
6.11.2026 | Asset Management
Werbeinformation der Metzler Asset Management GmbH
Quellen: Bloomberg, I/B/E/S, Metzler; Stand 30.9.2026
Quellen: Bloomberg, Chinesisches Finanzministerium, Metzler; Stand 31.12.2025
Quellen: Bloomberg, Peoples Bank of China, Metzler; Stand 31.12.2025
Quellen: Bloomberg, EZB, Metzler; Stand 31.3.2026
This document published by Metzler Asset Management GmbH [together with its affiliated companies as defined in section 15 et seq. of the German Public Limited Companies Act (Aktiengesetz – "AktG”), jointly referred to hereinafter as “Metzler“] contains information obtained from public sources which Metzler deems to be reliable. However, Metzler cannot guarantee the accuracy or completeness of such information. Metzler reserves the right to make changes to the opinions, projections, estimates and forecasts given in this document without notice and shall have no obligation to update this document or inform the recipient in any other way if any of the statements contained herein should be altered or prove incorrect, incomplete or misleading.
Neither this document nor any part thereof may be copied, reproduced or distributed without Metzler‘s prior written consent. By accepting this document, the recipient declares his/her agreement with the above conditions.
Um die Perspektiven für die chinesische Wirtschaft im kommenden Jahr beurteilen zu können, ist erst einmal eine Bestandsanalyse notwendig.
Ein Land kann die besten Elektroautos bauen und dennoch ein wirtschaftliches Problem haben. Es kann Lieferketten dominieren, Innovationsführer in vielen Branchen sein und Weltmärkte erobern, während sein bisheriges Wachstumsmodell an seine Grenzen stößt. Wer Chinas industrielle Erfolge als Widerlegung seiner wirtschaftlichen Schwäche betrachtet, verwechselt Wettbewerbsfähigkeit mit Wohlstand.
Das alte Modell war ebenso wirkungsvoll wie einfach. Stark subventionierte Kredite und Staatshilfen (auf Kosten der Privathaushalte) finanzierten zugleich Immobilien, Infrastruktur und Produktionskapazitäten der Wirtschaft. Investitionen schufen Wachstum in einem exportorientierten Aufholprozess. Das Wachstum rechtfertigte weitere Investitionen. Doch eine Finanzierungsmaschine ist keine Garantie für dauerhaft produktive Kapitalverwendung. Irgendwann wird aus zusätzlicher Infrastruktur ein wenig genutztes Projekt, aus einer leeren Wohnung ein unhaltbares Wertversprechen und aus einem neuen Kredit vor allem die Verlängerung eines alten. Nach dem Platzen der Blase am Immobilienmarkt blieb in China der große Finanzcrash aus.
Doch die vermeintliche Stabilität hat einen Preis, wenn sie bedeutet, dass unproduktive Schuldner weiterfinanziert und Verluste nicht bereinigt werden. Kapital bleibt gebunden. Neue Kredite bewirken weniger.
Auch der Exportboom ist kein eindeutiger Gegenbeweis. Chinas Unternehmen verfügen über reale technologische Fähigkeiten, leistungsfähige Industriecluster und Kostenvorteile. Doch Exportstärke kann zugleich Ausdruck schwacher Binnennachfrage sein. Wenn der heimische Markt vorhandene Kapazitäten nicht aufnimmt, wird der Weltmarkt zwangsläufig zum Ausweg.
Das ist für einzelne Unternehmen rational. Für eine Volkswirtschaft von Chinas Größe ist es keine verlässliche Dauerlösung. Eine Strategie, deren Erfolg immer mehr Absatz im Ausland verlangt, hängt auch davon ab, wie viel Verdrängungsdruck auf die eigenen, heimischen Unternehmen die Handelspartner akzeptieren. Wirtschaftliche Abhängigkeiten können China Verhandlungsmacht geben. Sie garantieren keine unbegrenzte Aufnahmebereitschaft. Es wird interessant zu sehen sein, wann die Exportwachstumsdynamik beginnt, nachzulassen.
Edgar Walk, CESGA, arbeitet seit 2000 bei Metzler. Als Chefvolkswirt im Bereich Asset Management ist er für die volkswirtschaftlichen Prognosen verantwortlich. Aufgrund seiner engen Zusammenarbeit mit dem Portfoliomanagement liegt sein Fokus neben der volkswirtschaftlichen Analyse verstärkt auf Kapitalmarktthemen. Vor seiner Anstellung bei Metzler studierte Herr Walk in Tübingen Volkswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Regionalstudien Ostasien und Japan. Zur Vertiefung seiner Studien verbrachte er ein Auslandssemester an der Doshisha-Universität in Kyoto, Japan. Am Institut für Weltwirtschaft in Kiel absolvierte er anschließend den Aufbaustudiengang „Advanced Studies in International Economic Policy Research“.

Edgar Walk
Chief Economist
Metzler Asset Management
Economic Research
Die Hoffnung auf Elektroautos, KI und Robotik beantwortet das Grundproblem ebenfalls nicht, da diese Branchen sehr kapitalintensiv sind und kaum Arbeitskräfte benötigen. Diese Branchen können also außergewöhnlich erfolgreich sein, ohne ausreichend Einkommen und Beschäftigung für die gesamte Wirtschaft zu schaffen.
Technologischer Fortschritt ist wichtig. Er ist aber keine Sozialpolitik und kein Ersatz für breite Kaufkraft.
Laut der chinesischen Statistikbehörde verzeichnete das reale Bruttoinlandsprodukt ein durchschnittliches Wachstum von etwa 5,7 Prozent pro Jahr von 2015 bis 2025 und das nominale Bruttoinlandsprodukt im gleichen Zeitraum ein durchschnittliches Wachstum von etwa 7,2 Prozent pro Jahr. Das ist ein außergewöhnlich solides Wachstum für eine Volkswirtschaft der Größe Chinas und weit entfernt von einer Krise.
Tatsächlich müssen die offiziellen BIP-Daten jedoch hinterfragt werden. So wachsen die Unternehmensgewinne in der Regel eins-zu-eins mit dem nominalen BIP. So gilt in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung folgender Zusammenhang:
BIP = Arbeitnehmerentgelte + Bruttobetriebsüberschüsse und Selbstständigeneinkommen + Produktions- und Importabgaben abzüglich Subventionen.
Die beobachtete Abweichung zwischen nominalen BIP und Gewinnen pro Aktie des CSI 300 dürfte keinesfalls auf ein sehr hohes Wachstum der Arbeitnehmerentgelte zurückzuführen sein, da die Lohndynamik in diesem Zeitraum eher schwach war.
Ein Grund für die Abweichung könnten die zahlreichen Börsengänge wenig profitabler Unternehmen gewesen sein, sowie mögliche Abschreibungen bei Unternehmen. Diese beiden Faktoren dürften jedoch nur einen kleinen Teil der Abweichung erklären.
Ein Blick auf die kaum manipulierbaren Steuereinnahmen, die bis 2015 eins-zu-eins mit dem nominalen BIP gewachsen sind, zeigt, dass wahrscheinlich die offiziellen BIP-Daten seit 2015 die tatsächliche wirtschaftliche Entwicklung in China erheblich überzeichnen.
Es ist vor allem frappierend, dass die Steuereinnahmen seit 2021 nur stagnieren.
Ein weiterer kaum manipulierbarer Indikator sind die Bankkredite. Die Bankkredite entwickelten sich von 2003 bis 2023 mehr oder weniger im Einklang mit dem nominalen BIP. In der Grafik ist ein Kreditschub im Jahr 2009 zu beobachten – ohne gleichzeitig einen Wirtschaftsboom auszulösen. Damals initiierte die chinesische Regierung einen großen fiskalischen Stimulus, um die Folgen der Finanzkrise auf die chinesische Wirtschaft abzumildern.
Gleichzeitig öffneten die Banken auf staatlichen Geheiß ihre Kreditschleusen. Ein großer Teil der Kredite floss in schon bestehende Immobilien, was einen Immobilienpreisboom auslöste, aber keinen Wirtschaftsboom. So könnte auch die von 2015 bis 2023 steigende Kreditvergabe eher die Finanzierung bestehender Vermögenswerte reflektieren und weniger die Finanzierung von wirtschaftlicher Aktivität.
Dafür spricht auch, dass das ausstehende Kreditvolumen seit Anfang 2023 um 44 Prozent gefallen ist – ein Trend, der sich sogar noch weiter fortsetzen könnte mit Blick auf die Kreditdaten diese Woche.
In den USA in der Großen Depression in den 1930er-Jahren und in Griechenland von 2010 bis 2022 ist das ausstehende Kreditvolumen jeweils um etwa 60 Prozent gefallen. Beide Länder waren von einer schweren Wirtschaftskrise mit erheblichen Rückgängen des nominalen BIP gekennzeichnet. Einen Kollaps des ausstehenden Kreditvolumens um mehr als 40 Prozent bei gleichzeitig realem Wirtschaftswachstum von um die 5,0 Prozent gab es historisch noch nie.
In der Theorie braucht China ein stärker konsumgetragenes Wachstum und keine günstigen Kredite oder neue Förderprogramme mehr. Es braucht verlässlichere Einkommen, bessere soziale Absicherung und ein Finanzsystem, das produktive Verwendung belohnt, statt bestehende Ansprüche zu konservieren. Dazu gehört auch, Verluste anzuerkennen, Konkurse und den Rückzug aus unproduktiven Investitionen zuzulassen.
Dieser Wechsel wäre zunächst schmerzhaft. Er würde etablierte Interessen treffen und könnte das ausgewiesene Wachstum belasten. Doch die Alternative ist nicht schmerzfrei. Sie verteilt die Kosten nur weniger sichtbar: auf Haushalte mit schwachen Einkommensperspektiven, auf neue Unternehmen mit erschwertem Kapitalzugang und auf Handelspartner, die zusätzliche Produktion aufnehmen sollen.
Derzeit sieht es aber nicht danach aus, als würde die chinesische Regierung eine grundsätzliche Änderung am Wirtschaftsmodell vornehmen oder den Konsum signifikant stimulieren zu wollen.
Ein „Weiter so“ würde aber die junge Generation hart treffen. Experten zufolge beträgt die geschätzte Jugendarbeitslosigkeit schon jetzt etwa 40 Prozent. Von den rund 12,7 Millionen Hochschulabsolventen in 2026 (etwa 480.000 mehr als in 2025) dürfte nahezu die Hälfte keinen Job gefunden haben.
Chinesische Kinder haben in der Regel ein unfassbar lernintensives Leben ohne viel Freizeit. Wenn dann trotz aller Härten der erhoffte hochbezahlte Job ausbleibt, entsteht Frustration. Es ist nicht auszuschließen, dass 2027 die sozialen Unruhen in China zunehmen, die aber auch dann den notwendigen wirtschaftspolitischen Kurswechsel erzwingen könnten.
Am Dienstag wird der Konsumentenpreisindex und am Freitag der Produzentenpreisindex veröffentlicht. Da im Oktober 2025 kein Preisindex veröffentlicht wurde, kann die Inflationsrate nicht berechnet werden. Die annualisierte Veränderung gegenüber vor drei Monaten könnte aber auf etwa 5,5 Prozent steigen. Der Inflationsdruck steigt somit eher und erfordert noch drei Leitzinserhöhungen bis Mitte 2027.