Metzler meets Science - 21.10.2019

Welche Energiespeicher braucht die Energiewende?

Erster Redner unserer „Metzler meets Science“-Veranstaltung am 14. Oktober 2019 war Prof. Dr. Florian Steinke, Professor für Energieinformationsnetze und -systeme an der Technischen Universität Darmstadt. Er erläuterte die notwendigen Voraussetzungen für eine lückenlose Energieversorgung, die zu 100 % aus erneuerbaren Energien stammt. „Die benötigte Energie in Deutschland lässt sich in Strom, Wärme und mechanische Energie für den Verkehr aufteilen. Und der Bedarf an Wärme in Kilowattstunden gerechnet ist doppelt so hoch wie der Strombedarf“, so Prof. Steinke. Mittels Sektorkopplung ließe sich der Energieeinsatz deutlich optimieren. Überschüssiger Strom aus Erneuerbaren könne in Wärme („Power to Heat“) umgewandelt werden, die sich relativ problemlos und ohne übergroßen Aufwand speichern lasse. Weiterer Baustein der Energiewende sollten laut Prof. Steinke neue, moderne Gaskraftwerke sein: „Gaskraftwerke könnten Schwankungen der erneuerbaren Stromproduktion schnell und kostengünstig auffangen. Da Gas im Verhältnis zu Kohle deutlich weniger CO2 produziert, ist ihr Einsatz in der Übergangszeit eine sinnvolle Option.“ Zudem bestehe die langfristige Möglichkeit, die Kraftwerke auch mit synthetischen Kraftstoffen zu nutzen, und sie damit CO2-emissionsfrei zu betreiben. Die „Power to Gas“-Option – also die Erzeugung von synthetischen Kraftstoffen – bedürfe jedoch nach Prof. Steinkes Einschätzung derzeit noch einer intensiven Entwicklung, vor allem bezüglich der Kosten.

Für Engpässe von Sekunden bis Minuten in der Stromversorgung – etwa bei Industrieanlagen – bieten sich Schwungmassenspeicher an. Diese Möglichkeit erläuterte unser zweiter Gastredner, Dr.-Ing. Hendrik Schaede, Geschäftsführer und Mitgründer von Adaptive Balancing Power GmbH. Das Darmstädter Start-up bietet für solche Anforderungen kompakte Speichermodule an. Es lässt sich aber auch rückgewonnene Energie speichern: „In den U-Bahn-Tunnels von London herrschen über 30°C. Die Wärme stammt von der Bremsenergie der U-Bahnen. Durch Rekuperation ließe sich diese Energie speichern und dann bei Bedarf wieder in das Stromnetz der U-Bahn einspeisen“, führte Dr. Schaede als Beispiel aus. Die Speichermodule von Adaptive Balancing Power GmbH lassen sich beliebig erweitern, sind schnell geladen und können mehr als eine Million Mal geladen werden.

„Metzler meets Science“-Veranstaltung am 14. Oktober 2019 mit dem Thema Welche Energiespeicher braucht die Energiewende?
Pascal Spano, Leiter Research bei Metzler Capital Markets
„Metzler meets Science“-Veranstaltung am 14. Oktober 2019 mit dem Thema Welche Energiespeicher braucht die Energiewende?
Prof. Dr. Florian Steinke, Professor für Energieinformationsnetze und -systeme an der Technischen Universität Darmstadt
„Metzler meets Science“-Veranstaltung am 14. Oktober 2019 mit dem Thema Welche Energiespeicher braucht die Energiewende?
Dr.-Ing. Hendrik Schaede, Geschäftsführer und Mitgründer von Adaptive Balancing Power GmbH