fortschritte bei den geplanten Strukturreformen möglich. Aktuell stehen auf der Agenda von Premierminister Shinzo Abe unter anderem die erste große Reform des Arbeitsrechts seit 70 Jahren und eine Verschärfung des 2015 eingeführten Corporate Governance Code.

In diesen Tagen stellt Japans Premierminister Shinzo Abe einen bemerkenswerten Rekord ein: Er überholt seinen politischen Ziehvater und Amtsvorgänger Junichiro Koizumi in puncto Regierungsdauer. Damit ist Abe – nach einer kurzen ersten Amtsübernahme im Jahr 2006 – der dienstälteste Premierminister seit 40 Jahren. Auch Haruhiko Kuroda, der Präsident der Bank von Japan, ist nach seiner erneuten Nominierung in die­sem Frühjahr so lange im Amt wie seit Jahrzehnten kein japanischer Notenbankchef mehr.

Solide Reformbasis: Kontinuität in der japanischen Fiskal- und Geldpolitik

Diese Kontinuität in der Führung der japanischen Fiskal- und Geldpolitik wurde in den vergangenen Wochen erneut unterstrichen. So verabschiedete das Parlament in Tokio für das im April begonnene Haushaltsjahr zum sechsten Mal in Folge ein Rekordbudget, während die Bank von Japan ihre lockere Geldpolitik unverändert beibehielt. Das erleichtert Regierungschef Abe die Aufgabe, seine begonnenen Strukturreformen fortzusetzen und die nach ihm benannte Wirtschaftspolitik „Abenomics“ voranzutreiben.

Zu Beginn seiner Amtszeit im Dezember 2012 hatte Abe drei Schritte angekündigt, um die stagnierende Wirtschaft anzukurbeln und die jahrzehntelange Deflation zu überwinden: eine flexible Ausgabenpolitik, eine akkom­modierende Geldpolitik und Strukturreformen. Während die ersten beiden Punkte rasch und dauerhaft umgesetzt wurden, kritisierten manche Beobachter die Reformpolitik der Regierung als zu zögerlich.

Tatsächlich setzt Abe nicht auf einen lautstarken Kampf mit mächtigen Lobbygruppen und Organisationen, um Veränderungen zu erreichen, sondern auf kleine, weniger schmerzhafte Anpassungen. So beschnitt der Premierminister die Macht der Agrargenossenschaften, um die Produktivität des heimischen Agrarsektors anzukurbeln. In der Energiebranche brachte er die Trennung von Energiegewinnung und -versorgung voran. Und um die Erwerbstätigkeit von Frauen zu erhöhen, ließ er mehr Kindergärten und Altenheime bauen.

Geplant ist unter anderem, den Corporate Governance Code zu verschärfen

Viele seiner politischen Programme zielen auf Effizienzsteigerungen. Besonders deutlich lässt sich das an seinen Initiativen zu Aktiengesellschaften ablesen. So führte Japan 2014 und 2015 einen Stewardship Code und einen Corporate Governance Code ein, in denen von börsennotierten Unternehmen eine höhere Transparenz und mehr Kontrolle durch institutionelle Investoren gefordert wird. Das Ergebnis: Die Zahl der Unternehmen mit externen Aufsichtsräten ist seitdem deutlich gestiegen, Fondsgesellschaften begründen neuerdings öffentlich, welchen Vorschlägen aus der Hauptversammlung sie zustimmen, und die Aktionäre werden über Aktienrückkäufe und Dividenden stärker an den Unternehmensgewinnen beteiligt.

Nun will Abe die Reformen weiterdrehen und neue in Angriff nehmen. So ist geplant, den Corporate Governance Code zu verschärfen. Eines der Ziele ist, die in Japan nach wie vor weitverbreiteten Überkreuzbeteiligungen zwischen Aktiengesellschaften abzubauen. Zudem sollen die Aufsichtsräte unabhängiger bzw. unabhängige Komitees gebildet werden, die für die Auswahl von Vorständen und ihre Vergütung zuständig sind. Denn bisher benennt in Japans Unternehmen oft der aktuelle Vorstandschef seinen eigenen Nachfolger. Und außerdem soll es mehr Frauen und Ausländer im Top-Management geben.

Ebenfalls auf der Agenda: Die erste große Arbeitsmarktreform seit 70 Jahren

Auch bei der geplanten Arbeitsmarktreform erhöht Abe den Druck. Im März verabschiedete ein von Abe geleitetes Gremium seinen Abschlussbericht. Hauptpunkte sind eine Neuregelung der Überstunden sowie bessere Karriereperspektiven für nicht regulär Beschäftigte. Wenn das Parlament den Vorschlägen zustimmen sollte, wäre es die erste große Arbeitsmarktreform in Japan seit 70 Jahren. Sie könnte einerseits die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten verbessern und gleichzeitig die Effizienz der Firmen erhöhen.

Japans Arbeitsmarkt gilt als stark segregiert. Auf der einen Seite stehen festangestellte Arbeitnehmer, die nach der Länge ihrer Betriebszugehörigkeit vergütet werden und wenig Interesse daran haben, im Laufe ihrer Karriere den Arbeitgeber zu wechseln. Auf der anderen Seite steht ein Anteil von inzwischen 40 % der Beschäftigten, die in irregulären Arbeitsverhältnissen tätig sind. Sie werden bei Gehalt und Weiterbildungsmöglichkeiten gegenüber den Festangestellten deutlich benachteiligt. Abes Credo lautet „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“. Der Regierungschef pocht auf ein leistungsabhängiges Vergütungs- und Beförderungssystem. Gleichzeitig soll die Zahl der Überstunden stärker reguliert werden.

Eine solche Arbeitsmarktreform hätte gleich mehrere Vorteile: Erstens würden wohl mehr Frauen eine Beschäftigung aufnehmen, wenn sich die Work-Life-Ba­lance in Japan verbessert und es einfacher wird, von einer irregulären in eine reguläre Beschäftigung zu wechseln. Das könnte den Arbeitskräftepool erweitern. Zweitens hätten Beschäftigte größere Anreize, den Arbeitgeber zu wechseln, was innovativen und schnell wachsenden Firmen die Suche nach qualifiziertem Personal erleichtern würde. Und drittens würden striktere Überstundenregeln Anreize für Unternehmen und Arbeitnehmer schaffen, ihre Effizienz zu verbessern.

Weiteres Ziel: Höhere Löhne durchsetzen, um das Inflationsziel von 2 % zu erreichen

Mehr Effizienz wiederum könnte die Unternehmen dazu bewegen, die von Abe vehement geforderten Lohnerhöhungen einzulösen. Denn bisher sind die Löhne in Japan trotz des Konjunkturaufschwungs und einer bis auf 2,5 % gesunkenen Arbeitslosenquote kaum gestiegen. Nominal erhöhten sie sich im März (neueste verfügbare Zahl) um 2,1 %, was allerdings überwiegend auf einmalige Bonuszahlungen zurückzuführen war. Preisbereinigt betrug der Zuwachs gerade einmal 0,8 % – nach deutlichen Rückgängen im Januar und Februar. Unter dem Strich sanken die Reallöhne im ersten Quartal sogar.

Nur kräftige Lohnsteigerungen könnten Japans Verbraucherpreise in die Nähe des Inflationsziels von 2 % bringen. Doch nicht einmal die Notenbank scheint noch daran zu glauben, die 2-%-Marke mittelfristig zu erreichen. Nachdem sie das Erreichen ihres Inflationsziels mehrfach verschieben mussten, nennen die Geldpolitiker inzwischen keinen Zeitpunkt mehr. Doch während einige Beobachter dies als Misserfolg der Notenbank werten, machen andere statistische Ungenauigkeiten dafür verantwortlich.

Auf dem Weg zum Inflationsziel helfen die versteckten Preissteigerungen

So weist etwa das Research Institute of Economy,
Trade and Industry (Rieti) in Tokio darauf hin, dass aufgrund des zunehmenden Personalmangels vor allem in Restaurants, Hotels und im Transportgewerbe die Servicequalität deutlich abnehme. Den Kunden würden lange Wartezeiten zugemutet – bei gleichbleibenden Preisen. Laut Rieti sind das klare Anzeichen für eine versteckte Inflation. Folgt man der Argumentation, wäre Notenbankchef Kuroda seinem Inflationsziel bereits näher gekommen als gedacht. Wahrscheinlich trifft dies auch auf Abe zu: Mit seinen vielen kleinen Reformschritten hat der Regierungschef bisher schon mehr erreicht, als auf den ersten Blick offensichtlich ist.


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