Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen und Hinweise entnehmen Sie bitte unserer Datenschutzerklärung.

Akzeptieren
26.10.2018

Unsicherheit über die wirtschaftlichen Perspektiven

EZB-Präsident Draghi sagte gestern auf der Pressekon-ferenz, dass sich die Wirtschaft in der Eurozone bisher entsprechend den Prognosen der EZB entwickelt habe, die zuletzt sehr schwachen Konjunkturdaten jedoch auch die Notenbank überrascht hätten. Der EZB falle es dabei sehr schwer, die Ursachen für die jetzt erst eingetretene Datenschwäche zu identifizieren: Sind die Gründe hierfür rein länderspezifisch? Handelt es sich nur um vorübergehende Einflussfaktoren? Die EZB möchte daher bis Dezember warten, um die Daten erneut zu bewerten. 

Letztlich waren im Oktober auch nur der ZEW-Index und die Einkaufsmanagerindizes sehr schwach. Der ifo-Index sank dagegen nur geringfügig, und das Konsumentenvertrauen stieg sogar. In der kommenden Woche wird noch der Geschäftsklimaindex der EU-Kommission (Dienstag) veröffentlicht. 

Könnte die Eurozone wieder in eine Rezession schlittern? Rezessionen entwickeln sich in der Regel dann, wenn eine restriktive Geldpolitik die Konjunktur bremst oder die Wirtschaft von harten staatlichen Sparmaßnahmen getroffen ist. Die Geldpolitik der EZB ist aller-dings immer noch sehr weit davon entfernt, die Wirt-schaft zu bremsen. Auch ist die Fiskalpolitik laut Schätzungen der OECD leicht expansiv, und größere Sparmaßnahmen sind nicht geplant. Ein weiterer Grund für eine Rezession könnte ein Schock im Finanzsystem sein, infolgedessen die Kreditvergabe merklich schrumpft. Die negativen wirtschaftlichen Folgen der Staatsschuldenkrise 2012 sind ein Beispiel dafür. Derzeit belasten die Turbulenzen am italienischen Staatsanleihemarkt sowie die Sorgen vor einem harten Brexit die Aktien europäischer Banken. Der Schock ist jedoch bei weitem nicht mit 2012 vergleichbar, sodass die negativen Effekte bisher eher begrenzt sein dürften. Anfang Oktober veröffentlichte die EZB zudem ihre Umfrage bei den Geschäftsbanken, die einen Anstieg des Kreditangebots der Banken und eine steigende Nachfrage nach Krediten aus dem privaten Sektor signalisierte. Schließlich könnte noch eine Rezession der Wirtschaft in den USA oder in China die europäische Wirtschaft mit nach unten ziehen. Dafür gibt es jedoch wenige Anzeichen. So steuert die chinesische Regierung derzeit den schwachen Konjunkturdaten mit Stimulusmaßnahmen entgegen. 

Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass sich die Wachstumsdynamik in der Eurozone moderat abschwächt, es aber nicht zu einer Rezession kommt – wie auch die BIP-Daten (Dienstag) in der Eurozone im dritten Quartal belegen dürften. Der Schwachpunkt „Finanzsystem“ muss jedoch im Auge behalten werden. 

Eurozone: Inflationsstatistik mit Fragezeichen

Man kann EZB-Präsident Draghis Aussagen zur Inflation vielleicht so zusammenfassen: Überall gibt es Anzeichen für eine steigende Inflation – nur nicht in den Inflationsstatistiken. Die Löhne beispielsweise sind merklich gestiegen, die Arbeitslosenquote (Mittwoch) ist rapide gefallen, die Kapazitätsauslastung hat fast Rekordhochs erreicht, und die Unternehmen bestätigen immer wieder in Umfragen, die Preise merklich anheben zu wollen. Vielleicht ist es ja nur eine Frage der Zeit – am Mittwoch werden die Inflationsdaten veröffentlicht. 

Neues Umfeld für die US-Geldpolitik?

Die US-Notenbank kann sich auf die Schulter klopfen: Die Inflation (Montag) liegt genau im Ziel, und die Ar-beitslosenquote (Freitag) signalisiert Vollbeschäftigung. Idealerweise würde die US-Notenbank den Leitzins bis auf ein neutrales Niveau (2,75 %) anheben und die US-Wirtschaft dann genau im Einklang mit ihrem Potenzialwachstum von etwa 1,5 % wachsen. Der Aufschwung wäre dann nicht gefährdet. Die US-Notenbank müsste dazu den Leitzins nur noch in zwei Schritten im Dezember und März anheben. 

Tatsächlich liegt jedoch das Wirtschaftswachstum aufgrund des Fiskalstimulus deutlich über dem Potenzialwachstum. Die Folge ist eine weiter tendenziell fallende Arbeitslosenquote und eine steigende gesamtwirtschaftliche Kapazitätsauslastung. Daraus können sich wiederum Inflationsrisiken entwickeln. Bisher blieb jedoch das Wachstum der Löhne (Freitag) moderat und die Inflation stabil. Gleichzeitig dürfte die Wachstumsdynamik in den kommenden Monaten sukzessive nachlassen. So dürfte das Konsumentenvertrauen (Dienstag) schon im September und der ISM-Index (Donnerstag) im August den Hochpunkt erreicht haben und in den kommenden Monaten sinken. Es spricht also vieles dafür, dass die Geldpolitik der US-Notenbank nach einer Leitzinserhöhung im März eher abwartend bleibt. 

China: Konjunktursorgen

Der Schuldenabbau im Inland sowie der Handelskrieg haben der chinesischen Wirtschaft in diesem Jahr einen Nackenschlag verpasst. In den vergangenen Wochen steuerte die chinesische Wirtschaftspolitik mit zahlreichen Maßnahmen dagegen an. Ob das schon für eine Trendwende in der Konjunktur gereicht hat, werden die Einkaufsmanagerindizes (Mittwoch) zeigen.