2.5.2019

Investment-Strategie Metzler Private Banking April 2019

 

  • Konjunktur: Trotz globaler Abkühlung keine Vorboten einer größeren Krise in Sicht
  • Aktien: Europa und Emerging Markets attraktiv
  • Anleihen: Qualität von Unternehmensanleihen hat sich verschlechtert

 „Die globale Konjunktur hat sich seit Mitte 2018 deutlich abgekühlt. Dennoch gehen wir nicht davon aus, dass eine größere Wirtschaftskrise bevorsteht. Wir halten es sogar für wahrscheinlich, dass sich die Konjunktur dieses Jahr wieder stabilisieren wird“, so Emmerich Müller, persönlich haftender Gesellschafter des Bankhauses Metzler und als Metzler-Partner verantwortlich für das Private Banking, anlässlich eines Pressegesprächs am 2. Mai 2019 in Frankfurt am Main. In der Vergangenheit seien Immobilienpreisexzesse zusammen mit einer Überschuldung des privaten Sektors wiederholt Vorboten einer größeren Krise gewesen. Eine solche Kombination sei gegenwärtig weder in der Eurozone noch in den USA zu beobachten. Zwar stiegen Immobilienpreise und Unternehmensverschuldung seit geraumer Zeit wieder, die privaten Haushalte hätten jedoch diesseits wie auch jenseits des Atlantiks bis zuletzt ihre Verschuldungsquoten reduziert. „Eigentlich müssten die Zentralbanken nun gegenlenken, damit auch künftig keine Blasen entstehen“, sagt Carolin Schulze Palstring, Leiterin Kapitalmarktanalyse im Metzler Private Banking. „Das ist zurzeit nicht mehr erkennbar.“ Viele Marktbeobachter treibe auch die Sorge um, dass China aufgrund der hohen Verschuldung des privaten Sektors in eine Krise rutschen könne. „Das ist ein ernst zu nehmendes Risiko“, konstatiert Emmerich Müller. „Aufgrund der planwirtschaftlichen Strukturen hat die chinesische Regierung jedoch eine ganze Reihe von Instrumenten, um schweren Verwerfungen entgegenzuwirken“. Nicht zuletzt dürften auch die Ansteckungsgefahren für das globale Finanzsystem im Falle einer Krise geringer sein als im Jahr 2008. Schließlich seien chinesische Unternehmen hauptsächlich im Inland verschuldet, und der Verkauf von Kreditrisiken in Form von Verbriefungen sei im Reich der Mitte weniger verbreitet als in den USA.

Carolin Schulze Palstring, Leiterin Kapitalmarktanalyse im Metzler Private Banking
Carolin Schulze Palstring, Leiterin Kapitalmarktanalyse im Metzler Private Banking

Für die Kapitalmärkte sei der Jahreswechsel 2018/2019 äußerst turbulent verlaufen: Während globale Aktien – gemessen am MSCI World in lokaler Währung – allein im letzten Quartal 2018 13 % an Wert verloren hätten, setzte in diesem Jahr eine fulminante Erholung ein. „Dieser Stimmungsumschwung am Aktienmarkt lässt sich durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren erklären“, so Carolin Schulze Palstring. „Im vergangenen Jahr belasteten vor allem eine erhöhte politökonomische Unsicherheit, eine sich abkühlende Weltwirtschaft und eine weniger expansive Zentralbankpolitik.“ Dabei seien die Kursverluste im vierten Quartal weit über das hinausgegangen, was unter fundamentalen Gesichtspunkten zu erwarten gewesen wäre. Eine geänderte Notenbankpolitik und die Verringerung einiger politökonomischer Risiken hätten schließlich dazu geführt, dass sich globale Aktien im laufenden Jahr merklich erholt haben. „Mittlerweile scheinen US-Aktien gemessen an gängigen Bewertungsmethoden zwar wieder teuer, Valoren aus Europa und den Emerging Markets haben jedoch weiterhin Kurspotenzial“, ergänzt Frank Endres, Leiter des Portfoliomanagements bei Metzler Private Banking. Für Schwellenländer-Aktien spräche jedoch nicht nur die Bewertung. Das vermutlich weiter steigende Haushaltsdefizit in den USA dürfte mittelfristig den US-Dollar schwächen. Davon könnten insbesondere die Emerging Markets profitieren, da sie oft in US-Dollar verschuldet sind. „Auch die Wachstumsperspektiven für die Schwellenländer sind vielversprechend“, unterstreicht Schulze Palstring. „Die IWF-Schätzungen für die nächsten Jahre gehen von steigendem Wachstum aus, während in den entwickelten Volkswirtschaften mit einer nachlassenden Konjunkturdynamik zu rechnen ist.“ In den Aktienportfolios des Metzler Private Banking werden Emerging-Markets-Aktien daher angemessen berücksichtigt. Weitere Anlageschwerpunkte seien günstig bewertete Aktien aus Europa und aussichtsreiche US-Titel.

„Am Anleihemarkt flüchteten Anleger um den Jahreswechsel herum in ‚sichere Häfen‘ wie Bundesanleihen oder US-Treasuries. Später sorgte das Auspreisen von Leitzinsanhebungen für zusätzlichen Abwärtsdruck auf die Renditen“, so Frank Endres. Die Lage könne sich jedoch ändern, sollte sich die globale Konjunktur wie erwartet stabilisieren und die politökonomischen Risiken nicht wieder steigen. Außerdem spräche der gestiegene Ölpreis für eine Unterstützung der Inflationsraten. Bis zum Ende des Jahres rechnen die Kapitalmarktexperten von Metzler Private Banking mit einem leichten Anstieg der Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen auf 2,8 % und für deutsche Bundesanleihen auf 0,3 %. Sorge bereiteten allerdings die Unternehmensanleihen. Die Emissionen mit BBB-Rating seien stark gestiegen: In Europa und den USA betrage der Anteil dieser Ratingklasse bereits 50 % des gesamten Investment-Grade-Marktes. Endres rät zur Vorsicht: „Die wieder höhere Risikobereitschaft sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Kreditqualität von Unternehmensanleihen verschlechtert hat.“ Im Fall einer Rezession oder bei einer Schwächung des Marktumfelds drohten Ratingherabstufungen in den Non-Investment-Grade-Bereich. Momentan gebe es zwar noch keinen konkreten Anlass zur Sorge, die Risiken seien aber erheblich. „Wir bleiben daher unserer Position treu, keine hohen Risiken für nur marginale Zusatzerträge einzugehen,“ so Schulze Palstring. „Nach wie vor setzen wir daher auf kreditwürdige Schuldner bei Staats- und Unternehmensanleihen und deutsche Pfandbriefe.“

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Emmerich Müller, persönlich haftender Gesellschafter des Bankhauses Metzler
Carolin Schulze Palstring, Leiterin Kapitalmarktanalyse im Metzler Private Banking