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Interview mit dem FINANCE Magazin - 8.2.2022

Wie Metzler im M&A-Geschäft Gas geben will

Die Privatbank Metzler zählt am M&A-Markt nicht zu den aktivsten Spielern. Neu-Vorstand Kim Comperl will das M&A-Geschäft nun wiederbeleben – und dabei den Spagat zwischen konservativer Privatbank und schnelllebiger M&A-Dynamik meistern. Wie soll das gelingen?

FINANCE Magazin 8. Februar 2022 - von Melanie Ehmann und Olivia Harder

Mit der Verschmelzung der Holding auf die Bank hat das traditionsreiche Bankhaus Metzler Ende des Jahres 2021 seine tiefgreifende gesellschaftsrechtliche Umstrukturierung abgeschlossen. In diesem Rahmen hat die Privatbank auch zum Jahreswechsel ihren Vorstand erweitert und unter anderem den vorherigen Corporate-Finance-Partner Kim Comperl zum Vorstand für ebenjenes Ressort berufen.

In der neuen Funktion soll Comperl das M&A-Geschäft von Metzler – um das es zuletzt eher ruhig geworden war – auf das nächste Level heben. Wie der M&A-Berater das schaffen will, hat er im Interview mit FINANCE verraten.

Metzler will Anzahl der Deals verdoppeln

Metzler ist mit seiner Wachstumsstrategie nicht alleine, auch Konkurrenten wie die Hamburger Privatbank Warburg wollen im Corporate-Finance-Geschäft einen Gang zu legen. Mit konkreten Zielgrößen für das Wachstum hält sich Comperl auf Nachfrage von FINANCE bedeckt.

Nur so viel: „Perspektivisch möchten wir die Anzahl der Transaktionen verdoppeln.“ Wie viele Transaktionen Comperl mit Metzler im vergangenen Jahr betreut hat, verrät er allerdings nicht. Binnen drei Jahren will Metzler dieses Ziel erreichen.

Dazu fährt Metzler eine Personaloffensive, um gleichermaßen Junior- und Senior-M&A-Berater für sich zu gewinnen. Aktuell umfasst das Team über 20 Mitarbeiter, davon rund ein Drittel Seniors und zwei Drittel Juniors. „Damit können wir parallel einige große Mandate betreuen“, erklärt Comperl. Aber um das ambitionierte Wachstumsziel zu erreichen, reiche diese „Manpower“ nicht.

Kim Comperl
Kin Comperl, Vorstand B. Metzler seel. Sohn & Co. AG

Marktanteile sind Metzler unwichtig

Von Marktanteilen hält der Banker indes wenig. „In einem so fragmentierten Markt sind Marktanteile für uns keine Messgröße, an der wir uns orientieren“, sagt Comperl. Metzler will in seinen spezialisierten Segmenten und Kundenstämmen nach Deal-Perlen tauchen und misst das eigene Wachstum daher lieber in absoluten Transaktionen.

Nennenswerten Einfluss auf die M&A-Rankings würde die Privatbank wohl auch nicht haben. In den League Tables des vergangenen Jahres teilten sich nach Daten von Refinitiv die Bank of America Merrill Lynch, Deutsche Bank und Morgan Stanley das Treppchen der volumenstärkten M&A-Beraterhäuser in Deutschland. Branchenprimus Bank of America kommt mit über 73 Milliarden US-Dollar Deal-Volumen auf 31 Prozent Marktanteil. Im Midcap-Bereich bis 500 Millionen Dollar Transaktionsvolumen, in dem sich Metzler sieht, steht JP Morgan mit begleiteten Deals im Wert von 2,25 Milliarden Dollar und damit gerade einmal 5 Prozent Marktanteil an der Spitze.

 

Metzler will Wachstum und Wertestruktur im Einklang halten

An der Wertestruktur und Unternehmenskultur der Bank soll bei aller Ambition dennoch nicht gerüttelt werden: „Eine Privatbank mit diesem Familienhintergrund und dem entsprechendem Netzwerk ist am Transaktionsmarkt ganz anders positioniert als der Wettbewerb“, betont Comperl, der 2018 von HSBC zu Metzler kam. Bei Privatbanken ist das Corporate-Finance-Geschäft stark von Beziehungen und Netzwerken zu Familien(unternehmen), Private-Equity-Investoren und zum Mittelstand geprägt. Hier legt der Verkäufer oftmals großen Wert auf Diskretion: Ein geplanter Unternehmensverkauf soll möglichst lange im kleinen Kreis bleiben, bevor der Markt und die Mitarbeiter informiert werden.

„Wir sind bei Metzler für unsere sehr hohe Diskretion und hohe Prozess- und Ausführungsqualität bekannt. Das ist zwar bei jeder M&A-Beratung wichtig, doch unsere Kunden, vor allem aus dem Mittelstand, legen auf diese Aspekte besonders viel Wert“, so Comperl. Der Metzler-Vorstand glaubt, mit dieser Marschroute auch trotz der schnelllebigen Dynamik am M&A-Markt bestehen zu können: „Bei einer Transaktion ist gute Vorbereitung alles. So können wir Vollgas geben, wenn der M&A-Prozess in die heiße Phase geht.“

Den Fokus im Corporate-Finance-Geschäft legt Metzler auf die Branchen Tech/Software, Industrials, Consumer/Distribution/E-Commerce, alternative Energien/Infrastruktur und Automotive. Im Corporate Finance ist Metzler in vier Bereichen aktiv: in der klassischen M&A-Beratung, bei der Neuordnung von Gesellschafterstrukturen, bei börsenbezogenen Transaktionen sowie im Bereich Distressed M&A.

„Zuletzt haben wir es mit der Diskretion vielleicht etwas zu streng genommen.”
Kim Comperl, Bankhaus Metzler

Hier begleitet das Frankfurter Bankhaus Deals mit einem durchschnittlichen Volumen zwischen 100 Millionen und 500 Millionen Euro. In diesem Jahr dürfte es einen deutlichen Ausreißer nach oben geben, erklärt der Vorstand – ohne Details zu verraten.

Wenn der Deal in trockenen Tüchern ist, wird ihn die Bank wahrscheinlich stolz verkünden, denn Metzler will sich auch prominenter am M&A-Markt positionieren und dadurch mehr „Visibilität“ erreichen. „Zuletzt haben wir es mit der Diskretion vielleicht etwas zu streng genommen und sind dadurch etwas unter dem Radar geflogen“, vermutet der Manager. Vertraulichkeit ist und bleibt zwar oberstes Credo der familiengeführten Privatbank, aber Comperl glaubt, dies mit mehr Sichtbarkeit vereinen zu können.

 

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