Cookies

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind für den Betrieb der Seite technisch oder rechtlich notwendig. Andere helfen uns, unser Onlineangebot stetig für Sie zu verbessern oder den Seitenbesuch für Sie komfortabler zu gestalten, indem Ihre Einstellungen gespeichert werden. Sie können Ihre Auswahl der akzeptierten Cookies individuell treffen und die Einstellungen jederzeit ändern. Weitere Informationen erhalten Sie unter Details.

Diese Cookies sind für den Betrieb der Seite technisch oder rechtlich notwendig.
*Sie können daher nicht abgewählt werden.

Um unsere Webseite für Sie weiter zu verbessern, erfassen wir anonymisierte Daten für Statistiken und Analysen.

Diese Cookies sollen Ihnen die Bedienung der Seite erleichtern. So können Sie beispielsweise Ihre Einstellungen 30 Tage lang speichern lassen.

DEVISENWOCHE in der Börsen-Zeitung - 28.6.2021 - Eugen Keller

EUR/USD – Wie weit trägt die Erholung des Dollar?

Totgesagte leben länger! Plötzlich scheint dem Greenback neues Leben eingehaucht worden zu sein. Die US-Devise präsentierte sich in den vergangenen Wochen von ihrer starken Seite, auf breiter Front ging es gegen die wichtigsten Valuten der Welt nach oben. In der Liste der G10-Währungen liegt seit dem 25. Mai - dem Tag, an dem der Dollar-Index zur Kehrtwende angesetzt hat, - keine andere Devise im Plus. Hauptverlierer waren zuletzt der Euro und der Schweizer Franken mit einem Minus von je 2,7 %.

Die neuesten Daten der Fed der effektiv gehandelten Fed Funds Rate zeigen, dass diese sich von 0,05 % in den Bereich von 0,10 % nach oben bewegt hat. Die Fed möchte die Raten von der Nulllinie wegbekommen, um den Geldmarktfonds etwas mehr Luft zum Atmen zu geben. Somit agiert die Fed erstmals restriktiver als die EZB. Ein erstes Signal, das der eine oder andere Marktteilnehmer bereits als Vorbote einer schnellen QE-Reduzierung wahrnimmt, auch wenn die stimmberechtigten FOMC-Mitglieder inflationäres Potenzial und veränderte Dot Plots gebetsmühlenhaft herunterspielen. Das Momentum der unterstützenden US-Zentralbankpolitik hat sich unseres Erachtens gedreht. Auf "peak growth" folgt "peak stimulus", da an der Inflationsfront noch keine Entwarnung gegeben werden kann und die Fed Gefahr läuft, bei Nichtbeachtung an Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Renditen gesunken

Obwohl die Erwartung einer Erhöhung der kurzfristigen Zinsen nach dem FOMC-Meeting gestiegen ist, haben sich beim Blick auf das lange Ende der US-Treasury-Kurve sicherlich viele Marktbeobachter gewundert. Denn die US- Renditen sind weiter gesunken und haben zu Beginn der letzten Woche ein neues Verlaufstief markiert, wobei die zehn- und 30-jährigen US-Renditen kurzfristig bei 1,352 % und 1,926 % gehandelt wurden, dies bei einer Inflation von 5 %, die möglicherweise auch nicht allzu schnell und deutlich sinkt, und einem BIP-Wachstum, das laut Bloomberg-Konsens dieses Jahr mit 6,6 % erwartet wird. Wer hätte das gedacht? Eine einseitige Short-Positionierung hat vermutlich mit zu dieser scharfen Bewegung beigetragen, in der sich auch die Zinsstrukturkurve verflacht und sich die Break-evens massiv zurückgebildet haben.

Die Reaktion am Devisenmarkt war da schon nachvollziehbarer. Der doch unterschiedliche geldpolitische Ansatz der beiden größten Zentralbanken der Welt hat dazu geführt, dass der Euro wieder stärker den Rückzug angetreten hat. Während die EZB nach wie vor alles dafür tut, die günstigen Refinanzierungsbedingungen zu erhalten, lässt die Fed hier mehr Pragmatismus walten und kommt am Ende doch dem gestiegenen Inflationsdruck stärker nach. Denn die Erfahrung der 1970er Jahre lehrt, dass ein zu spätes Agieren durchaus das Risiko einer unliebsamen Stagflation nach sich ziehen kann. Generell sehen sich die US-Geldpolitiker mit einem ähnlichen Dilemma konfrontiert wie Mitte der 1970er Jahre. Damals stiegen die Großhandelspreise für Industriegüter bereits um mehr als 10 % p.a. bei praktisch voll ausgelasteten Industrieanlagen; viele wichtige Industriematerialien waren extrem knapp. Der Konsens unter den politischen Entscheidungsträgern war damals, dass die Cost-Push-Inflation nicht von der Geldpolitik beeinflusst werden könne. Heute hat die Fed die Märkte anscheinend überzeugt, dass der aktuelle Inflationsanstieg temporär ist. Nichtsdestotrotz kann man die stark gestiegenen Preise auch nicht gänzlich außen vor lassen. So wurden im Gegensatz zum Meeting im März in der vergangenen Woche nun für 2023 zwei Zinserhöhungen in den Dot Plots in Aussicht gestellt; sieben FOMC-Mitglieder sehen sogar einen Zinsschritt bereits im kommenden Jahr voraus. Dennoch bleiben wir bei unserer Auffassung, dass konkrete Aussagen zu einem möglichen Tapering erst auf dem mittlerweile schon legendären Jackson-Hole-Treffen getroffen werden, da bis dahin deutlich mehr (Konjunktur-)Daten verfügbar sind. Die Kunst besteht darin, dem Markt das Gefühl zu geben, dass man "ahead of the curve" ist, ihm aber keine Angst einzujagen.

Dies ist allerdings herausfordernd, denn neben weiter steigenden Energiepreisen wirken noch eine ganze Reihe anderer Faktoren inflationstreibend. Dazu zählen Angebotsengpässe aufgrund von Arbeitskräftemangel und Materialknappheit. Unserer Meinung nach wird die Fed jedoch an ihrer vorsichtigen Exit-Strategie festhalten, auch wenn die Headline-Inflation in den nächsten Monaten unerwartet weiter anzieht. Richten wir den Blick auf die Erwartungen für den weiteren Zinsverlauf, fällt auf, dass die Finanzmarktakteure derzeit das Ende des kommenden Anhebungszyklus bereits bei 1,25 % erwarten. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 erreichte die Fed Funds Target Rate noch ein Niveau von 6,5 % und im Jahr 2006 5,25 %.

In einem Umfeld rekordhoher Staatsschulden kann der Leitzins nur begrenzt steigen, ohne eine Schuldenkrise auszulösen. Erschwerend kommt die enorme Mittelaufnahme und mithin das hohe Haushaltsdefizit hinzu. Vor allem die vergangenen vier Jahre waren keine Zeit für den Dollar, da einerseits Präsident Trump stets einem schwächeren Greenback das Wort geredet und andererseits die Fed permanent zu weiteren expansiven Aktionen aufgefordert hat. Die protektionistische Politik der USA hat zudem dazu geführt, dass Marktexperten erstmals von einem regelrechten Strukturbruch gesprochen und sogar die Vormachtstellung des Dollar als Reservewährung in Frage gestellt haben. Das war unseres Erachtens zwar etwas weit hergeholt, doch scheinen auch uns einige Kratzer am Image der bisherigen Leitwährung der Welt durchaus tiefer zu gehen. So entwickelt sich auch die amerikanische Handels-, aber insbesondere die Leistungsbilanz in die völlig falsche Richtung. Statt zu sinken, ist das Leistungsbilanzdefizit der USA seit Ende 2016 um knapp 55 % auf aktuell 697 Mrd. Dollar (erstes Quartal 2021) angewachsen - genau das, was Präsident Trump auf jeden Fall verhindern wollte. Keine Kleinigkeit und eine potenzielle Achillesferse des US-Dollar. Und schließlich gibt es ja noch den Blick auf die Kaufkraftparität: Danach ist der Dollar gegenüber dem Euro (je nach Art der Berechnung) um bis zu 10 % überbewertet.

1,25 Dollar zum Jahresende

Zusammenfassend ergibt sich für uns ein Bild, das den Euro zukünftig im Vorteil sieht, auch wenn die Bäume nicht in den Himmel wachsen sollten. Unsere Prognose für das Jahresende lautet 1,25. Ein Punkt, der die jüngste Dollar-Erholung allerdings noch etwas länger anhalten lassen dürfte, ist die Positionierung der Anleger. Gegenüber dem Euro sind die spekulativen Marktteilnehmer noch immer in hohem Maße netto long positioniert. Aus dieser Konstellation könnte sich vor allem für den Euro kurzfristig weiteres Abwärtspotenzial ergeben, sollten sich die ersten Investoren genötigt sehen, ihre Positionen - oder zumindest Teile davon - aufzulösen.


Börsen-Zeitung, 28.06.2021, Nummer 121, Seite 13

Eugen Keller leitet seit 2000 den Bereich FI/FX Research im Kerngeschäftsfeld Metzler Capital Markets und ist verantwortlich für die Entwicklung neuer Produkte.
Eugen Keller

Head of FI/FX Research , Metzler Capital Markets

Eugen Keller kam 2000 zu Metzler. Er leitet seit 2000 den Bereich FI/FX Research im Kerngeschäftsfeld Metzler Capital Markets und ist verantwortlich für die Entwicklung neuer Produkte. Vor seiner Tätigkeit bei Metzler war Herr Keller bei Dresdner Kleinwort Benson in Frankfurt am Main tätig: Von 1998 bis 2000 als stellvertretender Leiter der Abteilung Währungsstrategie und von 1996 bis 1998 als Floor-Analyst im Bereich Fixed Income. Davor arbeitete Herr Keller unter anderem als Fixed-Income-Stratege bei der Banque Indosuez in Frankfurt am Main und Paris und als Aktienanalyst beim Bankhaus Marcard Stein & Co in Frankfurt am Main. Er begann seine Karriere bei der Nassauischen Sparkasse in Wiesbaden, wo er als Leiter Research/Grundsatzfragen beschäftigt war. Herr Keller studierte Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Frankfurt am Main mit den Schwerpunkten Finanzierung und Wirtschaftspolitik.

Weitere Beiträge

Dieses Dokument ist eine Werbemitteilung der B. Metzler seel. Sohn & Co. AG (Metzler).

Es beruht auf allgemein zugänglichen Informationen, die Metzler grundsätzlich als zuverlässig einschätzt. Metzler hat die Informationen nicht auf Richtigkeit und Vollständigkeit überprüft und gibt hinsichtlich der Richtigkeit und Vollständigkeit der in diesem Dokument enthaltenen Informationen, Aussagen, Einschätzungen, Empfehlungen und Prognosen keinerlei Gewährleistungen oder Zusicherungen ab. Etwaige unrichtige oder unvollständige Informationen, Aussagen, Einschätzungen, Empfehlungen und Prognosen begründen keine Haftung von Metzler, ihrer Anteilseigener sowie Angestellten für Schäden und sonstige Nachteile jedweder Art, die aus der Verteilung oder Verwendung dieses Dokuments entstehen oder damit im Zusammenhang stehen.

Dieses Dokument dient nur zu Werbezwecken und stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots zum Erwerb von Wertpapieren, sonstigen Finanzinstrumenten oder anderen Anlageinstrumenten dar. Dieses Dokument genügt nicht den gesetzlichen Anforderungen an die Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Anlageempfehlungen nach § 85 WpHG in Verbindung mit § 20 Abs. 1 der Verordnung (EU) Nr. 596/2014 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. April 2014 über Marktmissbrauch (Marktmissbrauchsverordnung), auf die Artikel 4 und 6 der Delegierten Verordnung (EU) 2016/958 der Kommission vom 9. März 2016 zur Ergänzung der Marktmissbrauchsverordnung Anwendung finden. Mit der Ausarbeitung und Veröffentlichung dieses Dokuments wird Metzler nicht als Anlageberater oder Portfolioverwalter tätig, insbesondere stellt das Dokument keine individuelle Anlageberatung dar.

Die in diesem Dokument enthaltenen Informationen, Aussagen, Einschätzungen, Empfehlungen und Prognosen geben die unabhängige Meinung des Verfassers über die in diesem Dokument behandelten Finanzinstrumente oder Emittenten zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wieder und decken sich nicht notwendigerweise mit der Meinung von Metzler, des Emittenten oder Dritter. Sie können sich aufgrund künftiger Ereignisse und Entwicklungen verändern. Metzler ist nicht verpflichtet, dieses Dokument abzuändern, zu ergänzen oder auf den neuesten Stand zu bringen oder die Empfänger in anderer Weise darüber zu informieren, wenn sich die in diesem Dokument enthaltenen Informationen, Aussagen, Einschätzungen, Empfehlungen und Prognosen verändern oder später als falsch, unvollständig oder irreführend erwiesen haben sollten. Soweit dieses Dokument Modellrechnungen enthält, handelt es sich um beispielhafte Berechnungen möglicher Entwicklungen, die auf verschiedenen Annahmen (zum Beispiel Ertrags- und Volatilitätsannahmen) beruhen. Die tatsächliche Entwicklung kann nicht gewährleistet, garantiert oder zugesichert werden.

Dieses Dokument darf ohne vorherige schriftliche Zustimmung von Metzler weder ganz noch teilweise kopiert, vervielfältigt oder an andere Personen weitergeben oder sonst veröffentlicht werden. Sämtliche Urheber- und Nutzungsrechte, auch in elektronischen Medien, verbleiben bei Metzler. Metzler übernimmt weder eine Haftung für Verlinkungen oder Daten noch für Folgen, die aus der Nutzung der Verlinkung und/oder Verwendung dieser Daten entstehen könnten. Die Inhalte verlinkter Seiten oder weiterführender Daten werden durch Metzler weder bestätigt oder empfohlen, insbesondere übernimmt Metzler keine Gewähreistungen.

Dieses Dokument unterliegt dem Recht der Bundesrepublik Deutschland. Der Gerichtsstand für etwaige Streitigkeiten ist Frankfurt am Main, Deutschland.