
02.09.2026 | horizont.net

Nach Jahrzehnten verabschiedet sich das Bankhaus Metzler von seinem bisherigen Markenauftritt. Künftig tritt Deutschlands älteste Privatbank mit einem handschriftlichen Logo auf, das aus historischen Unterschriften der Eigentümerfamilie entwickelt wurde.
Das neue Logo steht im Zentrum des Relaunches. Statt eines sachlichen, geometrisch wirkenden Schriftzugs setzt Metzler künftig auf eine markante Handschrift. Die Gestaltung basiert auf Originalunterschriften aus den Archiven der Familie Metzler. Seit mehr als 350 Jahren befindet sich das Bankhaus ununterbrochen im Besitz der Familie Metzler", sagt Frank Dopheide, Gründer der Beratung Human Unlimited. "Deshalb sieht das neue Logo jetzt aus wie eine Handschrift. Ist sie auch. Aus ganz unterschiedlichen Handschriften der Metzlers zusammengebaut." Der markante Punkt hinter dem Namen symbolisiere Verantwortung und Verbindlichkeit. Soll heißen: "Dafür stehen wir mit unserem Namen. Und Punkt."
Gleichzeitig ersetzt das Institut seine traditionelle blaue Farbwelt durch Grün, führt eine neue Bildsprache ein, entwickelt eine neue Tonalität und stellt seine Website komplett neu auf. Dass eine Privatbank nach mehreren Jahrzehnten ihr Logo, ihre Hauptfarbe und ihre gesamte visuelle Identität austauscht, ist ungewöhnlich. Noch ungewöhnlicher ist dies bei einem Institut, das seit zwölf Generationen in Familienbesitz ist. Gerade deshalb betonen die Verantwortlichen immer wieder, dass dem Schritt keine kosmetische Überarbeitung zugrunde liegt, sondern ein längerer Prozess der Selbstbefragung.
Für Stefanie Buchmann, Vorständin des Bankhauses Metzler, begann dieser Prozess mit der Erkenntnis, dass sich Unternehmen und Marke auseinanderentwickelt hatten. "Für mich war das von Anfang an eine Investition", sagt sie. "Das Unternehmen hat sich verändert, die Marke aber nicht im gleichen Maß. Wir wollten dafür sorgen, dass unser Außenauftritt zu dem passt, was Metzler heute ist", sagt sie.

Metzler-Vorständin Stefanie Buchmann
Der Ausgangspunkt für die Überlegungen lag im Jubiläumsjahr 2024. Unter dem Motto "350 Jahre Metzler. Aus Richtung Zukunft." bereiste die Bank ihre Standorte in Deutschland und Japan. In zahlreichen Gesprächen mit Kunden, Unternehmern und Mitarbeitenden diskutierten Vertreter der Eigentümerfamilie über Zukunftsfragen und die Rolle der Bank. Dabei zeigte sich ein wiederkehrendes Muster: Die Art, wie Kunden und Mitarbeiter über Metzler sprachen, unterschied sich deutlich von der Art, wie die Marke visuell auftrat.
"Niemand sagte, unsere Marke sei schlecht", erinnert sich Buchmann. "Aber viele sagten: Da steckt mehr drin. Die Welt hat sich verändert. Die Kommunikationskanäle haben sich verändert. Die Bildwelten haben sich verändert. Und irgendwann wurde uns klar, dass unsere Marke nicht mehr vollständig widerspiegelt, wer wir heute sind."
Ende 2024 fiel deshalb die Entscheidung, die Marke grundlegend zu überprüfen und neu auszurichten. Bei der Auswahl der Agentur ging Metzler einen ungewöhnlichen Weg. Während konkurrierende Agenturen bereits mit fertigen Entwürfen auftraten, präsentierte Dopheide zunächst keine einzige gestalterische Idee. Sein Ansatz: erst verstehen, dann gestalten.
"Uns fehlte nicht ein neues Logo. Uns fehlte nicht eine neue Farbe. Uns fehlte die Antwort auf die Frage: Wer sind wir heute? Warum tun wir, was wir tun? Was wollen wir ausstrahlen?", sagt Buchmann. "Als wir diesen Prozess gestartet hatten, entstand daraus fast zwangsläufig eine deutlich größere Veränderung als ursprünglich geplant."
Dopheide begann seine Arbeit mit Gesprächen. Kunden, Mitarbeitende, Führungskräfte und Eigentümer wurden nach ihren Erfahrungen mit Metzler befragt. "Wir haben immer dieselben Dinge gefragt", erinnert sich Dopheide. "Was ist das Allertollste an Metzler? Wann läuft Metzler eigentlich zur Hochform auf? Was kann Metzler nicht so toll?" Aus den Antworten sei allmählich ein konsistentes Bild entstanden. "Dann weißt du, dass es wahrhaftig ist. Das ist so etwas wie die DNA."

Die Analyse förderte drei Werte zutage, die nach Ansicht der Beteiligten über Jahrzehnte hinweg konstant geblieben sind: Menschlichkeit, Unabhängigkeit und Unternehmergeist. Daraus entstand ein neues Narrativ, das künftig die Grundlage der gesamten Kommunikation bilden soll.
Im Mittelpunkt steht die Formel vom "menschlichen Vermögen". Der Begriff soll bewusst über die finanzielle Bedeutung hinausgehen. "Vermögen ist keine Zahl. Vermögen ist eine menschliche Qualität", heißt es im neuen Selbstverständnis der Bank. Es gehe um Fähigkeiten, Erfahrung, Urteilsvermögen, Intuition und die Fähigkeit, Zukunft zu gestalten.
Gerade die Menschlichkeit sieht Buchmann als Differenzierungsmerkmal der Privatbank. "Für uns ist ein Kunde nicht einfach ein Depot oder ein Vermögen. Er ist ein Mensch mit Nachfolgefragen, familiären Themen, unternehmerischen Herausforderungen und persönlichen Zielen", sagt sie. "Genau darin liegt für mich ein zentrales Unterscheidungsmerkmal."
Für Dopheide war dieser Gedanke zugleich die Grundlage des neuen Erscheinungsbildes. Das bisherige Logo transportiere diese Werte nicht. "Wo ist denn das Menschliche?", fragt er rückblickend. "Das Logo ruft die falschen Assoziationen hervor. Das, was die Marke in sich trägt, wird dadurch nicht spürbar."

Frank Dopheide ist Gründer von Human Unlimited
Neben dem Schriftzug wechselt Metzler deshalb auch die Farbe. Jahrzehntelang dominierte Blau die Kommunikation der Frankfurter Privatbank. Künftig wird Grün zur Leitfarbe. Die Entscheidung ist bewusst gegen Branchencodes gerichtet. Während Blau für Seriosität und Funktionalität steht, soll Grün Lebendigkeit, Wachstum und Menschlichkeit transportieren.
Auch die Bildsprache wird neu gedacht. Viele Banken kommunizierten über dieselben Motive, kritisiert Dopheide: Hochhäuser, Börsencharts, Konferenzräume oder symbolische Handschläge. "Wenn du ein Logo zuhältst, kannst du kein Bild zu einer Marke zuordnen", sagt er. Genau diese Austauschbarkeit wolle Metzler vermeiden.
Künftig sollen vielmehr echte Alltagssituationen von Unternehmern und Unternehmerfamilien gezeigt werden: Gebrauchsspuren statt Hochglanzästhetik, Begegnungen statt Posen, Persönlichkeit statt Perfektion. Die neue Markenwelt soll zeigen, wie Menschen tatsächlich Entscheidungen treffen, Unternehmen führen und Vermögen gestalten.
Der Relaunch endet dabei nicht bei Logo und Bildsprache. Parallel entwickelt Metzler eine neue Sprache. Die Kommunikation soll verständlicher, direkter und persönlicher werden. Gleichzeitig wird die Website modernisiert.
Intern läuft die Umsetzung auf Hochtouren. Nach Angaben des Instituts beschäftigen sich sämtliche Bereiche mit der Frage, was das neue Narrativ für ihre tägliche Arbeit bedeutet. Workshops, Intranet-Formate und Schulungen sollen den Wandel begleiten. Dabei setzt die Bank bewusst auf einen langfristigen Prozess statt auf einen einmaligen Launch-Moment.
Sichtbar werden soll der neue Auftritt am 2. September. Dann geht die neue Website online, gleichzeitig feiert die Bank den Relaunch mit einem internen Markenfest. Der Schritt soll zeigen, dass ein 352 Jahre altes Institut seine Identität nicht allein aus der Vergangenheit bezieht, sondern aus der Fähigkeit, sie immer wieder neu zu interpretieren.
Der Artikel erschien am 2.9.2026 auf horizont.net.