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Ein Plädoyer für verantwortungsvolle Fiskalpolitik - 4.12.2019 - Carolin-Schulze-Palstring

Rettet die Notenbanken!

Kreditgeber letzter Instanz, Währungshüter, Wächter über die Preisniveau- und Finanzstabilität. Zugegeben: Notenbanken haben keine einfache Aufgabe. Sie müssen stets dafür sorgen, dass ein fragiles Gleichgewicht aus zahlreichen volkswirtschaftlichen Variablen nicht aus den Fugen gerät. Insbesondere in Krisenzeiten, wie nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers oder während der Staatsschuldenkrise in der Eurozone, waren die Notenbanken gefragt, schnell mit geldpolitischen Maßnahmen gegenzusteuern. Diese „Krisenpolitik“ dauert vielerorts nun schon länger als zehn Jahre. Aus einem beherzten Eingreifen ist ein Dauerzustand geworden. Und mit den Irrungen und Wirrungen im Handelskonflikt hat schon die nächste Lockerungsrunde in der globalen Geldpolitik begonnen. Da die Leitzinsen in den meisten Industrieländern bereits nahe oder unter null liegen, fragen sich viele Beobachter, was die Notenbanken im Falle einer Rezession noch tun können.

Rein theoretisch lautet die Antwort: unendlich viel. Als Herr über die Notenpresse können Zentralbanken beliebig Geld drucken und im Zweifelsfall sogar mit negativem Eigenkapital arbeiten. Im Unterschied zu normalen Geschäftsbanken gehen Notenbanken also nicht einfach „pleite“. Sie sind jederzeit in der Lage, all ihre Verbindlichkeiten zu bedienen. In der Praxis stößt die expansive Geldpolitik jedoch zunehmend an Grenzen, denn sie ist stets mit Risiken und Nebenwirkungen für die gesamte Volkswirtschaft verbunden. Diese treten mittlerweile immer deutlicher zutage. Beispielsweise sind die Refinanzierungszinsen hochverschuldeter Länder so stark gesunken, dass sie das Risiko einer Investition in Staatsanleihen häufig nicht mehr adäquat widerspiegeln. Was Anlegern zunehmend Kopfzerbrechen bereitet, ist aus Sicht der Emittenten eine äußerst komfortable Situation. Denn sinkende Refinanzierungszinsen nehmen jeglichen Druck von Regierungen, Strukturreformen einzuleiten und Haushaltsdisziplin zu wahren. In der Tat haben viele Staaten der Eurozone in den vergangenen Jahren Strukturreformen nicht nur gescheut, sondern sogar teilweise zurückgenommen. Dies dämpft langfristig das Wirtschaftswachstum.

Ähnliche Probleme lassen sich im Unternehmenssektor beobachten. Grundsätzlich profitieren Firmen zwar von dauerhaft günstigeren Finanzierungsbedingungen. Gleichzeitig sinkt jedoch der Anreiz für ein effizientes Management. Dies erklärt, warum die Zahl der Unternehmen, die nicht mehr in der Lage sind, den Zinsaufwand durch den operativen Gewinn zu decken, in den zurückliegenden Jahren massiv gestiegen ist. Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist es äußerst problematisch, wenn trotz oder gerade wegen niedriger Finanzierungskosten eine steigende Anzahl an unproduktiven Unternehmen im Wettbewerb bleibt. Denn die Gruppe der sogenannten „Zombie“-Firmen bindet Ressourcen, wie Arbeit oder Kapital, die sich in leistungsstärkeren Unternehmen effizienter einsetzen ließen. Am Aktienmarkt ist daher schon längst nicht mehr alles Gold, was glänzt. Anleger wären also bestens beraten, bei der Titelauswahl stets auf solide Bilanzkennzahlen und langfristig stabile Geschäftsmodelle zu achten.

Die Politik hat sich in den vergangenen Jahren darauf ausgeruht, dass die Notenbanken „es schon richten werden“. Angesichts der beschriebenen Kollateralschäden ist jedoch höchst fraglich, ob es die alleinige Aufgabe von Zentralbanken sein sollte, sich fortwährend gegen Wirtschaftsabschwünge zu stemmen. Unseres Erachtens wird es allerhöchste Zeit, die Währungshüter aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Hierzu ist eine bessere Gewichtung von Geldpolitik, Fiskalpolitik und Strukturreformen erforderlich. Noch ist es dafür nicht zu spät. Die Notenbanken könnten sich zurücknehmen und die Staaten klüger wirtschaften. Gerade die Bundesregierung hat finanziellen Spielraum. Anstatt Wahl-geschenke zu verteilen, sollten dringend notwendige Investitionen angestoßen werden. Denn wie sagte Willy Brandt einmal: „Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten.“

Investment-Strategie Private Banking Oktober 2019
Carolin Schulze Palstring
Carolin Schulze Palstring

Leiterin Kapitalmarktanalyse , Metzler Private Banking

Carolin Schulze Palstring leitet seit April 2019 die Kapitalmarktanalyse von Metzler Private Banking in Frankfurt am Main. Zuvor war sie sieben Jahre im selben Bereich als Analystin für Makroökonomie tätig. Sie absolvierte von 2012 bis 2013 ein Investment-Trainee-Programm bei Metzler. Frau Schulze Palstring studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Bankwesen an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, Karlsruhe, und war gleichzeitig bei der Deutschen Bank Privat- und Geschäftskunden AG in Düsseldorf tätig. 2012 erwarb sie zudem einen Master of Letters in Finance and Management an der University of St. Andrews.

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