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26.7.2018

Mit Währungsmanagement ganz nach oben

Mario Mattera ist 41 Jahre alt und trotzdem schon Partner des Frankfurter Bankhauses Metzler. Geholfen hat ihm auch seine Vorliebe für Anlagen, für die andere Banker früher nicht besonders viel übrig hatten.

Nicht nur Privatanleger, auch Unternehmen, Versicherer und Banken stellt die anhaltende Niedrigzinsphase im Euroraum vor eine Herausforderung. Auf der Suche nach auskömmlichen Renditen haben viele von ihnen ihr Geld in immer mehr verschiedenen Ländern angelegt. Die Zahl der Währungen und Wechselkurse, die sie im Blick behalten müssen, ist deutlich gestiegen. Im Bankhaus Metzler etwa hat sich seit dem Jahr 2010 der Umsatz mit Devisen nach eigenen Angaben vervierfacht.

Mario Mattera, der nun mit 41 Jahren in ungewöhnlich jungem Alter in den Partnerkreis des Frankfurter Bankhauses aufgestiegen ist, dürfte es den Weg dorthin geebnet haben, dass er für die Bank ein eigenes Programm entwickelt hat, das den Kunden hilft, ihre gewachsenen Währungsrisiken zu verwalten. "In Zeiten von Niedrigzinsen ist die Wechselkursentwicklung auf ein internationales Anleiheportfolio bisweilen der größte Einflussfaktor", sagt Mattera im Gespräch mit der F.A.Z. Und so sei das Interesse ausgesprochen groß an dem Programm, das allein durch die Auswertung verschiedener Zahlen berechnen soll, in welchem Ausmaß sich die Kunden gegen Schwankungen verschiedener Wechselkurse absichern sollten.

Mit Künstlicher Intelligenz habe das Programm zwar noch nichts zu tun, sagt Mattera. Es sei aber extra so konzipiert, seine Entscheidungen ohne menschliches Zutun zu treffen. "Da kann keiner seinem Bauchgefühl folgen; selbst wenn ein Großereignis wie damals Fukushima passiert, darf keiner in das System eingreifen", sagt Mattera mit Blick auf die Reaktorkatastrophe in der japanischen Stadt im Jahr 2011.

Innerhalb von vier Jahren sei das Volumen, für welches das Bankhaus die Fremdwährungsrisiken seiner Kunden verwaltet, von null auf heute rund 4 Milliarden Euro angewachsen. Besonders stolz ist man in dem vergleichsweise kleinen Bankhaus darauf, dass sogar die Altersvorsorgeeinrichtung für Bankangestellte, der BVV, auf dessen Dienste zurückgreift.

Mario Mattera, Partner B. Metzler seel. Sohn & Co. Holding AG

Mario Mattera hat eigentlich schon immer in einer Bank gearbeitet. Schon mit 16 Jahren hatte er seinen ersten Ferienjob in der Frankfurter Zentrale der Dresdner Bank, wo zu der Zeit seine beiden Eltern arbeiteten. Kurz nach der Wiedervereinigung war seine wichtigste Aufgabe, Kreditakten der Treuhandanstalt aus dem Keller in die verschiedenen Abteilungen im Hochhaus zu befördern. Einer Banklehre bei der Dresdner Bank folgte ein BWL-Studium an der Fachhochschule Gießen-Friedberg - vor allem wegen der Möglichkeit, schon nebenher in Banken zu arbeiten, wie Mattera sagt.

Nach einem Praxissemester bei Delta Lloyd in Wiesbaden kam er Ende der Neunziger als Werksstudent zum Bankhaus Metzler. Alle wollten damals Aktien machen. Mattera startete in der Research-Abteilung für Anleihen und Devisen - bei den Achtelquetschern, wie die Banker damals despektierlich sagten, weil sich mit festverzinslichen Wertpapieren eben nicht solche Traumrenditen erzielen ließen wie mit Aktien.

Mattera konnte den Festverzinslichen schon damals mehr abgewinnen als den Aktien. "Bei Aktien schaut man weitgehend nur auf die Bilanz des Unternehmens und die Branche, um zu entscheiden, ob die Papiere billig oder teuer sind. Bei Anleihen und Devisen spielen zumeist vielfältige Faktoren eine Rolle: unter anderem die Politik, die Konjunktur, die Zentralbanken und nicht zuletzt die Marktpsychologie", sagt er.

Bei Metzler haben sie dem Neuling von Anfang an viel zugetraut. Ein Referat für die Abteilung über die Rolle Amerikas für die Weltwirtschaft schon kurz nach seinem Einstieg hatte seinem Vorgesetzten so gefallen, dass er ihn bat, ihn zu einer Konferenz nach Wien zu begleiten. Da sollte er seinen Vortrag noch einmal halten, vor einem vollbesetzten Theatersaal - wie er erst auf der Bühne merkte. Schon für seine Diplomarbeit entwickelte er damals gemeinsam mit einem Mathematiker und in Zusammenarbeit mit dem Bankhaus ein Modell zum Handel von Bund-Futures - also den wichtigen Terminkontrakten auf deutsche Bundesanleihen. Mit dem Modell hat die Bank auch eine ganze Weile gearbeitet, bis der Ölpreis im Zuge der Finanzkrise auf 150 Dollar anstieg und sich plötzlich die gesamten Rentenmärkte nur noch an diesem Rohstoff orientierten.

Als er im Jahr 2003 fest im Bankhaus einstieg, war einer seiner ersten Vorgesetzten Michael Klaus, der inzwischen schon seit vielen Jahren im Partnerkreis ist. Eine Bedingung für eine Festanstellung sei damals gewesen, dass Mattera nicht nur Research mache, sondern auch Vertrieb, was der sich damals überhaupt nicht vorstellen konnte. Tatsächlich habe es zwei Jahre gedauert, bis er eine erste größere Kreissparkasse als Kunden akquirieren konnte.

Dass er es einmal bis ganz nach oben im Bankhaus schaffen würde, war in der Familie nicht unbedingt vorgezeichnet. Sein italienischer Vater war einst Masseur auf Ischia, wo seine Mutter ihn in einem Gemüseladen kennenlernte. Ohne ein Wort Deutsch zu sprechen, kam er mit ihr nach Gießen und arbeitete hier zunächst in einer Fliesenbrennerei am Hochofen. Über Matteras Mutter kam auch sein Vater in die Dresdner Bank. Spürt der Sohn die italienischen Gene in sich? Besonders temperamentvoll sei er zumindest nicht, sagt Mattera. Aber Kochen und Essen seien seine Leidenschaft, natürlich ohne Rezept - wie sein Vater es ihm beigebracht hat.

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