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DEVISENWOCHE in der Börsen-Zeitung - 21.4.2020 - Sebastian-Sachs

Wie lange geht die Rally des australischen Dollar?

Der australische Dollar hat insbesondere in den vergangenen Wochen eine beachtliche Performance gezeigt. Im April konnte keine einzige Währung aus den G10-Staaten dem "Aussie" Paroli bieten. Und dennoch: Trotz dieser bemerkenswerten kurzfristigen Entwicklung ist die Valuta gemessen an der Kaufkraftparität im G10-Universum noch immer deutlich unterbewertet. Bedeutet das zwangsläufig, dass die jüngste Kursrally ihr Ende noch nicht gefunden hat? Oder muss die Währung aus "Down Under" nun auch der Corona-bedingten Eintrübung Tribut zollen?

Auf der bisherigen April-Performance möchte der "Aussie" natürlich aufbauen. Doch angesichts der jüngst bekanntgegebenen Wirtschaftsdaten ist die Aufwärtsbewegung ein wenig ins Stocken geraten. So zeigten sich die vergangenen Donnerstag veröffentlichten Beschäftigungszahlen für März zwar besser als die sehr negativen Erwartungen. Die Lage am australischen Arbeitsmarkt trübt sich aber nichtsdestotrotz merklich ein, unseres Erachtens jedoch, ohne bereits beängstigend zu sein. Die tags zuvor veröffentlichten Umfragen von Konsumenten- und Unternehmenssentiment hatten den befürchteten Corona-Einbruch gezeigt - doch auch hier scheint der Markt (zumindest noch) davon auszugehen, dass sich diese "Dellen" vergleichsweise schnell überwinden lassen. Australien befindet sich in einem relativ strengen Lockdown, die Regeln zur sozialen Distanzierung sind bereits sehr früh eingeführt worden. Aber was für diese abgelegene Volkswirtschaft perspektivisch wahrscheinlich sogar noch wichtiger sein dürfte, ist die kurz- und mittelfristige Entwicklung in China. Und hier ist die Lage - wenn wir den aktuellen Zahlen Glauben schenken - durchaus noch unübersichtlich, um es einmal neutral auszudrücken.

Beherrschbares Problem

Statistisch gesehen stellt Corona für Australien ein durchaus beherrschbares Problem dar; die Pro-Kopf-Infektionen liegen unter der Hälfte derer der USA und des größten Teils von Europa. Zudem hat sich die Zunahme bereits merklich abgeschwächt ("flatten the curve") und gehört zu den niedrigsten der Welt. Das Ergebnis eines exzellenten medizinischen Managements und der Kombination aus frühzeitiger Eindämmung und einem qualitativ hochwertigen Gesundheitssystem spricht für Australien - ganz zu schweigen von dem großen Glück, eine Insel zu sein und somit die Einreise effektiver kontrollieren zu können. Dieser offensichtliche Erfolg der Eindämmungspolitik hat sich auch direkt auf die Geldpolitik ausgewirkt. Die Reserve Bank of Australia (RBA) hat zwar ebenfalls ein groß angelegtes Quantitative-Easing-Programm gestartet; jedoch diskutierten die Währungshüter ziemlich schnell darüber, ihre Geldpolitik wieder zu straffen - was sich natürlich sogleich in einer starken Performance des Aussie niederschlug.

Doch es gibt bei dieser durchaus wohlwollenden Betrachtung auch ein großes Aber; und das steckt in der Antwort auf die Frage, ob der große Optimismus am Devisenmarkt gerechtfertigt ist. Denn wir haben bereits, wie oben erwähnt, deutliche Bremsspuren in der Konjunktur gesehen. Zudem warnt der Internationale Währungsfonds (IWF), Australien werde die größte Wirtschaftsbelastung seit Beginn der Großen Depression verarbeiten müssen. Der IWF geht davon aus, dass die australische Wirtschaft 2020 um 6,7 % schrumpfen wird. Es wäre der stärkste Einbruch seit 1930, als die Aktivität infolge der Großen Depression um 9,5 % kollabierte. Zwar prognostizieren die Experten, dass die Konjunktur 2021 wieder um 6,1 % wachsen wird, doch läge das australische BIP dann noch immer unter dem Wert von 2019. Unter den 20 größten Volkswirtschaften der Welt würde Australien nach Einschätzung des IWF dann nur noch im unteren Drittel rangieren. Die Arbeitslosigkeit sollte in solch einem Umfeld in diesem Jahr durchschnittlich 7,6 % betragen, bevor sie bis 2021 auf 8,9 % steigen dürfte, so der Währungsfonds. Damit müsste Australien eine Arbeitslosenquote verkraften, die in etwa dem Durchschnitt Kontinentaleuropas entspricht, aber weit über vergleichbaren Nationen wie Neuseeland oder auch Kanada liegt.

Straffung fraglich

Ob der RBA angesichts solcher Projektionen noch immer eine baldige geldpolitische Straffung zugetraut werden kann, ist wohl mehr als fraglich - umso mehr, als die hohe Abhängigkeit Australiens von China und natürlich auch vom Rohstoffmarkt zusätzliche Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Die vergangenen Freitag veröffentlichten Aktivitätszahlen aus dem Reich der Mitte waren beeindruckend - im negativen Sinne. Industrieproduktion, Einzelhandelsumsätze sowie Anlageinvestitionen zeigten die erwarteten Corona-Folgen, das BIP für das erste Quartal wurde mit einem Minus von 6,8 % im Jahresvergleich veröffentlicht. Ja, die People's Bank of China kämpft, und die Behörden scheinen eine schnelle Erholung der Wirtschaft trotz steigender Schulden massiv zu unterstützen. Darüber hinaus sagte Premierminister Li Keqiang, dass China noch intensiver eine proaktive Finanzpolitik umsetzen werde. Dennoch bleibt fraglich, wie stark das Wachstum im zweiten Halbjahr ausfallen wird. Der IWF erwartet für das Gesamtjahr einen Anstieg von lediglich 1,2 %.

Von den Rohstoffmärkten kann über die kommenden Monate ebenfalls nur wenig Unterstützung für Australien erwartet werden. Allerdings, vielleicht hilft es dem angeknacksten Sentiment ja bereits, wenn wenigstens eine Bodenbildung zu beobachten ist. Und die könnte man mit einigem Wohlwollen dem Bloomberg-Commodity- sowie dem CRB-Index durchaus attestieren. Doch ist diese Aussage zum jetzigen Zeitpunkt, so ehrlich müssen wir sein, mehr als vage.

Gut positioniert

Und was schließen wir daraus? Insbesondere zum schwächelnden Euro erscheint der australische Dollar noch immer gut positioniert - in diesem Wechselkursverhältnis sehen wir in den kommenden Wochen den Aussie nach wie vor in Führung. Generell gilt es abzuwägen, wie viele schlechte (Corona-)Nachrichten bereits eingepreist sind. Die Renditen zehnjähriger australischer Staatsanleihen von rund 0,8 % bieten zudem noch immer einen attraktiven Pick-up. Für Investoren, die in der zweiten Jahreshälfte ein Wiederaufleben der chinesischen Wirtschaftstätigkeit in Kombination mit einer Erholung der Rohstoffmärkte erwarten, erscheint der Aussie nach wie vor mehr als einen Blick wert.


Börsen-Zeitung, 24.04.2020, Autor Sebastian Sachs, Nummer 76, Seite 13

Sebastian Sachs ist Stratege im Bereich Capital Markets mit Schwerpunkt in der Analyse der Anleihe-, Devisen- und Rohstoffmärkte.
Sebastian Sachs

Finanzanalyst FI/FX , Metzler Capital Markets

Sebastian Sachs ist seit 2011 bei Metzler tätig. Er ist Stratege im Bereich Capital Markets mit Schwerpunkt in der Analyse der Anleihe-, Devisen- und Rohstoffmärkte. Vor seiner Tätigkeit bei Metzler arbeitete Herr Sachs von 2006 bis 2011 als Covered-Bonds-Analyst bei der DZ Bank in Frankfurt am Main, von 2000 bis 2005 als Finanzmarktjournalist bei der Financial Times Deutschland in Frankfurt am Main und von 1998 bis 2000 als Analyst für Staatsanleihen bei Dresdner Kleinwort Benson in Frankfurt am Main. Dazwischen war er für kurze Zeit bei MTS Deutschland in Frankfurt am Main und der Berenberg Bank in Düsseldorf tätig. Herr Sachs studierte Volkswirtschaftslehre an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main mit den Schwerpunkten Finanzwirtschaft, Finanzwissenschaft sowie Geld und Währung.

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