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ALPHAZIRKEL
Elena von Metzler in der neuen Alphazirkel-Publikation „Die Macht der Familie“ 2020 - 21.2.2020

350 Jahre Tradition und 32 Jahre jung – Unternehmensnachfolge aus dem Bilderbuch

Die Familie ist das stärkste Asset im Familienunternehmen, sie kann auch zur größten Hypothek werden – nicht bei Metzler. Gute Führung und Governance gelten allgemein als Garant für die Zukunftssicherung eines Unternehmens über Generationen – das können die Metzlers seit über 10 Generationen. Dazu gehört auch eine zukunftsweisende Vision, eine kluge Strategie und deren exzellente Umsetzung mit sorgfältig ausgewählten Mitarbeitern. Auf diese legen die Metzlers besonderen Wert und die über 800 Mitarbeiter sind deswegen auch wie eine große Familie. So sieht das nicht nur Elena, das ist das Metzler‘sche Führungscredo. Und das ist noch nicht alles: auf der Gesellschafterseite sollte Disziplin unter den Anteilseignern herrschen, es sollte keinen Streit über die Verteilung von Gewinnen oder Verlusten geben. Die Familiengesellschafter haben Verbundenheit mit dem Unternehmen und seinem Geschäftsmodell – das wären allgemeingültige Erfolgsfaktoren für Familienunternehmen. Hört man dem jüngsten Spross der Bankiersfamilie von Metzler aus Frankfurt zu, scheint das in der Untermainanlage 1 in Frankfurt alles zuzutreffen. Die Ursprünge der ältesten Privatbank Deutschlands, durchgängig als Familienunternehmen, gehen zurück auf eine 1674  vom protestantischen Pfarrersohn Benjamin Metzler gegründete Tuchhandlung – Max Webers These von Protestantismus und Entrepreneurship ist bei den Metzlers bestätigt.  Etwas später begann man mit der Verbindung aus Waren- und Geldgeschäften. Fast 350 Jahre Tradition verpflichten.

Elena ist eine moderne und sympathische junge Frau. Sie ist ganz die Tochter ihres Vaters, den sie verehrt. Seine Leitsätze kommen ihr natürlich über die Lippen: „praktisch, fair und lebensnah“ solle man sein Leben gestalten und „der Bankier muss ein Menschenfreund sein“, sonst kann man doch kein Vertrauen erzeugen und ohne Vertrauen könne man doch im Private Banking nicht glaubwürdig sein, meint die 32-jährige, frischgebackene Ehefrau. Das sagt der Vater auch und es klingt bei ihr genauso authentisch wie bei ihm. Sie ist mit Vincent Steigenberger seit gut einem Jahr verheiratet. Kennengelernt hat sie ihn im Haus seiner Großmutter und die wohnt neben den Eltern Metzler in Frankfurt. Er ist ein Freund ihres Bruders Franz, der zwei Jahre älter ist als Elena und ebenfalls in der Bank arbeitet.Die nächste Generation im Bankhaus  B. Metzler seel. Sohn & Co. Kommanditgesellschaft auf Aktien ist schon am Start. Elena und Franz von Metzler und ihr Vetter Leonard sind heute die Gesellschafter des feinen Bankhauses. „Wir sind nur zu dritt, das macht es einfacher“, meint Elena. „Anteile kann bei uns nur halten, wer auch der Bank verbunden ist. Das hat uns geholfen den Familienaktionärskreis klein zu halten“, sagt sie ein wenig stolz.

Elena von Metzler
Elena von Metzler

Und nochmal ist Metzler ein Modellfall für das erfolgreiche Familienunternehmen über Generationen: Studien haben gezeigt, dass zu den Stärken von Familienunternehmen die enge emotionale Bindung der Eigentümerfamilie zum Unternehmen und oftmals auch zu den Mitarbeitern und umgekehrt gehört. Wenn Elena von der Bank spricht, von den Mitarbeitern und Kunden, dann klingt das genauso als würde sie von ihren Eltern und ihrer Familie sprechen, und so formuliert es auch: „zwischen Familie und Bank ist eigentlich kein Unterschied, so wie wir zu Hause miteinander umgehen, so gehen wir auch mit Kunden und Mitarbeitern um“. Sie meint, sie hätte eigentlich nicht in der Bank arbeiten wollen, aber als sie dann dort ein Praktikum gemacht hat, fühlte sie sich zu Hause: „es war wie daheim, die gleiche Stimmung, die gleichen Werte. So bin ich geblieben“. Elena von Metzler ist frankophil, sie hat bei Air Liquide in Paris gearbeitet und viele Jahre bei Nestlé. Ihre Sommer hat sie seit der Kindheit an der französischen Atlantikküste verbracht. Wie ein kleines Mädchen lacht und erzählt sie davon, wie der Vater ihr dort immer Geld für Süßigkeiten gegeben hat, wo doch bei Metzlers Konfekt vor mittags streng verboten war.

Die Metzlers sind auch Vorbild für das Thema Verantwortung. In der Frankfurter Bürgergesellschaft war das historisch immer so. Sie sind wie kaum eine Unternehmerfamilie in Deutschland aufs Engste mit ihrer Heimatstadt verbunden. Kunst und Kultur in „Mainhattan“ sind ohne die großzügige und engagierte Förderung der Bankiersfamilie gar nicht denkbar. Dabei tritt die Familie stets „humorvoll-höflich und zurückhaltend“ auf, wie das Handelsblatt die Bankiersfamilie einmal beschrieben hat. Elena ist in die Fußstapfen ihrer Vorfahren getreten und bereits seit jungen Jahren im Kuratorium des Museum Angewandte Kunst. Die alte Villa Metzler gehört schließlich dazu. Im Museum geht es um Gestaltung und Design, Mode und Architektur, Grafik und Kunsthandwerk, das liegt ihr. Die zeitgenössische Kunst überlässt sie der Mutter Sylvia von Metzler, die ist Vorsitzende des Museumsvereins des Städel Museums, immerhin eines der bedeutendsten deutschen Kunstmuseen überhaupt. Für zeitgenössische Kunst für‘s Städel reist Sylvia von Metzler um die ganze Welt, oder die Welt kommt zu ihr. Bei Metzlers ist regelmäßig eine andere Gesellschaft eingeladen, so mag es der wahre „citoyen“ Friedrich von Metzler. Otto von Bismarck prägte dafür den Begriff „Metzlern“, als er in seiner Zeit als preußischer Gesandter im Paulskirchenparlament häufig bei Metzlers zu Gast war – seine Wortschöpfung für das, was wir heute als „networking“ bezeichnen. Für Elena aus der langen Ahnenreihe wichtig ist Christina Barbara Metzler, die das Bankhaus von 1757 bis 1772 erfolgreich geleitet hat. Überhaupt sind die Ahnen sehr präsent bei ihr: „ja bei uns heißen sie alle Wilhelm, Peter, Friedrich oder Albert. Der Friedrich von Metzler ist der mit der Pelzkappe, der imponiert mir, er hat viel Zeit mit Goethe verbracht“, sagt sie. Ein anderer, der ihr imponiert, ist Emmerich Müller; er ist der „primus inter pares“ im Partnerkreis des Bankhauses. Ihn kann sie immer fragen. Er ist  nicht nur der Chef des Bankhauses, so scheint es, sondern auch der Mentor der jungen Familiengesellschafter; kein schlechtes Modell übrigens, denn Gesellschafter sein muss schließlich gelernt sein. Im Gesellschafterausschuss ist der Beirat mit dabei, der 4 x im Jahr tagt. „Mit dem Papi“, sagt sie ganz salopp, geht sie 1 x im Monat zum Lunch, aber man sieht sich ja sowieso ständig und außerdem sprechen sie immer über die Bank.

„Mit meinem Bruder Franz bin ich eng verbunden. Wir verbringen viel Zeit mit unseren Freunden. Da hat die Bank nichts verloren“, meint die junge Bankière. Über die größte Katastrophe der Familie, die Entführung und Ermordung ihres Bruders Jakob im Jahr 2002 spricht Elena nicht.

Auf den Erfolg der Bank über Jahrhunderte angesprochen, nach dem Erfolgsrezept gefragt, kommt auch wieder eine entwaffnend ehrliche, sympathische und dabei praktische Antwort: „na ja“, meint sie, „wir machen nur Dinge, wenn wir sie verstehen.“ Recht hat sie, als die Banken in Deutschland, um ein historisches Beispiel zu wählen, alle auf Staatsanleihen gegangen sind, die Bethmänner haben die Habsburger finanziert, Metzler das preußische Königshaus, begannen die Metzlers zu Zeiten Napoleons, sich aus dem Staatsanleihegeschäft zurückzuziehen und wandten sich dem Effekten- und Effektendepotgeschäft zu. Dabei ist es auch geblieben.

Wer wissen will, ob die junge Generation der Private Banking Kunden denn überhaupt noch den Service einer Privatbank will, der ist bei Elena an der richtigen Stelle. „Also es passt sicher nicht jeder zu uns“, sagt sie. Das klingt vielleicht arrogant, kommt aber sehr sympathisch rüber bei ihr. Und dann kommt ganz natürlich, nicht einstudiert von der jungen, engagierten und wortgewandten Elena von Metzler sehr authentisch eine Antwort: „klar haben Privatbanken eine Zukunft, denn die Werte, für die wir bei Metzler stehen, die braucht der junge Mensch auch, wenn er sein Vermögen langfristig gut angelegt wissen will. Worum geht es: um Vertrauen, um Diskretion, um Qualität und Orientierung, und wenn wir unseren Kunden keinen Mehrwert geben, dann sind sie nicht lange unsere Kunden, das ist doch heute und morgen genauso wie gestern“.

„Ich möchte noch viel lernen, vor allem von Emmerich Müller über Strategie und wie wir uns auf die Zukunft ausrichten können und müssen. Aber eines gilt für uns immer als oberstes Ziel: wir bleiben unabhängig. Metzler schüttet jedes Jahr 2,3 Mio. EUR an die Aktionäre aus, der Rest geht in die Kapitalrücklage und in die stillen Reserven“. So kommt die Bank auf ein haftendes Eigenkapital von rund 250 Mio. EUR; damit haben wir eine Kernkapitalquote von mehr als 20 Prozent; stattlich für Banken in der heutigen Zeit. Bei den Zahlen kennt sie sich also auch aus – Nachfolge aus dem Bilderbuch. Wer wissen will, wie das geht, sollte lernen, wie man „metzlert“. Die Familie von Metzler gibt dazu reichlich Gelegenheit.

Alphazirkel - die Macht der Familie

Andreas E. Mach führte das Interview mit Elena von Metzler in München für eine von 20 Monographien in der neuen Alphazirkel-Publikation „Die Macht der Familie“. Dort wird ein Beitrag zum Bankhaus Metzler und zur Rolle der Familie von Metzler erscheinen (Nagel & Kimche, Zürich 2020).

Der Unternehmer, Autor und Moderator Andreas E. Mach ist Gründer und Sprecher des ALPHAZIRKEL Das Forum für Familienunternehmer, München.

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