
5.11.2026 | Private Banking
Metzler Private Banking gibt Investment-Ausblick für 2027

Dr. Lars Other, Frank Endres, Michael Mayer und Timo Schwietering

Timo Schwietering und Frank Endres

Michael Mayer und Timo Schwietering

Frank Endres und Dr. Lars Other
„Die Weltwirtschaft bleibt auf Wachstumskurs, allerdings in einem Umfeld höherer Reibungen“, sagt Timo Schwietering, Leiter Kundenbetreuung & Akquisition bei Metzler Private Banking, bei der Vorstellung der Investmentstrategie 2027 von Metzler Private Banking. Geopolitische Spannungen, technologische Innovationen und staatliche Interventionen prägen zunehmend die Rahmenbedingungen. „Für Europa ist diese neue Realität anspruchsvoll, aber keineswegs aussichtslos. Gelingen Fortschritte bei der Vertiefung des Binnenmarktes, beim Abbau struktureller Bremsen und bei der Einführung neuer Technologien, verfügt die europäische Wirtschaft über erhebliche Potenziale, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu stärken“, so Schwietering.
„Strategische Unabhängigkeit erhöht die Resilienz, ist aber selten zum Nulltarif zu haben“, erläutert Dr. Lars Other, Makroanalyst bei Metzler Private Banking. Ausgaben für Verteidigung, Infrastruktur und widerstandsfähige Lieferketten treffen vielerorts auf angespannte Staatshaushalte. Hinzu kommen ein intensiver werdender Wettbewerb zwischen den Wirtschaftsblöcken sowie der zunehmende Konkurrenzdruck chinesischer Unternehmen in zahlreichen Branchen. Für Unternehmen und Investoren bedeutet dies ein volatileres Umfeld mit höheren Kosten, größerer Unsicherheit und stärkeren strukturellen Veränderungen.
Dem stehen jedoch erhebliche Chancen durch Künstliche Intelligenz (KI) gegenüber. „Kurzfristig erfordert die Technologie hohe Investitionen in Rechenzentren, Stromnetze und Halbleiter. Langfristig wird sie aber einen wichtigen Produktivitätsschub auslösen. Wie groß dieser ausfällt, wird sich erst mit der Zeit zeigen“, so Other. Gerade in alternden Volkswirtschaften gewinnt dies an Bedeutung, da Wachstum künftig stärker von Effizienzsteigerungen als von zusätzlichen Arbeitskräften abhängen wird. Damit dürfte die Fähigkeit, KI erfolgreich in die Breite der Wirtschaft zu tragen, zu einem zentralen Faktor für Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand werden.
„Am Anleihemarkt ist ein regelrechter Kampf ums Kapital entbrannt. Der Finanzierungsbedarf von Staaten und Unternehmen ist stark gestiegen, während Notenbanken sich als große Käufer der vergangenen Jahre weitgehend zurückgezogen haben“, sagt Michael Mayer, Leiter Strategie & Research bei Metzler Private Banking. Für Investoren ergeben sich dadurch Chancen, denn der hohe Kapitalbedarf geht mit steigenden Renditen einher, die in den vergangenen Quartalen überwiegend auf einen Anstieg der Realzinsen zurückzuführen waren. „Im Anleiheportfolio achten wir auf eine hohe Bonität und mittlere Laufzeiten, um Ertragschancen und Zinsänderungsrisiken auszubalancieren“, erläutert Mayer.

„Am Aktienmarkt steht derzeit vor allem die Frage im Mittelpunkt, wie lange die Begeisterung für Künstliche Intelligenz die Kurse weiter nach oben treiben kann“, sagt Mayer. Für den US-Markt ist das besonders relevant, da mittlerweile mehr als die Hälfte der Marktkapitalisierung auf Technologiewerte entfällt. Frühere Innovationszyklen haben gezeigt, dass die positive Kursdynamik von Technologiepionieren häufig nicht von Dauer war. Hohe Investitionen, zunehmender Wettbewerb und sinkende Preise schmälerten deren Ertragskraft. In den kommenden Jahren richtet sich der Blick daher weniger auf die Anbieter von KI als vielmehr auf Unternehmen, denen die Integration von KI in ihre Geschäftsmodelle besonders gut gelingt. „Für Anleger wird entscheidend sein, ihr Portfolio so aufzustellen, dass es von unterschiedlichen Entwicklungen profitieren kann, statt auf einen einzigen Ausgang zu setzen“, erläutert Mayer.
„Vor dem Hintergrund unseres Auftrags, Vermögen über Generationen hinweg zu erhalten, messen wir der Diversifikation eine hohe Bedeutung bei“, sagt Frank Endres, Leiter Portfoliomanagement bei Metzler Private Banking. „Risikostreuung bedeutet dabei aber mehr, als lediglich viele Einzeltitel zu halten: Wir achten auf unterschiedliche Faktoren wie Regionen, Branchen, Geschäftsmodelle und Anlagestile.“ Im Aktienportfolio von Metzler Private Banking entfallen rund 55 Prozent auf Europa, 40 Prozent auf die USA und 5 Prozent auf Asien. Schwerpunkte liegen bei Technologie, Finanzen und Industrie, ergänzt um defensive Sektoren wie Gesundheit und Basiskonsum. „Darüber hinaus achten wir generell auf eine hohe durchschnittliche Bilanz- und Ertragsqualität“, so Endres.