
16.10.2026 | Asset Management
Werbeinformation der Metzler Asset Management GmbH
Seit Mai dieses Jahres ist eine deutlich schlechtere Wertentwicklung französischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen zu beobachten. So hat sich die Renditedifferenz 10-jähriger französischer Staatsanleihen in diesem Zeitraum von 0,6 Prozentpunkt auf 1,4 Prozentpunkte ausgeweitet – und damit vergleichbare Niveaus wie zuletzt während der europäischen Staatsschuldenkrise 2011 erreicht.
Quellen: Bloomberg, Metzler; Stand 13.10.2026
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Eine Schuldenquote von 115 Prozent des BIP, wie sie Frankreich 2025 erzielt hat, muss nicht zwangsläufig eine Krise auslösen. Staaten mit hohen Schulden können lange zahlungsfähig bleiben. Entscheidend ist, ob ihre Einnahmen, ihr Wachstum und ihre künftige Finanzpolitik zu den Zinskosten passen – und ob Anleger darauf vertrauen. Genau diese Kombination wird am französischen Anleihemarkt derzeit neu bewertet: Einerseits aufgrund der innpolitischen Krise und andererseits aufgrund des weltweiten Trends steigender Zinsen, der die schwächsten Schuldner immer als erstes unter Druck bringt. In der Regel ist für die Finanzmärkte der zu erwartende Trend der Staatsverschuldung entscheidend. Oft reicht schon als Perspektive eine Stabilisierung auf aktuellen Niveaus.
Den zukünftigen Trend der Staatsverschuldung bestimmen dabei zwei Faktoren:
Frankreich verzeichnete 2025 ein nominales Wirtschaftswachstum von 2,0 Prozent bei einem Zinssatz von etwa 2,0 Prozent auf die ausstehenden Staatsanleihen. Dementsprechend war die Differenz null, was sich stabilisierend auf die Staatsschuldenentwicklung auswirkte. Aktuell beträgt der Marktzins jedoch mehr als 4,0 Prozent bei einem erwarteten nominalen Wirtschaftswachstum zwischen 2,0 und 2,5 Prozent in den kommenden Jahren. Das heißt, über die Zeit wird der Zinssatz auf die ausstehenden Staatsanleihen über das nominale Wirtschaftswachstum steigen und somit zu einem Trend steigender Staatsverschuldung beitragen. Frankreich braucht also perspektivisch einen Primärüberschuss, um die Staatsschulden bei unverändert hohen Marktzinsen zu stabilisieren. Davon war Frank-reich 2025 jedoch weit entfernt. 2025 betrug das Primärdefizit 2,9 Prozent des BIP. Und für 2026 und 2027 zeichnet sich derzeit keine Verbesserung ab.
Ein Blick in die Zukunft zeigt die immense Herausforderung für die französische Wirtschaftspolitik.
Drei Szenarien:
Die Staatsausgaben Frankreichs lagen 2025 mit 57,3 Prozent des BIP (rund 1,7 Billionen Euro) deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Insbesondere die Ausgaben für Altersrenten und Gesundheit sind in Frankreich überdurchschnittlich hoch. Vor der finalen Präsidentschaftswahl am 2. Mai 2027 dürften wahrscheinlich kaum Sparanstrengungen in Frankreich unternommen werden. Es besteht also das Risiko, dass der Druck der Finanzmärkte auf französische Staatsanleihen eher zunehmen wird. Gleichzeitig ist, wie zu Zeiten der europäischen Staatsschuldenkrise, das Phänomen zu beobachten, dass jede Verschlechterung der Lage an den europäischen Staatsanleihemärkten mit einem schwächeren Euro-Wechselkurs an den Devisenmärkten einhergeht.
Grundsätzlich erwarten wir kein Eingreifen der EZB. Die EZB dürfte erst dann das TPI (das Transmission Protection Instrument) aktivieren, wenn unbeteiligte Staaten Ansteckungseffekte erleiden – oder die Finanzmärkte nicht positiv auf ein umfassendes Konsolidierungspaket Frankreichs reagieren würden.
Negative Wachstumsraten bei Investitionen in Industriekapazitäten (Montag) und Immobilien (Montag) signalisieren traditionell eigentlich eine Rezession. Gleichzeitig waren die öffentlichen Infrastrukturausgaben bis dato schwach. Und auch die Einzelhandelsumsätze (Montag) verzeichneten nominal kein Wachstum in diesem Jahr. In der BIP-Statistik liefert jedoch der Konsum einen positiven Wachstumsbeitrag, da „statistisch“ der Konsum von Dienstleistungen wächst.
Historisch war noch nie zu beobachten, dass ein Land von der Größe Chinas allein durch einen starken Export eine erhebliche Schwäche der Binnennachfrage ausgleichen konnte. Die Vermutung liegt daher nahe, dass die offiziellen BIP-Statistiken (Montag) ein viel zu positives Bild zeichnen.
Europa verfügt nur über niedrige Lagerbestände an Erdgas und Heizöl. Dementsprechend belasten die steigenden Öl- und Erdgaspreise erheblich. Darüber hinaus könnten die Turbulenzen am französischen Anleihemarkt auch die europäische Konjunktur belasten. Wie stark die negativen Effekte sind, lässt sich derzeit jedoch schwer einschätzen. Vor diesem Hintergrund werden der ZEW-Index am Dienstag, das europäische Konsum-entenvertrauen am Donnerstag sowie die erste Schätzung der Einkaufsmanagerindizes am Freitag wertvolle Einblicke liefern.
Edgar Walk, CESGA, arbeitet seit 2000 bei Metzler. Als Chefvolkswirt im Bereich Asset Management ist er für die volkswirtschaftlichen Prognosen verantwortlich. Aufgrund seiner engen Zusammenarbeit mit dem Portfoliomanagement liegt sein Fokus neben der volkswirtschaftlichen Analyse verstärkt auf Kapitalmarktthemen. Vor seiner Anstellung bei Metzler studierte Herr Walk in Tübingen Volkswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Regionalstudien Ostasien und Japan. Zur Vertiefung seiner Studien verbrachte er ein Auslandssemester an der Doshisha-Universität in Kyoto, Japan. Am Institut für Weltwirtschaft in Kiel absolvierte er anschließend den Aufbaustudiengang „Advanced Studies in International Economic Policy Research“.

Edgar Walk
Chief Economist
Metzler Asset Management
Economic Research