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Metzler meets fraunhofer - 12.11.2018

Künstliche Intelligenz


„In weniger als zehn Jahren haben sich Smartphones aus dem Nichts zu einem globalen Phänomen entwickelt, das den Alltag von Milliarden von Menschen grundlegend verändert hat“, stellt Prof. Christian Bauckhage, Deutschlands führender Wissenschaftler für Künstliche Intelligenz (KI), zu Beginn der Metzler-meets-Science-Session fest. Prof. Bauckhage ist wissenschaftlicher Direktor des Fraunhofer-Zentrums für maschinelles Lernen und Lead Scientist für maschinelles Lernen am Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS.

Die Geschwindigkeit, mit der neue Technologien unser Leben erobern, werde aber noch weiter zunehmen: „Bilderkennung, Spracherkennung, automatische Übersetzung und Robotik – das sind nur einige Bereiche, in denen die KI den Abstand zum Menschen entweder erheblich verkleinert oder in vielen Fällen bereits den Menschen übertroffen hat“. Das Anwendungsspektrum sei nahezu unbegrenzt, so Bauckhage. 

Künstliche Intelligenz oder statistisch lernende Systeme?

Durch den Einsatz von sogenannten "Deep Neural Networks" werde ein dramatischer Fortschritt ermöglicht, so seine Überzeugung. „Diese Netzwerke imitieren das menschliche Gehirn, indem sie eine große Anzahl von Rechenschritten kombinieren, die es ermöglichen, verschiedene Parameter gleichzeitig zu unterscheiden“, erklärt Bauckhage. Obwohl dadurch eine Art Intelligenz entstehe, nennt er diese Netzwerke lieber "statistisch lernende Systeme", denn sie hätten keine autonome Lernbereitschaft, sondern würden durch riesige Datenmengen geschult. Die Verfügbarkeit strukturierter Daten sei daher einer der wichtigsten Engpässe für viele Anwendungen und erkläre perfekt die Dominanz der US-Player in diesem Bereich. Unternehmen wie Google, Amazon oder Facebook sammelten seit ihrer Gründung endlose Datenmengen. Dieser Datenschatz, kombiniert mit enormen Investitionen in die Computerinfrastruktur, schaffe einen Vorsprung, den kein anderes Land in absehbarer Zeit aufholen könne. 

Quantencomputer dürften Rechenleistung exponentiell steigern

Die breitere Einführung von Quantencomputern wird nach Meinung von Bauckhage der nächste revolutionäre Schritt sein. Diese steckten aber noch in den Kinderschuhen und seien noch viele Jahre von Massenmarktanwendungen entfernt: „Quantencomputer sind so leistungsstark, dass sie unser normales Verständnis von Physik an die Grenzen bringen.“ Im Gegensatz zu binären Bits in einem herkömmlichen Computer, die immer entweder den Zustand „0“ oder „1“ haben, könnten Quantenbits eine Null, eine Eins oder eine Superposition dieser Zustände darstellen. Die Kombination mehrerer Qubits führe zu einer exponentiell wachsenden Anzahl von Zuständen und damit nicht nur zu einer exponentiell wachsenden Rechenleistung, sondern auch zu einer neuen Ära der Möglichkeiten. 

Herausgefordert mit der unvermeidlichen Frage, ob Maschinen irgendwann die Kontrolle über den Menschen übernehmen werden, reagiert Bauckhage unbesorgt. Er sehe keinerlei Anzeichen dafür, dass die künstliche Intelligenz ihre eigene Persönlichkeit und ihren eigenen Willen entwickeln könnte, und verweist wiederum auf die Idee statistisch lernender Systeme. Er prognostiziert jedoch, dass die Art und Weise, wie wir im Jahr 2038 leben, nur noch sehr wenig mit der heutigen Zeit gemeinsam haben werde. „Während vergleichsweise nachliegende Aufgaben wie das autonome Fahren ohne Frage bevorstehen, sind es jene transformativen Veränderungen, die wir uns heute nicht einmal vorstellen können, die die Wissenschaftler wirklich faszinieren.“