Cookies

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind für den Betrieb der Seite technisch oder rechtlich notwendig. Andere helfen uns, unser Onlineangebot stetig für Sie zu verbessern oder den Seitenbesuch für Sie komfortabler zu gestalten, indem Ihre Einstellungen gespeichert werden. Sie können Ihre Auswahl der akzeptierten Cookies individuell treffen und die Einstellungen jederzeit ändern. Weitere Informationen erhalten Sie unter Details.

Diese Cookies sind für den Betrieb der Seite technisch oder rechtlich notwendig.
*Sie können daher nicht abgewählt werden.

Um unsere Webseite für Sie weiter zu verbessern, erfassen wir anonymisierte Daten für Statistiken und Analysen.

Diese Cookies sollen Ihnen die Bedienung der Seite erleichtern. So können Sie beispielsweise Ihre Einstellungen 30 Tage lang speichern lassen.

Gastbeitrag zur Serie Anlagethema im Brennpunkt (130) – Börsen-Zeitung - 11.8.2020 - Pascal-Spano

TINA und die Asset-Klassen

Bei einem Blick auf die Aktienindizes dies- und jenseits des Atlantiks scheint es, als hätte es nie eine Krise gegeben. Nur 52 Handelstage lagen an der US-Börse Nasdaq zwischen den dramatischen Kursstürzen, die am 23. März ihren Tiefpunkt fanden, und dem nächsten Allzeithoch. So fulminant war die Erholung an den deutschen Börsen nicht, aber auch hier wies der Leitindex Mitte Juli zeitweise wieder eine positive Jahresperformance auf. Wären da nicht die vielen Millionen Menschen in Kurzarbeit und der massive Anstieg der Arbeitslosigkeit, vor allem in den USA - aus Aktionärssicht schiene Corona vergessen. Zu verdanken ist das unseres Erachtens vor allem TINA: There is no alternative.

Während die Nachfrage nach Wohnimmobilien zu Anlagezwecken ungebrochen scheint und der Markt eher aufgrund fehlenden Angebots austrocknet, ziehen über Teilen des Gewerbeimmobilienmarkts dunkle Wolken auf. Das Schicksal der großen Einkaufszentren zum Beispiel wird durch die Coronakrise beschleunigt. Der Trend sinkender Besucher- und Umsatzzahlen bis hin zum Verfall ganzer Zentren in schlechteren Lagen lässt sich in den USA aber schon seit Jahren beobachten. Waren die großen Shopping Malls einst elementarer Bestandteil des Einkaufserlebnisses, dürfte sich die Abwanderung in den Onlinehandel nun wohl weiter verstärken.

Dauerhaftes Homeoffice

Wenig Wachstum ist auch für Büroimmobilien zu erwarten. Coronabedingt hat sich das Arbeiten von zu Hause aus selbst in Branchen bewährt, die dafür bisher nicht prädestiniert schienen, zum Beispiel bei den Großbanken. Die Schweizer UBS-Gruppe kann sich nach Aussage ihres Chief Operating Officers sogar vorstellen, dass künftig rund ein Drittel der Belegschaft dauerhaft "remote" arbeitet. Das wird nicht über Nacht geschehen, aber die Entwicklung der Nachfrage nach Büroraum in den Finanzmetropolen dürfte vorgezeichnet sein.

Einziger Lichtblick im Gewerbebereich scheinen, neben Logistikimmobilien, die kleineren Fachmarktzentren zu sein, die die Nahbereichsversorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und anderen Gütern des täglichen Bedarfs sicherstellen. Der Onlineanteil im Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland ist nicht der Rede wert, und der regelmäßige Einkauf lässt sich auch in Krisenzeiten nur schwerlich substituieren.

Mit deutlich mehr als 20 % Kursgewinn seit Jahresbeginn war Gold für den Euro-Anleger eine gute Wahl. Die Flutung der Märkte mit Zentralbankgeld und der über Jahrhunderte erarbeitete Ruf des Goldes als sicherer Hafen haben den Preis in US-Dollar zuletzt sogar über das vorherige Allzeithoch von 2011 getrieben. Nach vorne blickend bleiben die Argumente pro Gold als Wertsicherungsinstrument weiterhin einschlägig. Das aktuell hohe Preisniveau und das Fehlen regelmäßiger Erträge setzen Gold als Anlage aber Grenzen.

Bei Anleihen gibt es vernünftige laufende Erträge allerdings auch nur noch relativ weit oben auf der Risiko- und Laufzeitenkurve. Bundesanleihen werfen selbst im 30-jährigen Bereich nichts mehr ab; die Rendite schwankt seit Monaten um die Nulllinie. Wer auf einen halbwegs interessanten Zinskupon angewiesen ist, schaut sich am ehesten bei Unternehmensanleihen um, wobei risikoadäquate Erträge auch hier nicht mehr so leicht zu finden sind.

Schon vor der Coronakrise wurde angesichts fortdauernder Nullzinsen die Warnung vor sogenannten "Zombie-Unternehmen" laut, deren Erträge die Zinskosten nicht decken. Die Infusion billigen Geldes hält Betriebe am Leben, die mangels Innenfinanzierungskraft eigentlich nicht überlebensfähig sind. Strukturell unprofitable Geschäftsmodelle fallen so nicht der "schöpferischen Zerstörung" nach Schumpeter anheim; das Unweigerliche tritt oft erst ein, wenn der Schaden für die Sozialsysteme im Zweifel nur größer geworden ist.

Für Investoren bleibt einmal mehr nur die Teilhabe an solidem Produktivvermögen. Wer Schwankungen aussitzen kann, wird auf lange Sicht mit Aktien am besten fahren. Als wir Anfang April die Stunde der Stock Picker ausriefen, war nicht absehbar, wie dynamisch sich die Erholung am Aktienmarkt gestalten würde. Daran, dass die Coronakrise für die allermeisten Unternehmen nur eine transitorische Belastung sein würde, gab es aber keinen Zweifel.

TINA wird uns noch viele Jahre begleiten. Die Liquiditäts- und Finanzierungshilfen der westlichen Regierungen werden deutliche Spuren in den Staatskassen hinterlassen. Das Letzte, was besonders die südeuropäischen Länder der Eurozone jetzt brauchen können, sind steigende Zinsen. Und so führt an der Nullzinspolitik und offenen Geldschleusen kaum ein Weg vorbei. Irgendwann wird diese Rechnung bezahlt werden müssen. Bis dahin, und wahrscheinlich darüber hinaus, sind Aktien als wesentlicher Baustein der langfristigen Vermögensbildung alternativlos.


Börsen-Zeitung, 11.08.2020, Nummer 153, Seite 13, 682 Wörter

Pascal Spano leitet den Bereich Research im Kerngeschäftsfeld Capital Markets.
Pascal Spano

Head of Research Metzler Capital Markets , Metzler Capital Markets

Pascal Spano ist seit 2017 bei Metzler tätig und leitet den Bereich Research im Kerngeschäftsfeld Capital Markets. Vor seiner Tätigkeit bei Metzler war er von 2013 bis 2017 Geschäftsführer des von ihm mitgegründeten FinTech-Unternehmens PASST Digital Services GmbH in Köln. Davor leitete Herr Spano zwei Jahre den Bereich Cash Equities bei der UniCredit Group in München und Frankfurt am Main. Für die Credit Suisse Ltd. verantwortete er von 2007 bis 2010 als Head of German Research die Analyse deutscher Aktiengesellschaften. Zuvor war Herr Spano über zehn Jahre bei der Deutschen Bank im Bereich Global Markets Research tätig und baute für ABN Amro die deutschen Research-Aktivitäten aus Frankfurt und London mit auf. Nach absolvierter Bankausbildung und berufsbegleitendem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der FernUniversität in Hagen ist er seit rund 20 Jahren Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Finanzanalyse

Weitere Beiträge