
30.10.2026 | Asset Management
Werbeinformation der Metzler Asset Management GmbH
Die Märkte wetten auf eine Machtverschiebung in Washington: Laut Polymarket liegen die Chancen der Demokraten auf eine Mehrheit im Senat bei 65 Prozent, im Repräsentantenhaus bei 92 Prozent. Wettquoten sind zwar keine Wahlergebnisse, sie bilden jedoch erstaunlich gut die tatsächlichen Wahrscheinlichkeiten ab, wie eine Studie zuletzt zeigte. Gewinnen die Demokraten beide Kammern, verliert Donald Trump die unkomplizierte Einflussnahme auf die Gesetzgebung. Machtlos wäre er aber nicht, er könnte noch eingeschränkt mit Präsidialerlassen regieren. Aber auch die Hände des Kongresses sind dann gebunden. Um ein präsidentielles Veto zu überstimmen, bräuchte der Kongress nämlich in beiden Häusern eine Zweidrittelmehrheit. Gelingt das nicht, könnte das Ergebnis eine Blockade sein.
Bei Gesamtschulden von über 40 Billionen US-Dollar und einem für Friedenszeiten historisch untypischen Defizit von 6,0 Prozent des BIP steuern die USA unausweichlich auf die gesetzliche Schuldenobergrenze zu, die im Laufe des Jahres 2027 erreicht werden dürfte.
Die wahrscheinliche Haushaltseskalation zwischen Präsidenten und Kongress kann dabei zu zwei Szenarien führen:
Nicht das Wahlergebnis wäre dann das Problem, sondern die Unfähigkeit, politisch zu agieren und die notwendigen staatlichen Sparmaßnahmen zu beschließen.
Vor diesem Hintergrund sehen wir die US-Staatsanleiherendite unter einem anhaltenden Aufwärtsdruck, der sich während der Verhandlungen um eine Anhebung der Schuldengrenze sogar noch beschleunigen könnte.
Auch außenpolitisch wäre Stillstand im Kongress keine Entwarnung. Trump hat als Präsident großen Spielraum, außenpolitisch zu agieren. Insbesondere das Risiko einer Eskalation im Nahen Osten bliebe. So hat Trump sein mehrfach erklärtes Ziel, eine iranische Atombombe dauerhaft zu verhindern, noch nicht erreicht.
Derzeit sehen viele Analysten den fundamental gerechtfertigten Ölpreis der Sorte Brent bei etwa 95 USD pro Barrel angesichts der aktuellen Nachfrage- und Angebotssituation. Tatsächlich handelt der Ölpreis aber derzeit bei etwa 115 USD pro Barrel, sodass eine signifikante Risikoprämie für eine erneute Eskalation nach den Zwischenwahlen eingepreist ist.
Konsumenten berichteten im Oktober von einer bemerkenswerten Verbesserung der Lage am Arbeitsmarkt laut dem Conference Board. Auch die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fallen derzeit von Woche zu Woche.
Es spricht also viel dafür, dass der Arbeitsmarktbericht am Freitag positiv überraschen wird. Für die US-Notenbank kann dies zu einem Problem werden, da sie in dieser Woche den Leitzins nicht angehoben hat – und auch keine gute Begründung dafür hatte. Mit zusätzlich starken Wirtschaftsdaten (ISM-Index am Montag und ISM-Nonmanufacturing am Mittwoch) dürfte bald wieder der Eindruck an den Finanzmärkten bestehen, dass sich die US-Notenbank (vielleicht aus politischen Gründen) hinter die Kurve fallen lässt. Das könnte für erneute Unruhe am Staatsanleihemarkt sorgen.
Quellen: Bloomberg, Metzler; Stand 31.10.2026
This document published by Metzler Asset Management GmbH [together with its affiliated companies as defined in section 15 et seq. of the German Public Limited Companies Act (Aktiengesetz – "AktG”), jointly referred to hereinafter as “Metzler“] contains information obtained from public sources which Metzler deems to be reliable. However, Metzler cannot guarantee the accuracy or completeness of such information. Metzler reserves the right to make changes to the opinions, projections, estimates and forecasts given in this document without notice and shall have no obligation to update this document or inform the recipient in any other way if any of the statements contained herein should be altered or prove incorrect, incomplete or misleading.
Neither this document nor any part thereof may be copied, reproduced or distributed without Metzler‘s prior written consent. By accepting this document, the recipient declares his/her agreement with the above conditions.
Die Europäische Zentralbank hat die Zinsen diese Woche unverändert gelassen, doch die Pause ist nicht mit einem Ende der Straffung gleichzusetzen. Im Dezember ist mit dem nächsten Schritt zu rechnen. Dafür müssten die Konjunktur- und Inflationsdaten lediglich den bisherigen Projektionen entsprechen, die Energiepreise erhöht bleiben und sich die Finanzierungsbedingungen nicht wesentlich weiter verschärfen.
Die EZB steht damit zwischen zwei gegenläufigen Kräften. Hohe Energiepreise drohen die Inflation erneut anzutreiben, während gestiegene langfristige Renditen Kredite verteuern und die Nachfrage bremsen. So dürfte die Inflation im Oktober (Mittwoch) auf 3,9 Prozent gestiegen sein, bei einer zunächst noch stabilen Kernrate von 2,5 Prozent. Der bislang begrenzte Anstieg der Kerninflation bietet etwas Entlastung, beseitigt aber nicht das Risiko, dass höhere Energiekosten zeitverzögert auf andere Preise durchschlagen.
Die wichtigste Nuance der Sitzung liegt deshalb im stärkeren Gewicht der Finanzierungsbedingungen: Der Anleihemarkt übernimmt bereits einen Teil der geldpolitischen Bremsarbeit.
Zum entscheidenden Unsicherheitsfaktor wird Frankreich. Eine deutliche Verschärfung der dortigen Haushalts- und Anleihemarktspannungen könnte die Finanzierungskosten so stark erhöhen, dass die EZB trotz höherer Inflationsprognosen erneut abwartet. Die Dezember-Anhebung bleibt damit die wahrscheinlichste Option.
Immerhin wird die Bank von England am Donnerstag aufgrund überraschend guter Wirtschaftsdaten und einer viel zu hohen Inflation den Leitzins anheben.
Edgar Walk, CESGA, arbeitet seit 2000 bei Metzler. Als Chefvolkswirt im Bereich Asset Management ist er für die volkswirtschaftlichen Prognosen verantwortlich. Aufgrund seiner engen Zusammenarbeit mit dem Portfoliomanagement liegt sein Fokus neben der volkswirtschaftlichen Analyse verstärkt auf Kapitalmarktthemen. Vor seiner Anstellung bei Metzler studierte Herr Walk in Tübingen Volkswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Regionalstudien Ostasien und Japan. Zur Vertiefung seiner Studien verbrachte er ein Auslandssemester an der Doshisha-Universität in Kyoto, Japan. Am Institut für Weltwirtschaft in Kiel absolvierte er anschließend den Aufbaustudiengang „Advanced Studies in International Economic Policy Research“.

Edgar Walk
Chief Economist
Metzler Asset Management
Economic Research