Zurück im Risk-on-Umfeld – Erholung nach der Entspannung bei den Energiepreisen
The article is not available in the chosen language und will therefore be displayed in the default language.
Trotz der jüngsten Eskalation im Konflikt zwischen dem Iran und den USA zeigen sich die globalen Energiemärkte relativ entspannt und der Preis für ein Barrel Erdöl der Sorte Brent notiert inzwischen wieder deutlich unter 100 US-Dollar. Investoren reagierten entsprechend erleichtert und die globalen Aktienindizes markierten neue Jahreshöchststände. In unserem Basisszenario erwarten wir weiteres Aufwärtspotenzial an den globalen Aktienmärkten, die von robusten Zuwächsen bei den Unternehmensgewinnen getragen werden. Dabei sollten trotz des temporären Anstiegs der Energiepreise keine erheblichen Auswirkungen auf die Preisstabilität auftreten, welche eine zu restriktive Geldpolitik erfordern würden. Außerdem sollte sich die globale Konjunktur auch im Kontext geopolitischer Spannungen resilient entwickeln und der KI-Boom kein abruptes Ende finden.
Ähnliche Kursbewegungen wie im Jahr 2022
Die aktuelle Situation weist Ähnlichkeiten zum Jahr 2022 auf. Damals stiegen die Energiepreise infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine zunächst deutlich an und entspannten sich dann im weiteren Jahresverlauf. Ängste über eine deutlich anziehende Inflation und der daraus resultierenden Notwendigkeit von Zinserhöhungen durch die Zentralbanken, die die globale Konjunktur belasten könnten, wurden schnell wieder ausgepreist.
Vor diesem Hintergrund liegt ein Vergleich nahe mit der Erholung am Aktienmarkt im vierten Quartal 2022 und ersten Quartal 2023. In dieser Periode stiegen die wichtigsten globalen Aktienmärkte deutlich an und konnten die Verluste aus den Vorquartalen größtenteils wettmachen, insbesondere in Europa. So stieg der MSCI World Index 6,6 Prozent (in Euro), der MSCI Europe Index legte sogar um 19 Prozent zu.
Dabei zeichnete sich auf Sektorenebene ein ähnliches Bild auf beiden Seiten des Atlantiks ab. Halbleiterwerte zählten im Risk-on-Umfeld zu den gefragtesten Titeln. Auch Konsum- und insbesondere Luftfahrtaktien erholten sich deutlich. Finanzwerte behaupteten sich solide, da sie im vollen Maße von den deutlich gestiegenen Zinsen profitierten und signifikante Kreditausfälle ausblieben. Der Energiesektor entwickelte sich unterdurchschnittlich, konnte aber dennoch Kursgewinne verzeichnen. Auf der Gegenseite standen vor allem Zinsverlierer, insbesondere Immobilienaktien. Defensive Sektoren wie Nahrungsmittel, Einzelhandel oder Gesundheit zählten ebenso zu den Verlierern.
Investmentchancen bei Gewinnern struktureller Trends
In einem solchen Umfeld ist es umso wichtiger, Aktien zu identifizieren, die von langfristigen strukturellen Trends profitieren und unabhängig von Konjunktur- oder Zinsentwicklungen wachsen. Im zweiten Quartal 2026 konnten einige dieser Trendthemen den breiten Aktienmarkt, gemessen am MSCI World Index, deutlich übertreffen. Insbesondere das Thema KI-Infrastruktur war stark nachgefragt, zumal die Investitionspläne in weitere Rechenzentren bekräftigt und ausgeweitet wurden. Trotz der Beruhigung bei den Öl- und Gaspreisen blieb das Interesse der Anleger an den erneuerbaren Energien unverändert hoch, denn eine resilientere Energieversorgung bleibt im Fokus. Pharmawerte blieben deutliche Underperformer und in diesem Sektor sehen wir selektiv Aufholpotenzial nach der zuletzt unterdurchschnittlichen Entwicklung. Interessante Investitionsmöglichkeiten bietet aus unserer Sicht aktuell auch das Segment der zivilen Luftfahrt. Hier trifft ein robustes Passagierwachstum auf eine stark konzentrierte Wertschöpfungskette mit hohen Eintrittsbarrieren, zum Beispiel im Subsektor der Flugzeugturbinenhersteller.