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Artikel aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung - 2.11.2021

Frankfurter Privatbankiers

Als Familienunternehmen verkörpert das Bankhaus Metzler eine seltene Kontinuität.

Das im Jahre 1674 gegründete und seitdem in Familienbesitz befindliche Privatbankhaus Metzler ist eine der wenigen Frankfurter Institutionen, die den Finanzplatz der alten Freien Reichsstadt mit dem modernen, nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Finanzplatz verbinden. Eine solch beeindruckende Kontinuität setzt seit mehr als 300 Jahren nicht zuletzt die Fähigkeit voraus, die Zukunft des Bankhauses im Zuge eines Generationenübergangs zu sichern.

Metzler ist vor allem mit zwei Strategien gut gefahren. Die erste lautet: Anteile an der Bank werden nur von Familienmitgliedern gehalten, die ein ernsthaftes Interesse am Bankgeschäft zeigen. „Die Familienmitglieder, die an der Bank interessiert sind, haben die Möglichkeit, die Anteile der anderen zu einem fairen Preis zu erwerben“, sagte Friedrich von Metzler einmal in einem Gespräch mit der F.A.Z. „Das ist ein Grund, warum es uns gelungen ist, die Zahl der Aktionäre klein zu halten und die Bank über einen so langen Zeitraum konfliktfrei zu führen.“ Umgekehrt wird von Familienmitgliedern nicht verlangt, in die Bank einzutreten. Für Friedrich von Metzler stand sein Engagement für das familieneigene Unternehmen von früh an fest: „Ich habe mich schon als junger Mann für Wirtschaft und für die Bank interessiert. Für mich war es selbstverständlich, in unsere Bank einzutreten.“

Die aus anderen Unternehmen bekannte Praxis, auch am Geschäft wenig, an Dividendenausschüttungen aber sehr interessierte Familien mit gelegentlich mehreren Hundert Mitgliedern am Kapital zu beteiligen, hat Metzler konsequent abgelehnt. Die zweite Strategie lautet: Familienmitglieder können nur dann in die operative Führung der Bank eintreten, wenn sie die dafür notwendigen Qualifikationen nachweisen. Andernfalls bleiben ihnen Führungspositionen auch dann versagt, wenn sie nennenswerte Anteile am Kapital der Bank halten. Das setzt die Bereitschaft der Metzlers voraus, familienfremden Managern gelegentlich erheblichen Einfluss auf die Geschäfte einzuräumen.

Diese Prinzipien lassen sich im Zuge des aktuellen Generationenübergangs beobachten. Seit mehreren Jahrzehnten ist Friedrich von Metzler das Gesicht des Bankhauses. Der heute 78 Jahre alte, in der Bank nur als „FM“ bekannte Privatbankier verkörpert nicht nur beispielhaft die Werte und Usancen seines Berufsstandes, er hat zudem als großzügiger Mäzen, als anregender Gesprächspartner, als liebenswürdiger Gastgeber und als geschätzter Ehrenbürger Frankfurts die Traditionen der alten, liberalen Stadtgesellschaft zu bewahren gewusst. Als Otto von Bismarck in der Mitte des 19. Jahrhunderts als Gesandter Preußens häufiger im Hause Metzler zu Gast war, prägte er den Begriff „Metzlern“ – der sich auf Neudeutsch wohl am ehesten mit „Networking“ übersetzen ließe.

Mit Tradition allein lässt sich ein Privatbankhaus allerdings nicht in die Zukunft führen: Friedrich von Metzler ist auch ein ehrgeiziger und weitsichtiger Geschäftsmann, für den immer die persönliche Pflege von Kundenbeziehungen die Grundlage erfolgreichen Arbeitens gebildet hat. Metzler hat auch stets akzeptiert, dass die erfolgreiche Führung eines Unternehmens die Fähigkeit voraussetzt, bei Bedarf Konsequenz zu zeigen. Die Zahl der Spitzenmanager, die das Bankhaus im Verlauf der vergangenen zehn Jahre nicht selten kurzfristig verlassen haben, ist keineswegs gering.

Friedrich von Metzler hat sich seit mehreren Jahren immer mehr von seiner aktiven Rolle in der Bank zurückgezogen. Seine Mandate hat er abgegeben, auch wenn er noch hin und wieder Kundentermine wahrnimmt. Seinen Mehrheitsanteil an der Bank hat er an seinen Sohn Franz und seine Tochter Elena weitergegeben. Die verbleibenden Anteile werden seit etwa zwei Jahrhunderten von einem anderen Zweig der Familie, der sogenannten „Bonameser Linie“, gehalten.

Viele Jahre erschien nicht sicher, ob die junge Generation in das operative Geschäft eintreten würde, und viele Jahre wurde daher in der Bank kontrovers die Frage diskutiert, ob für den Erfolg der Bank die Präsenz eines Mitglieds der Familie notwendig sei. „Es ist für den Erfolg der Bank nicht wichtig, ob ein Mitglied der Familie Metzler in ihrer Führung vertreten ist. Auch ohne mich wird das Haus erfolgreich bleiben“, betonte Friedrich von Metzler häufig. „Wir zwingen unsere Kinder nicht, in der Bank zu arbeiten, wenn sie damit nicht glücklich sind. Alles andere wäre schlecht für die Kinder, für die Mitarbeiter und für die Kunden der Bank.“

Zwei nicht zur Familie gehörende, ihr aber eng verbundene Manager haben in vergangenen Jahren erheblich dazu beigetragen, das Bankhaus auf Kurs zu halten. Offiziell als stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats, de facto aber als eine Art Graue Eminenz hat Hans Hermann Reschke unter anderem die Interessen der beiden Familienstämme zu moderieren verstanden. Währenddessen war Emmerich Müller im operativen Geschäft als Primus inter Pares tätig, aber Müller hat stets die Ansicht vertreten, dass die Familie einen erheblichen Mehrwert für die Bank darstelle. Das Haus ist vor allem an Kapitalmärkten und in der Vermögensverwaltung für Privatpersonen, Unternehmen und Institutionen tätig. Mittlerweile scheint der Generationswechsel gelungen. Es wäre nicht erstaunlich, wenn Franz von Metzler in den kommenden Jahren in den Vorstand des in eine Aktiengesellschaft umgewandelten Bankhauses einträte, und auch seine Schwester Elena arbeitet im Unternehmen.

Von den drei bedeutenden Frankfurter Privatbankhäusern, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Geschäfte wieder aufnahmen, ist nur Metzler in Familienbesitz geblieben. Das im Jahre 1748 in Frankfurt gegründete Bankhaus Gebrüder Bethmann zählt seit jeher zu den ersten Adressen am Main, allerdings verkaufte die Familie im Jahre 1976 zunächst 50 Prozent der Anteile an die Bayerische Vereinsbank; sieben Jahre später trennte sie sich von der anderen Hälfte der Beteiligung. Im Zuge einer wechselvollen Geschichte wurde Bethmann mit dem Münchener Bankhaus Maffei und der Kölner Privatbank Delbrück zusammengeführt. Eigentümer dieses Ensembles ist die niederländische Großbank ABN Amro.

Das Bankhaus Georg Hauck & Sohn besaß ebenfalls eine bis in das 18. Jahrhundert zurückreichende Geschichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Michael Hauck über Jahrzehnte der bedeutendste Vertreter dieser Bankiersfamilie; allerdings hielten zu dieser Zeit deutsche Großanleger bereits eine Mehrheit der Aktien. Im Jahre 1998 schloss sich Hauck mit dem Münchener Privatbankhaus H. Aufhäuser zusammen. Kontinuität im Eigentümerkreis kehrte erst 2015 mit dem Verkauf an die chinesische Unternehmensgruppe Fosun ein. Vor wenigen Wochen übernahm Hauck & Aufhäuser das bisher zur Oetker-Gruppe gehörende Bankhaus Lampe.

Jede Frankfurter Finanzgeschichte bliebe unvollständig ohne eine Erwähnung des bedeutendsten, mächtigsten und erfolgreichsten Privatbankhauses, das am Main das Licht der Welt erblickte. Aus einfachsten Anfängen in der Judengasse schmiedete Mayer Amschel Rothschild (1744 bis 1812) ein beeindruckendes Geldhaus. Daran schloss sich eine konsequente Internationalisierung an; seinen fünf Söhnen trug er auf, aus Frankfurt, London, Paris, Neapel und Wien heraus Geschäfte zu betreiben. Vor allem die Gründungen in London und Frankreich erwiesen sich als vielversprechend, während die Frankfurter Linie ihr Bankhaus im Jahre 1901 auflöste. Erst nach der deutschen Wiedervereinigung kehrten die Rothschilds unter der Leitung David de Rothschilds, der den französischen und den britischen Zweig zusammengeführt hatte, mit einer Tochtergesellschaft ihrer Bank nach Frankfurt zurück. Auf dem deutschen Markt spielt Rothschild unter anderem in der Beratung bei Fusionen und Übernahmen eine bedeutende Rolle. Über Frankfurt ist Rothschild aber schon lange hinausgewachsen. GERALD BRAUNBERGER

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.10.2021, Unternehmen (Wirtschaft), Seite 26

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