31.10.2019

Metzler Private Banking: Investment-Strategie Oktober 2019

  • Rezessionsgefahr: Geldpolitik der EZB stößt an Grenzen
  • Anleihen: Risiken nehmen weiter zu
  • Aktien: Rückenwind durch die Notenbanken

„Die globalen Rezessionsrisiken sind gestiegen. Es wird allerhöchste Zeit, die Weichen richtig zu stellen. Dazu gehört in erster Linie, Geldpolitik, Fiskalpolitik und Strukturreformen besser zu gewichten“, so Emmerich Müller, persönlich haftender Gesellschafter des Bankhauses Metzler und als Metzler-Partner verantwortlich für das Private Banking, anlässlich eines Pressegesprächs am 31. Oktober 2019 in Frankfurt am Main. Die durch US-Präsident Trump verursachten Handelskonflikte würden die Planungssicherheit und die Investitionen der Unternehmen stark einschränken. Je länger die politökonomischen Unsicherheiten anhalten würden, desto größer sei die Gefahr einer weltweiten Rezession. Es stelle sich die Frage, ob die Notenbanken noch über ausreichend Mittel verfügen, um im Krisenfall gegensteuern zu können. „Zumindest die Fed hat mehr Handlungsspielraum, als es auf den ersten Blick scheint“, so Carolin Schulze Palstring, Leiterin Kapitalmarktanalyse im Metzler Private Banking. Zwar sei der vorhandene Puffer bei den Leitzinsen deutlich kleiner als in früheren Zeiten. Das Potenzial für weitere Anleihekäufe habe jedoch in den vergangenen Jahren zugenommen – nicht zuletzt aufgrund der steigenden US-Staatsverschuldung, die das am Markt verfügbare Volumen an Anleihen erhöht habe. „In der Eurozone stößt die Zentralbank mit ihrer lockeren Geldpolitik hingegen zunehmend an Grenzen“, sagt Emmerich Müller. Er gehe davon aus, dass der Leitzins nicht mehr viel weiter gesenkt werden könne, da die Belastungen für das Bankensystem immer größer würden. Ab einem bestimmten Punkt wirke die Geldpolitik dann nicht mehr expansiv, sondern restriktiv. „Auch eine stärkere Fokussierung der EZB auf die Anleihekäufe bleibt nicht ohne Nebenwirkungen“, ergänzt Carolin Schulze Palstring. Sinkende Refinanzierungszinsen nähmen jeglichen Druck von den Regierungen hochverschuldeter Staaten, Strukturreformen einzuleiten und Haushaltsdisziplin zu zeigen. Dies dämpfe langfristig das Wirtschaftswachstum. Schulze Palstring stellt fest: „Die Politik hat sich zu lange darauf ausgeruht, dass die Notenbanken es schon richten werden.“ Nun werde es höchste Zeit, dass auch die Regierungen ihren Beitrag leisten. „Insbesondere in Deutschland ist der Investitionsbedarf hoch, und die Bundesregierung hat – unterstützt durch die niedrigen Zinsen – den nötigen finanziellen Spielraum. Die Analystin ist sicher, dass ganz Europa profitieren könnte, wenn Deutschland seine Investitionen steigere.

Die Renditen am Anleihemarkt fielen in diesem Jahr vielerorts auf historische Tiefststände. Aktuell seien deutsche Staatsanleihen über fast alle Laufzeiten negativ verzinst. Sogar bonitätsschwächere Länder der Europäischen Währungsunion könnten sich mittlerweile zu Minuszinsen verschulden. Dabei sei eine nachhaltige Trendwende am Rentenmarkt noch nicht in Sicht: „Wir erwarten das Renditeniveau zehnjähriger deutscher Bundesanleihen für die nächsten zwölf Monate bei -0,3 %“, sagt Frank Endres, Leiter des Portfoliomanagements bei Metzler Private Banking. Auch bei Unternehmensanleihen müssten Anleger immer höhere Risiken eingehen, um eine positive Nominalrendite zu erzielen. Schließlich würden in diesem Jahr sogar Non-Investmentgrade-Anleihen erstmals unter null rentieren. Investoren bliebe daher nur die Möglichkeit, ein höheres Laufzeitenrisiko einzugehen, Abstriche bei der Bonität zu machen oder Fremdwährungsanleihen in den Portfolios höher zu gewichten. „Nach wie vor setzen wir auf Diversifikation und streuen unsere Anlagen entsprechend über Emittenten, Regionen und Währungen“, unterstreicht Frank Endres.

Der Aktienmarkt profitiere hingegen von einer lockeren Geldpolitik, denn ein sinkendes Zinsniveau bedeute günstigere Finanzierungsbedingungen für Unternehmen. „Die Attraktivität von Aktien steigt – insbesondere im Vergleich zu der derzeit wenig rentierlichen Anlageklasse der Anleihen“, so Frank Endres. Gleichzeitig rät er zu Vorsicht bei der Titelauswahl: Mit fehlendem finanziellen Druck sinke der Anreiz, Unternehmen effizient zu managen. So würden einige unproduktive Unternehmen künstlich länger am Leben gehalten, sogenannte Zombie-Firmen. „Auf der Jagd nach einer möglichst hohen Rendite legen viele Anleger deshalb den Fokus verstärkt auf jüngere, innovative Firmen, lassen dabei jedoch mögliche Anlagerisiken außer Acht“, warnt Frank Endres. „So lag der Anteil unprofitabler US-Börsengänger im vergangenen Jahr bei ca. 75 %, das ist so hoch wie seit der Dotcom-Blase nicht mehr.“ Metzler rät, sich an den Fundamentaldaten der Aktien zu orientieren. Langfristig hätten sich insbesondere die Kriterien Bilanz- und Ertragsqualität sowie Bewertung als Erfolgsfaktoren erwiesen. In den Aktienportfolios setzt Metzler Private Banking auf eine Investitionsquote von 85 % mit einer ausgewogenen Gewichtung von zyklischen und defensiven Titeln.

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Jörg-Matthias Butzlaff, Leiter Unternehmenskommunikation, Pressesprecher
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