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30.11.2017

Investment-Strategie Metzler Private Banking

Römische Risiken – Oder: Europa und die Causa Italien

  • Größtes Ertragspotenzial bei Aktien aus Europa und den Emerging Markets
  • Italiens Strukturprobleme als größtes Risiko für die Eurozone
  • Flachere Zinsstrukturkurve in den USA, steilere in Deutschland

„Wir halten an unserem positiven Ausblick für die Aktienmärkte fest“, so Emmerich Müller, Partner beim Bankhaus Metzler und verantwortlich für das Private Banking, anlässlich eines Pressegesprächs in Frankfurt am Main. Er sehe das größte Ertragspotenzial nach wie vor bei Aktien aus Europa und den Emerging Markets. US-Titel hingegen dürften in den kommenden Jahren aufgrund ihrer hohen Bewertung schlechter abschneiden und würden deshalb in den Portfolios von Metzler Private Banking untergewichtet. „Unsere Gesamtinvestitionsquote halten wir nach den bemerkenswerten Kurszuwächsen in diesem Jahr auf einem leicht überdurchschnittlichen Niveau“, ergänzt er.

Zwar würden einige Marktteilnehmer angesichts der Höchststände nationaler Leitindizes vor bevorstehenden Kursrückgängen warnen, europäische Aktien seien aber mit einem konjunkturbereinigten Kurs-Cashflow-Verhältnis von 11,4 nicht übermäßig hoch bewertet, erläutert Frank Endres, Leiter des Portfoliomanagements Metzler Private Banking. US-Aktien hingegen seien sowohl relativ zu den anderen Regionen als auch zur eigenen Historie sehr teuer. Das aktuelle Kurs-Cashflow-Verhältnis betrage 20,1. Dies bedeute jedoch nicht, dass Kurskorrekturen unmittelbar bevorstünden – auch teure Märkte könnten lange teuer bleiben. Nicht selten würden sie sogar noch teurer. Grundsätzlich herrsche derzeit ein großer Konsens darüber, dass das Umfeld für Aktien außerordentlich günstig sei, so Frank Endres: „Die Mehrzahl der Analysten geht von einem sich beschleunigenden Weltwirtschaftswachstum bei gleichzeitig zurückgehenden Inflationserwartungen aus.“ Die Wirtschaft wachse also solide, ohne heiß zu laufen. Dies erlaube es den Notenbanken, langsam aus ihrer expansiven Geldpolitik auszusteigen.

Timo Schwietering, Leiter der Kapitalmarktanalyse im Metzler Private Banking, geht daher davon aus, dass die US-Notenbank ihren Leitzins bis Ende 2018 in vier Schritten à 25 Basispunkten anheben wird. Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries dürfte in diesem Umfeld ebenfalls moderat steigen. „Auf Jahressicht rechnen wir mit einem Anstieg der US-Treasury-Rendite von 2,4 % auf 3,0 %. Der Zinsanstieg bei kurzlaufenden Anleihen dürfte damit größer ausfallen als am langen Ende der Zinsstrukturkurve“, erläutert er. Für die Eurozone hingegen gelte der umgekehrte Fall. Er teile die Auffassung der meisten Marktteilnehmer, dass die EZB ihren Leitzins 2018 nicht erhöhen werde. Dafür sollten aber die langfristigen Zinsen auf das verbesserte Wirtschaftswachstum und tendenziell steigende Inflationsraten reagieren. Zehnjährige Bundesanleihen dürften deshalb in zwölf Monaten mit etwa 0,9 % rentieren.

Trotz der aktuell guten Konjunkturlage dürften jedoch die gravierenden Strukturprobleme Italiens nicht in Vergessenheit geraten, mahnt Schwietering. Über kurz oder lang könne sich das Schicksal der europäischen Währungsgemeinschaft durchaus an der Causa Italia entscheiden: Der Staat sei hoch verschuldet, die Banken würden unter einer besonders hohen Zahl an notleidenden Krediten ächzen, der Arbeitsmarkt sei verkrustet, das Justizwesen träge, und in Sachen Korruption stünde Italien ähnlich schlecht da wie manch exotischer Inselstaat. Die Staatsschulden betrügen mittlerweile über 130 % des Bruttoinlandsprodukts. Solange die Zinsen weiter sinken oder zumindest niedrig bleiben, scheine die recht hohe Verschuldung für den italienischen Staatshaushalt tragbar zu sein. Doch bei einem starken Zinsanstieg könnte Italiens Zinsausgabenquote schnell wieder die „kritische Marke“ von 10 % der öffentlichen Einnahmen erreichen. Italien täte also gut daran, die Zeit sinnvoll zu nutzen und wachstumsfördernde Reformen auf den Weg zu bringen.