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Privatbank will mit Netzwerk und Reputation bei Unternehmen und stärker bei Finanzinvestoren punkten - 4.7.2019

Metzler dreht in Corporate Finance auf

Für das traditionsreiche Bankhaus Metzler zählt Corporate Finance schon lange zum Kerngeschäft. Doch in den vergangenen Jahren blieb die Bank damit unter dem Radarschirm. Mit dem seit einem Jahr amtierenden Partner und Investmentbanker Kim Comperl will das Institut in der M&A-Beratung aufdrehen. Das eigene Netzwerk hilft dabei. 

Länger nichts mehr gehört vom Bankhaus Metzler in der Corporate-Finance-Beratung? Das soll sich ändern. Das jedenfalls hat Kim Comperl fest vor, der Anfang Juni 2018 in den Partnerkreis des traditionsreichen Bankhauses berufen wurde. Sein Vorgänger Johannes Reich hatte das Bankhaus Ende Juli 2017 verlassen. „Wir setzen auf unser Netzwerk und die Reputation von Metzler bei Unternehmen und Unternehmern“, betont Comperl im Gespräch mit der Börsen-Zeitung.

Die mit über 340 Jahren älteste deutsche Privatbank im ununterbrochenen Familienbesitz konzentriert sich auf individuelle Kapitalmarktdienstleistungen für Institutionen und anspruchsvolle Privatkunden in Assetmanagement, Capital Markets, Corporate Finance und Private Banking. Die Aktivitäten sollen mit dem Aufdrehen in Corporate Finance künftig wieder besser ausbalanciert werden.

M&A-Spezialist Comperl verfügt über 26 Jahre Berufserfahrung und war in leitenden Positionen für Dresdner Kleinwort und HSBC in Frankfurt und London tätig. „Ja klar, das Feld ist besetzt“, weiß Comperl. Es gebe etwa 2 000 Transaktionen über alle Größenklassen im Jahr, auf die sich die Bulge-Bracket-Banken und eine hohe Zahl von Boutiquen stürzten – hinzu kommen hunderte von Einzelberatern. „Der Corporate-Finance-Bereich der Bank hat gute Chancen, in dem extrem kompetitiven Geschäft zu punkten“, sagt Comperl. „Ein individuelles Vertrauensverhältnis ist durch nichts zu ersetzen“, sagt er. Und zwar bei Unternehmen und künftig auch stärker Finanzinvestoren. Diese stehen im Schnitt der vergangenen Jahre erst für etwa 10 % des beratenen Volumens. Der Anteil solle steigen.

Hohe Nachfrage

Für den Markt ist Comperl aller politischen und konjunkturellen Unbilden zum Trotz optimistisch: „Die Deals werden zwar komplizierter und dauern länger, aber die Nachfrage nach Unternehmen ist enorm hoch“, beobachtet er. Den ‚richtigen‘ Käufer zu finden, sei vielfach ein schwieriger Prozess. Aber Comperl ist sich sicher: „2019 wird solide weiterlaufen, und auch auf absehbare Zeit ist die Nachfrage höher als das Angebot.“

Metzler setzt anders als andere Adressen, die auch den Aktienprimärmarkt oder Debt Capital Markets zu Corporate Finance zählen, ausschließlich auf die Beratung von Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, kurz M&A). Zur Geschäftspolitik der Bank zählt es seit jeher, nicht die eigene Bilanz zu beanspruchen, sondern unabhängig zu beraten. Insofern werden naturgemäß keine Kredite vergeben, und man investiere auch nicht in Private-Equity-Fonds. „Unabhängigkeit steht für uns eindeutig im Vordergrund.“

„Unser Leistungskatalog umfasst neben M&A aber auch die Beratung bei Transaktionen mit Börsenbezug, Nachfolgeregelungen sowie die Unterstützung von Unternehmen in Umbruch und Sondersituationen“, sagt Comperl. Es gehe stets um Transaktionsberatung für Konzerne, Unternehmer, Mittelstand und Private-Equity-Investoren. „Wir sind da stark, wo Familienunternehmen professionelle Unterstützung brauchen“, ergänzt er.

Kim Comperl

Beratung pur

Mit der reinen Beratung ist das Konzept ähnlich dem von Rothschild, die das größte Investmentbank-Team in Deutschland hat und etwa dreimal so groß ist wie Metzler mit ihren mehr als 20 Leuten in diesem Geschäft. Und zudem international aufgestellt ist. Das Fehlen dieser grenzüberschreitenden Komponente hält Comperl nicht für einen Nachteil. Zum einen baut er auf das Netzwerk von Metzler, wichtiger aber sei zum anderen, dass internationale Investoren der Bank eben die Kompetenz im Heimatmarkt zutrauten. Denn: „Wir haben den Zugang zu Corporate Germany.“ Man habe eine ganze Reihe Transaktionen mit Kunden im Ausland gemacht. So wurde dieses Jahr der familieneigene Freudenberg-Konzern beim Verkauf der IT beraten, die unter das Dach des kanadischen Finanzinvestors Novacap gelangte. Für einen Deal des Autozulieferers Linde + Wiemann (Leichtbau und Sicherheitskomponenten) in Indien arbeitete Metzler mit der dortigen Großbank ICICI zusammen. Die ‚guten Kontakte nach Japan‘ halfen dabei, Nippon Life vor dem Börsengang der Deutsche-Bank-Tochter DWS als deren neuer Ankeraktionär zu begleiten. Mehr als jeder zweite Deal habe einen internationalen Bezug. Comperl bringt selbst internationale Transaktionserfahrungen mit Kunden aus den USA, Asien und dem Nahen Osten mit.

Auch wenn Comperl den Begriff Mid Cap nicht mag, konzentriert sich Metzler doch auf Unternehmen, die von 100 Mio. bis 500 Mio. Euro bewertet werden. „Wir beraten aber auch wesentlich größere und auch kleinere Transaktionen.“ Im Schnitt der Bewertungen der vergangenen Jahre habe man etwa zwei Drittel der Mandate in Verkäufen betreut - eine sichere Sache, da man nicht ‚zweiter Sieger‘ werden kann. Sechs Sektoren bilden den Kern: Industrie, Auto, Business Services, Konsum/Handel, Technologie, wo Metzler sehr aktiv sei, und Financial Services.

Börsen-Zeitung, 4.7.2019, Autor Walther Becker

 

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