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3.5.2018

Investment-Strategie Metzler Private Banking April 2018

Die Rückkehr des Zinses: Von der Sparschwemme zur Sparklemme?

  • Der Bullenmarkt bei Aktien ist noch nicht vorbei
  • Europäische Unternehmensanleihen: Risikoertragsverhältnis hat sich deutlich verschlechtert
  • Alterung der Gesellschaft ist wichtiger Einflussfaktor für Zinsentwicklung: der jahrzehntelange
    Rückgang der Renditen am Anleihemarkt ist bald Geschichte

„Wir gehen davon aus, dass sich der volkswirtschaftliche Schaden aus der aktuellen Protektionismuswelle in Grenzen hält. Ein eskalierender Handelskonflikt hätte keine Gewinner“, so Emmerich Müller, der für das Kerngeschäftsfeld Private Banking verantwortliche Partner des Bankhauses Metzler, anlässlich eines Pressegesprächs am 3. Mai 2018 in Frankfurt am Main. Dies bedeute aber nicht, dass das Fahrwasser für Aktien zukünftig sehr viel ruhiger werde. Denn auch unabhängig vom schwelenden Handelskonflikt gelte, dass sich die Rahmenbedingungen für Aktien allmählich verschieben. Der Konjunkturzyklus sei mittlerweile so weit fortgeschritten, dass es wohl nur eine Frage der Zeit wäre, bis die Inflationsraten auf die immer stärker ausgelasteten Kapazitäten reagieren und die großen Notenbanken ihren expansiven Kurs weiter korrigieren. „Zukünftig dürften es Aktien daher schwerer haben. Allerdings ist dies allein noch kein Grund, Aktien vorschnell den Rücken zu kehren. Vielmehr sollten sich Anleger zunächst fragen, was ein reifer werdender Konjunkturzyklus und steigende Zinsen für Aktien konkret bedeuten“, erläutert Timo Schwietering, Leiter Kapitalmarktanalyse im Metzler Private Banking. Schwietering rechnet für die nächsten 2 Jahre bei einer durchschnittlichen
Dividendenrendite globaler Aktien von ca. 2,5 % und einem Kurspotenzial von knapp 4 % mit einem künftigen Ertrag aus Aktienanlagen von insgesamt etwa 6,5 % p. a. Er hält diese Erwartung für ausreichend, um sich auch heute noch für Aktien stark zu machen, weist aber darauf hin, dass spätzyklische Phasen typischerweise mit höheren Kursschwankungen einhergehen.

„Um zu diversifizieren und der Negativverzinsung aus dem Wege zu gehen, kommt man im Anleihebereich weiterhin nicht um die Allokation von Corporate Bonds herum“, so Frank Endres, Leiter des Portfoliomanagements Metzler Private Banking. Das Volumen europäischer Unternehmensanleihen habe sich in den vergangenen zehn Jahren von 1,1 auf 2,4 Bio. EUR mehr als verdoppelt. Unternehmen hätten das Niedrigzinsumfeld für eine höhere Emissionstätigkeit genutzt und Bankkredite durch eigene Anleihen ersetzt. „Leider ging mit dieser Angebotsschwemme aber auch eine stetige Verschlechterung der durchschnittlichen Kreditqualität im Gesamtmarkt einher“, so Endres. Dies wäre noch zu verschmerzen, wenn wenigstens auch die Kompensation für das höhere Risiko gewachsen wäre. Tatsächlich läge die Risikoprämie eu-ropäischer Unternehmensanleihen aber nahe historischer Tiefstände. Anleiheinvestoren sollten ihre Engagements deshalb gut prüfen. Insbesondere seien die Gefahren im langen Laufzeitenbereich und bei schlechten Bonitäten zu meiden.


Emmerich Müller weist darauf hin, dass die Alterung der Gesellschaft ein wichtiger Einflussfaktor für die Zinsentwicklung der vergangenen Jahrzehnte gewesen sei. Auch mit Blick nach vorn seien demografische Themen für die Finanzmärkte höchst relevant. Noch seien die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er- und 1960er-Jahre – die sogenannten Baby-Boomer – in bevölkerungsreichen Volkswirtschaften wie Deutschland und China auf dem Höhepunkt ihres Schaffens. Da zukünftig aber immer mehr Menschen aus dem Arbeitsleben ausscheiden, die Lebenserwartung tendenziell steige und kaum ausreichend junge Arbeitskräfte nachrücken, werde sich das Verhältnis von nicht arbeitenden Personen zur Erwerbsbevölkerung zukünftig massiv verschlechtern.


Die Auswirkungen auf die Zinsentwicklung hingen zum großen Teil davon ab, ob die Menschen rational handeln und in Erwartung einer längeren Lebensdauer ihre Ersparnisse erhöhen und ob in älter werdenden Gesellschaften deutlich längere Lebensarbeitszeiten mehrheitsfähig seien. „Wenngleich beides möglich ist, scheint es uns wahrscheinlicher, dass die Sparquoten zukünftig eher sinken und damit die zinsdämpfenden Effekte des demografischen Wandels an Wirkung verlieren werden. Die Sparschwemme der vergangenen Jahre könnte damit längerfristig zur Sparklemme werden“, so Müller. Zwar sollte die fortschreitende Alterung der Gesellschaften auch das Wirtschaftswachstum und damit die Nachfrage nach Sparkapital bremsen, jedoch spreche immer mehr dafür, dass der jahrzehntelange Rückgang der Renditen am Anleihemarkt bald Geschichte sei. Dies hätte weitgehende Implikationen für die Vermögensanlage. „Anleger tun deshalb gut daran, bei all den disruptiven Veränderungen der Moderne nicht zu vergessen, dass langfristig die demografische Entwicklung den Kapitalmarktausblick wesentlich mitbestimmen wird.“

Ansprechpartner für Presseanfragen

 

Jörg-Matthias Butzlaff, Leiter Unternehmenskommunikation, Pressesprecher
Jörg-Matthias Butzlaff

(+49) 69 2104-4975

MButzlaff@metzler.com