Cookies

We use cookies in order to provide you with an optimal website experience. These include cookies that are technically or legally necessary for operating our site and controlling our commercial business objectives as well as cookies that are used for anonymous statistical purposes, monitoring comfort settings or displaying personalized content. The decision as to which types of cookies to allow is up to you. Please note that, based on your settings, some features of our website might not be accessible for you. For more information, see Details and Settings.

 

These cookies are absolutely vital for operating our site. They are required for security reasons or are necessary from a legal point of view.
*They cannot be deactivated.

In order to improve our website for you further, we collect anonymous data for statistical and analytical purposes.

These cookies are intended to facilitate use of our website for you. Your settings can be saved for 30 days.

Gastbeitrag in der Devisenwoche Nr. 166 - Börsen-Zeitung - 2.9.2021 - Sebastian Sachs

Chinesische Geldpolitik als Risiko für den Yuan

The article is not available in the chosen language und will therefore be displayed in the default language.

Es ist noch gar nicht so lange her, da haben wir bewundernd nach China geschaut. Es beeindruckte, wie schnell das Land (vermeintlich) Covid-19 hinter sich lassen und gleichzeitig eine imposante Konjunkturerholung vorweisen konnte. Doch der Blick auf das Riesenreich ist mittlerweile ein anderer. Die Regierung muss sich mit vielfältigen Problemen auseinandersetzen. Gleichzeitig versucht sie, schärfer zu regulieren. Auch die Zentralbank ist hin- und hergerissen, ob weiterhin eine expansive Ausrichtung angesagt ist oder besser etwas mehr Vorsicht. Bei all den Herausforderungen müssen immer auch (oder vor allem) die Interessen internationaler Investoren im Blick behalten werden. Die chinesische Währung hat auf die jüngsten Entwicklungen bereits reagiert; der Yuan steht mittlerweile wieder deutlich über dem markanten Zwischentief bei rund 6,35 Yuan je Dollar von Anfang Juni. Weitere Verluste des Yuan sind nicht auszuschließen. Dies dürfte sich auch negativ auf die Währungen von Australien und Neuseeland auswirken, die bekanntermaßen stark an der Entwicklung Chinas hängen. Nicht zuletzt wird China mehr und mehr neben den USA zur globalen Wachstumslokomotive stilisiert. Somit dürfte ein zu starkes Auseinanderlaufen der geldpolitischen Ausrichtung von Fed und People's Bank of China (PBoC) für hohe Aufmerksamkeit sorgen.

Die Entwicklung des Yuan ist beeindruckend. In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres gingen die Notierungen von knapp 7,20 auf rund 6,50 Yuan zurück. Anfang Juni 2021 wurde das besagte Tief bei 6,35 Yuan erreicht - der niedrigste Stand seit Mai/Juni 2018. Nicht wenige Marktteilnehmer gingen zu diesem Zeitpunkt davon aus, dass das Momentum der starken Yuan-Aufwertung noch weiter trägt. Doch dann kam erste Nervosität auf, als die chinesische Regierung unerwartet strikte Regulierungen für Bildungs- und Technologieunternehmen in Kraft setzte. Seit diesem Zeitpunkt ist - zumindest kurzfristig - die Marke von 6,50 Yuan ein erster Widerstand für den Dollar geworden, dessen nachhaltiges Durchbrechen durchaus stärkeres Negativpotenzial für den Yuan bedeuten würde.

 

Negativer Mix

Der negative Mix aus Meldungen über neue regulatorische Entwicklungen bei gleichzeitiger Gefahr einer deutlicheren Abschwächung der Konjunktur verstärkt das negative Sentiment. Vor dem Hintergrund der momentan etwas unübersichtlichen Lage kündigte jüngst auch die US-Börsenaufsicht SEC an, Börsengänge chinesischer Unternehmen auf absehbare Zeit nicht zu genehmigen. Chinesische Unternehmen hätten zukünftig neue Pflichten zur Offenlegung von Risiken zu erfüllen, die für internationale Anleger aufgrund der jüngsten staatlichen Eingriffe entstehen würden. Auch das keine Meldung, die Grundvertrauen zurückbringt.

Die in den vergangenen Wochen publizierten Konjunkturzahlen aus China deuten in der Mehrzahl ebenfalls darauf hin, dass sich die jüngste Schwächephase noch einige Zeit hinziehen könnte. Die heute zur Veröffentlichung anstehenden Einkaufsmanagerindizes dürften den Trend abermals bestätigen, auch wenn die Zahlen im expansiven Bereich bleiben sollten. Die Zentralbank des Landes ist auf jeden Fall alarmiert. Erst im Juli senkte sie den Mindestreservesatz um 50 Basispunkte. Außerdem wurde im Rahmen der Offenmarktgeschäfte seit März kontinuierlich Liquidität zugeführt, um Fälligkeiten auszugleichen.

In der vergangenen Woche haben die Währungshüter die kurzfristigen Geldspritzen für das Finanzsystem dann nochmals erhöht, um die Bedenken der Märkte angesichts steigender Refinanzierungskosten zu zerstreuen. Die PBoC stellte am Mittwoch 50 Mrd. Yuan (7,7 Mrd. USD) an Liquidität über siebentägige Reverse Repos zur Verfügung. Dies führte zu einer Nettozuführung von 40 Mrd. Yuan, dem höchsten Betrag seit Februar 2021.

Es besteht somit sogar die Möglichkeit, dass Peking den Leitzins in diesem Jahr senkt, um das generelle Zinsniveau weiter zu reduzieren. Die jüngste Finanzspritze ist zudem ein weiterer wichtiger Hinweis darauf, dass die PBoC die aktuellen Marktbedingungen genau beobachtet - vor allem vor dem Hintergrund der sich verschlechternden Konjunkturdaten und immer neuer lokaler Corona-Ausbrüche.

Es gibt unserer Einschätzung nach allerdings keine Anzeichen dafür, dass die PBoC die Geldpolitik in großem Stil lockern wird, auch wenn sich das Wachstum in China im zweiten Halbjahr deutlicher abschwächen dürfte. In einer vergangene Woche veröffentlichten Erklärung versprach der Chef der Zentralbank, das Kreditangebot zu stabilisieren und die Geldmenge zur Unterstützung kleinerer Unternehmen und der Realwirtschaft zu erhöhen. China wirbt für einen sogenannten "kreuzzyklischen" Ansatz, der laut Regierungsberatern bedeutet, dass Maßnahmen früher, in kleineren Schritten und mit einem längeren Zeithorizont ergriffen werden.

Doch trotz allem wird die PBoC nicht umhinkommen, auch die Geldpolitik der Fed im Auge zu behalten. Durch die partielle Öffnung des chinesischen Finanzsektors und die beeindruckende konjunkturelle Performance trotz/nach der Coronakrise wurde ein enormer Zustrom globalen Kapitals in die chinesischen Asset-Märkte ausgelöst. Doch diese Flut ausländischer Gelder hat die Interdependenz der Geldpolitik in den beiden größten Volkswirtschaften der Welt massiv erhöht. Und die Kapitalströme könnten sich schnell umkehren, sollten die Anleger zu dem Schluss kommen, dass in den USA wieder höhere Renditen zu erzielen sind. Kapitalabflüsse durch Erlasse zu begrenzen oder gar Verbote auszusprechen, dürfte aktuell selbst für die Chinesen nicht mehr in Frage kommen.

Angesichts des nachlassenden Wirtschaftswachstums in der Volksrepublik muss aber wohl davon ausgegangen werden, dass die chinesische Geldpolitik absehbar von der amerikanischen abweicht - selbst wenn die Fed nicht so schnell wie erwartet restriktiver wird. Die hieraus folgende Verringerung des Zinsgefälles dürfte die Kapitalflüsse nach China verlangsamen oder gar umkehren. Und die Währung? Die in einem solchen Szenario zu erwartende Abwertung des Yuan wäre riskant, da sich der Druck auf die chinesischen Unternehmen erhöhen würde, und die sind ohnehin schon mit hohen Dollar-Krediten belastet. Auf der anderen Seite liegt der Yuan seit den markanten Tiefs gegen den Dollar noch immer rund 10 % höher. Ein gewisser Puffer bleibt der PBoC also noch - doch sollten alle weiteren Schritte wohlüberlegt sein.


Börsen-Zeitung, 31.08.2021, Autor Sebastian Sachs, Nummer 166, Seite 13

Sebastian Sachs ist Stratege im Bereich Capital Markets mit Schwerpunkt in der Analyse der Anleihe-, Devisen- und Rohstoffmärkte.
Sebastian Sachs

Financial Analyst FI/FX , Metzler Capital Markets

Sebastian Sachs joined Metzler in 2011. He is a strategist in our core area Metzler Capital Markets and focuses on the analysis of fixed income, forex and commodity markets. Prior to joining Metzler, Mr. Sachs worked as a covered bonds analyst for DZ Bank in Frankfurt/Main from 2006 to 2011, as a financial markets journalist for Financial Times Deutschland in Frankfurt/Main from 2000 to 2005, and as an analyst for sovereign bonds for Dresdner Kleinwort Benson in Frankfurt/Main from 1998 to 2000. He also worked for a short time for MTS Germany in Frankfurt/Main and Berenberg Bank in Düsseldorf. Mr. Sachs received a degree in economics from Goethe University in Frankfurt/Main with a focus on financial economics, public finance, foreign exchange and money management.
 

More articles