Kippt der US-Arbeitsmarkt?
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Die Beschäftigung als Rezessionsindikator
Die Dynamik der Beschäftigung in den USA hat sich zuletzt deutlich abgeschwächt. Im Mai und Juni betrug die Zahl der neugeschaffenen Stellen sogar weniger als 20.000.
Im vergangenen Jahr gab es noch sehr viel Diskussionen um die Sahm-Regel. Die Sahm-Regel besagt: Wenn der gleitende Dreimonatsdurchschnitt der Arbeitslosenquote um mindestens 0,5 Prozentpunkte über dem Tiefstand der vergangenen 12 Monate liegt, signalisiert das den Beginn einer Rezession. Im Juli 2024 wurde der kritische Wert knapp überstiegen, sodass in den Sommermonaten über eine US-Rezession diskutiert wurde. Diese Diskussionen war wahrscheinlich auch ein Grund dafür, dass die US-Notenbank im September 2024 einen großen Schritt von 50 Basispunkten machte. Im Nachhinein lieferte die Sahm-Regel jedoch ein Fehlsignal und das Wirtschaftswachstum blieb robust.
Derzeit wird diskutiert, ob eine Kombination aus sinkender Beschäftigung bei gleichzeitig steigender Arbeitslosenquote nicht ein besserer Rezessionsindikator ist. Daher wird sich der Fokus in der kommenden Woche am Freitag auf beide Größen richten.
Quellen: U.S. Bureau of Labour Statistics, Metzler; Stand: 31.7.2025
Die stetige Verlangsamung des Beschäftigungswachstums in den vergangenen Jahren bis nur noch knapp über die Nulllinie zeigt, dass das Rezessionsrisiko ungewöhnlich hoch ist. In normalen Zeiten besteht eine Wahrscheinlichkeit von 15 Prozent für eine Rezession über zwölf Monate – derzeit sehen wir die Wahrscheinlichkeit eher bei 30 Prozent. Der KI-Boom verhindert bisher aber, dass die wachstumsschädliche Handels- und Einwanderungspolitik einen merklichen Konjunkturabschwung verursachte. Mit Blick in die Zukunft könnte aber ein Risiko für den Arbeitsmarkt vom Bausektor kommen. Trotz der Krise am Wohnungsbau stieg die Beschäftigung im Bau bis Juli immer noch an. Damit besteht das Risiko, dass es bald zu größeren Entlassungen kommen könnte – mit negativen Auswirkungen auf den gesamten Arbeitsmarkt. Am Mittwoch wird noch die Zahl der offenen Stellen veröffentlicht. Die Daten zum Arbeitsmarkt werden maßgeblich für die nächste US-Notenbanksitzung sein. Nur ein ungewöhnlich starker Arbeitsmarktbericht dürfte die US-Notenbank von einer Leitzinssenkung abhalten. Sollte der Arbeitsmarktbericht überraschend schwach ausfallen, wäre sogar ein Schritt von 50 Basispunkten denkbar.
Frankreich: Ernst aber nicht hoffnungslos
Die politische Unsicherheit in Frankreich bleibt hoch. Premierminister Bayrou droht an der Vertrauensfrage am 8. September zu scheitern. Für die Finanzmärkte steht damit weniger die Frage nach der unmittelbaren Regierungsmehrheit im Vordergrund, sondern vielmehr die fiskalische Ausrichtung künftiger Kabinette. Es ist zu befürchten, dass die ursprünglichen Konsolidierungspläne Bayrous für 2026 mit einem Haushaltsdefizit von 4,6 Prozent des BIP nicht erreicht werden, sondern ein Defizit von rund 5,3 Prozent des BIP droht.
An den Anleihemärkten hat sich das politische Risiko bereits niedergeschlagen: Die Spreads französischer Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen haben sich nach der Ankündigung der Vertrauensabstimmung um rund 10 Basispunkte auf etwa 80 Bp ausgeweitet. Das liegt zwar unter den Niveaus der politischen Spannungen zu Jahresbeginn, signalisiert aber eine Neubewertung der Risikoprämie. Sollte es Präsident Macron gelingen, einen neuen Premierminister zu finden, könnte sich der Anleihemarkt wieder beruhigen (Wahrscheinlichkeit 30 Prozent). Sollten jedoch Neuwahlen im Oktober stattfinden müssen (Wahrscheinlichkeit 70 Prozent), hängt es vom Wahlausgang ab. Sollte es eine linke Mehrheit geben, droht eine kräftige Ausweitung des Spreads, sollte aber die Rassemblement National gewinnen, besteht eine große Unsicherheit über die Reaktion der Finanzmärkte. Nur eine Regierung der Mitte würde dann die Finanzmärkte beruhigen können.
Für Investoren bleibt Frankreich damit ein idiosynkratisches Risiko. Ein systemischer Ansteckungseffekt auf die Euro-Peripherie wird derzeit nicht erwartet. Rating-agenturen – Fitch prüft Frankreich bereits im September – dürften vorerst abwarten, bis Klarheit über Budget und politische Stabilität besteht. Ein Downgrade erscheint kurzfristig nicht als Basisszenario, könnte aber im Fall politischer Eskalation zusätzlichen Druck erzeugen.
Immerhin könnte ein konjunktureller Aufschwung die Finanzlage Frankreichs verbessern. Daten wie die Einkaufsmanagerindizes am Montag und Mittwoch dürften immerhin schon einmal eine Verbesserung signalisieren. Auch der Arbeitsmarkt (Montag) dürfte stark bleiben und für ein gutes Steuereinkommen sorgen. Darüber hinaus rechnen wir zwar mit einem Anstieg der Inflation auf 2,1 Prozent im August, aber mit einem Rückgang der Kerninflation auf 2,2 Prozent. Die Inflation in der Eurozone ist erfreulich niedrig und könnte sogar bald unter 2,0 Prozent fallen. Damit besteht immer noch eine signifikante Wahrscheinlichkeit für eine Leitzinssenkung in diesem Jahr.
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