
03.09.2026 | Bankhaus
Herr Wiesheu, die meisten Banken sind blau, rot oder gelb. Sie werden jetzt olivgrün. Die Farbe kennt man eher von der Bundeswehr als aus dem Bankenviertel.
Da war ich zwar, aber das ist nicht der Grund. (lacht) Wir haben uns bewusst für etwas anderes entschieden. Unsere bisherige Farbe Blau steht für das Rationale. Wir sind natürlich weiter rational, aber Menschlichkeit ist bei uns ein ganz wichtiger Wert. Die spiegelt sich in diesem neuen Ton am besten wider.
Das müssen Sie erklären.
Grün ist die Hoffnung. Hoffnung heißt für mich, dass man den Menschen in den Fokus stellt, mit all seiner Vielseitigkeit. Grün steht auch für langfristiges Wachstum, die Umwelt und für die Gesellschaft. Dazu haben wir immer beigetragen, lange bevor es das Wort ESG gab. Und Grün ist eine zutiefst menschliche Farbe. Menschlichkeit ist einer unserer drei Unternehmenswerte, mit dem unsere Kundinnen und Kunden uns sehr stark verbinden.
Immerhin: Sie selbst tragen weiter blau.
Ja, und das blaue Sofa im Foyer bleibt auch blau. Die Bilder malen wir auch nicht um, so weit geht es nicht. Aber in den Büros wird sich nach und nach etwas ändern, und die Homepage erscheint im neuen Auftritt.
Warum braucht eine über 350 Jahre alte Bank überhaupt ein neues Gesicht?
Wir haben 2023 unsere Strategie neu definiert und uns seitdem gut entwickelt. Diese Weiterentwicklung wollen wir auch in der Marke ausdrücken. Der Relaunch ist keine Neuerfindung, sondern zeigt deutlicher, was Metzler im Kern ausmacht. Es geht darum, dass wir Wert für Menschen schaffen, die Wertvolles schaffen – für Generationen. Unser Unternehmergeist, unsere Menschlichkeit und die Unabhängigkeit bleiben gleich, aber das Gewand ändert sich.
Wir mussten uns erst einmal daran gewöhnen.
Das ist sogar ein bisschen gewollt. Wir machen nicht das Blau ein bisschen heller und die Schrift ein bisschen runder. Es ist ein großer Sprung, mutig nach vorne. Sonst hätten wir es nicht machen müssen.
Wer hat den Sprung angestoßen?
Das war die neue Generation. Elena und Franz haben den Ausschlag gegeben.
Sie meinen die beiden Familienmitglieder der zwölften Generation, die seit einigen Jahren in der Bank arbeiten.
Genau. Für die beiden ist das ja der Auftritt für die nächsten Jahrzehnte. Sie gestalten diesen Wandel. Das sind Persönlichkeiten mit Drive, keine Erbengeneration, die etwas bekommt und sagt, oh schön, schick. Nein, beide nehmen die große Verantwortung an und leben sie auch.
Ihr neues Logo ist der Schriftzug Metzler als Unterschrift. Von wem?
Von der ganzen Familie, könnte man sagen. Wir haben die Unterschriften der Familienmitglieder aus den letzten Jahrhunderten herausgesucht, von Inhabern und Gesellschaftern, Experten haben daraus diese Unterschrift geschaffen. Sie ist sehr nah an der von Friedrich von Metzler, aber es ist auch einiges von den Vorfahren drin. Die Botschaft ist: Wir sind keine anonyme Bank. Es steht ein Mensch hinter der Bank.
Die Unterschriften von Elena und Franz fehlen?
Die haben wir bewusst nicht hineingenommen. Das war sogar mal ein Vorschlag, aber der ist sofort von beiden abgelehnt worden. Da spielt die Demut vor der Leistung der Vorgänger eine große Rolle und sich selbst nicht so wichtig zu nehmen. Für sie steht das Bankhaus im Mittelpunkt.
Die Unterschrift endet mit einem geschwungenen Punkt, der an ein Unendlichkeitszeichen erinnert.
Der soll unseren Charakter zeigen, dass wir zum Punkt kommen. Dass wir Dinge abschließen und nichts im Sand verläuft. Der Punkt macht die Unterschrift zu einem Statement.
Die Deutsche Bank arbeitete auch mal mit einer Unterschrift, „Passion to Perform". Und Berenberg trägt wie Metzler den Namen der Gründerfamilie im Schriftzug.
Das stimmt, aber hinter unserer Unterschrift steht die Gründerfamilie, die unser Bankhaus seit Jahrhunderten ununterbrochen im Eigentum hat, und mit ihr alle, die hier arbeiten – in leichten wie in schwierigen Zeiten. Für mich ist unsere Unterschrift deswegen in der deutschen Bankenwelt durchaus etwas Besonderes. Bei anderen Häusern führt die Gründerfamilie das Unternehmen hingegen schon lange nicht mehr.
Bleiben wir bei Berenberg. Die Hamburger haben in ihrem neuen Markenauftritt das Wappen behalten. Im Metzler-Logo fehlt es.
Das Familienwappen war noch nie Bestandteil unseres Logos. Wir haben noch einmal ganz kurz darüber diskutiert, uns aber sehr schnell dagegen entschieden. Wir wollen unsere Marke so darstellen, wie wir uns auch im Geschäft zeigen und wahrgenommen werden: ganz nahbar, sehr persönlich und immer auf Augenhöhe.
Neuer Auftritt, neue Generation im Haus, und im Februar werden Sie 65.
In Japan bin ich damit noch ein Jungspund. (lacht) Aber es stimmt schon, es fügt sich gerade einiges. Wir haben langfristige Nachfolgepläne, das zeichnet das Haus aus. Wir haben ein Datum ins Auge gefasst, aber beide Seiten sind flexibel. Dass es kommt, ist ganz sicher.
Nach zwei familienfremden Vorstandssprechern stünde mit Franz dann wieder ein Metzler an der Spitze. Die Unterschrift im Logo wäre wörtlich zu nehmen.
Ja, das stimmt. Und ich freue mich, dass wir in der Familie jemanden haben, der es kann und der es auch machen könnte. Der die Verantwortung wirklich übernimmt und die Kraft hat, die Bank weiter nach vorne zu entwickeln. Bei Familienunternehmen ist die Auswahl oft nicht groß. Wir haben großes Glück, dass das bei uns anders ist.
Wann ist es so weit?
Mein Vorgänger hat es bis 66 gemacht, andere im Haus haben bis 70 gearbeitet. Wir sind nicht börsennotiert und können solche Dinge in Ruhe besprechen. Wenn die Zeit reif ist, setzen wir es um. Ein paar Jährchen machen wir es noch.
Das Interview erschien am 3.9.2026 im PLATOW-Brief.