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Werbeinformation der Metzler Asset Management GmbH - 24.4.2026 - Edgar Walk

Wie riskant sind die USA für deutsche Anleger?

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In den vergangenen Wochen habe ich sehr viele Fragen über das Risiko von Anleihe- und Aktienanlagen in den USA für deutsche Anleger bekommen. Ich habe deshalb eine Übersicht der Fragen und meiner Antworten erstellt – was aktuell sehr gut passt vor dem Hintergrund der Notenbanksitzung der Fed kommende Woche.

Driften die USA in Richtung Autoritarismus - und steht dabei der Rechtsstaat auf dem Spiel?

Die amerikanische Demokratie steht zweifellos unter erheblichem Druck. Die institutionellen Spannungen haben zugenommen, während der Kongress bislang nur begrenzt als wirksames Gegengewicht zur Exekutive auftritt.

Gleichwohl gibt es bislang weiterhin Hinweise darauf, dass die zentralen Pfeiler des Systems tragen: Das Verfassungsgericht hat Trumps globale Zölle im Februar 2026 für rechtswidrig erklärt und damit gezeigt, dass institutionelle Gegenkräfte weiterhin wirken. Gleichzeitig verfolgt Trump eine ausgesprochen wirtschaftsfreundliche Agenda, die auf Deregulierung, unternehmerische Freiräume und marktnahe Impulse setzt – bislang im Rahmen der bestehenden Rechtsordnung.

Hinzu kommt, dass das Weiße Haus sensibel auf negative Signale der Finanzmärkte reagiert. Gerade diese Abhängigkeit von Marktvertrauen setzt einer weitergehenden Aushöhlung rechtsstaatlicher Normen ökonomische Grenzen. Ein offener Bruch mit der Rechtsstaatlichkeit würde das Vertrauen von Investoren erschüttern, die Risikoprämien erhöhen und erhebliche Turbulenzen an den Aktien- und Anleihemärkten auslösen.

Das Zwischenfazit fällt daher folgendermaßen aus: Die US-amerikanische Ordnung ist immer noch intakt, sie ist aber sichtbar fragiler geworden.

Der eigentliche Härtetest steht jedoch noch bevor: Die Zwischenwahlen werden zeigen, ob politische Niederlagen im institutionellen Rahmen akzeptiert werden und ob auch ein Erfolg der Demokraten uneingeschränkt anerkannt würde.

Welche Implikationen hat die US-Außenpolitik?

US-Präsident Trump verfolgt eine überraschend expansionsorientierte Außenpolitik. Vor den Zwischenwahlen dürfte er einen Regimewechsel in Kuba anstreben, um eine merkliche Verbesserung seiner Zustimmungswerte zu erreichen. Darüber hinaus könnte er einen erneuten Übernahmeversuch von Grönland oder Kanada unternehmen. In diesem Falle dürfte sich die Frage für deutsche Anleger stellen, ob sie tatsächlich den US-Staat durch das Halten von US-Staatsanleihen finanzieren wollen.

Laut dem Hedgefondsmanager Ray Dalio wird der Ausgang des Iran-Krieges für den Großmacht-Status der USA bestimmend sein. Sollten die USA als Verlierer aus dem Iran-Krieg hervorgehen, sprechen die historischen Erfahrungen dafür, dass internationale Anleger Geld aus den USA abziehen – mit Folgen für das Renditeniveau und den US-Dollar.

Welche Implikationen haben die US-Staatsschulden?

Der Iran-Krieg hat bisher nach Schätzungen etwa 30 Mrd. USD gekostet. Das Pentagon bittet derzeit um 200 Mrd. USD an zusätzlichen Mitteln. Darüber hinaus ist es geplant, den Militärhaushalt im kommenden Jahr von 1,0 Billionen auf 1,5 Billionen USD zu erhöhen. Diese Ausgaben werden voraussichtlich durch neue Schulden finanziert.

Die US-Staatsschulden sind schon jetzt auf dem höchsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg und das Staatsdefizit dürfte in diesem Jahr bei über 2,0 Billionen USD liegen – mit steigender Tendenz infolge des Iran-Kriegs. Darüber hinaus gibt es keine ernsthaften politischen Bestrebungen, die Defizite und Schulden durch Sparmaßnahmen wieder unter Kontrolle zu bringen.

An den Finanzmärkten werden die Erwartungen an zukünftige Entwicklungen gehandelt und die realistische Perspektive, dass die Staatsdefizite laut der offiziellen Budgetbehörde in 10 Jahren auf etwa 3,0 Billionen USD steigen, hätte eigentlich schon jetzt für Nervosität am US-Staatsanleihemarkt sorgen müssen. Bisher zeigen sich die US-Staatsanleihemärkte jedoch sehr stabil und scheinen jegliche US-Staatsdefizite zu finanzieren.

Irgendwann ist jedoch auch für die USA eine Grenze der Finanzierbarkeit erreicht. Dann wäre mit einem merklichen Anstieg der Renditen von Staatsanleihen zu rechnen. Japan hat gezeigt, dass hohe Staatsschulden und hohe Staatsdefizite in einem Niedriginflationsumfeld von den Finanzmärkten problemlos finanziert werden. Derzeit ist die Inflation in den USA ohne den Effekt der Zölle bei etwa 2,0 Prozent und damit im Zielkorridor. Es ist zu vermuten, dass also erst eine binnenwirtschaftlich generierte Inflationsbeschleunigung die befürchteten Turbulenzen auslöst.

Das wäre der Weckruf für die Politik, endlich die notwendige Austeritätspolitik anzugehen. Gleichzeitig dürfte dann auch die US-Notenbank Staatsanleihen kaufen, um die Staatsfinanzierung zu gewährleisten, wie damals die Bank von England unter Premierministerin Liz Truss im Jahr 2022. Eine Schuldenkrise wie in Griechenland ist damit für die USA sehr unwahrscheinlich und würde nur dann passieren, wenn die US-Notenbank sich weigert, Staatsanleihen zu kaufen. Die Turbulenzen am Staatsanleihemarkt dürften somit nur vorübergehender Natur sein.

Staatliche Sparmaßnahmen und Notenbankkäufe von Staatsanleihen hätten jedoch eine erhebliche Abwertung des US-Dollars an den Devisenmärkten zur Folge. Und je weniger Sparmaßnahmen und je mehr Staatsanleihekäufe durch die Zentralbank, desto größer der Absturz des US-Dollars. Es gilt dann das amerikanische Credo: „Unsere Währung, euer Problem“.

US-amerikanische Staatsanleihen sind auf währungsgesicherter Basis somit immer noch eine interessante Anlage für deutsche Anleger, da sie Diversifikation bieten. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die europäische Staatsschuldenkrise wieder aufflackert und eine internationale Diversifikation dann das Portfolio stabilisiert. Es ist jedoch überlegenswert, die Quote von US-Staatsanleihen zu reduzieren und die Quote von kanadischen und australischen Staatsanleihen auf währungsgesicherter Basis zu erhöhen. 

Verliert die US-Notenbank ihre Unabhängigkeit?

US-Präsident Trump sieht natürlich den enormen staatlichen Finanzierungsbedarf und die damit verbundenen Risiken von Turbulenzen am Staatsanleihemarkt. Er möchte daher schon jetzt niedrige Zinsen, um die Zinslast des Staates zu reduzieren und damit die Staatsdefizite zu begrenzen. Die Frage ist, ob der neue Notenbankpräsident Kevin Warsh die Erwartungen von Donald Trump erfüllen wird. Die Meinungen dazu gehen derzeit weit auseinander.

Eine Gruppe sieht Kevin Warsh als einen geldpolitischen Falken, der die Bilanz der US-Notenbank reduzieren und eine konsequent stabilitätsorientierte Geldpolitik verfolgen möchte. Damit würde er früher oder später in Konflikt mit Trump geraten. Und vielleicht würde er sogar damit die befürchteten Turbulenzen am Staatsanleihemarkt auslösen, da die Anleger das Gefühl bekommen, dass die US-Notenbank doch nicht im Zweifel stabilisierend am Staatsanleihemarkt eingreifen wird. In diesem Fall wäre mit steigenden Renditen von Staatsanleihen und erst einmal mit einem stärkeren US-Dollar-Wechselkurs zu rechnen.  

Eine andere Gruppe sieht ihn als ein Vertreter des US-Präsidenten in der Notenbank, der eher eine lockere Geldpolitik verfolgen wird. Die Folge wären eher fallende Renditen von Staatsanleihen und ein schwächerer US-Dollar-Wechselkurs.

Hier gilt das alte Fußballer-Sprichwort: „Die Wahrheit liegt auf dem Platz“. Erst wenn Kevin Warsh die Führung der US-Notenbank übernommen hat, wird sich sein wahres Gesicht zeigen.

Wird es Kapitalverkehrskontrollen oder einen Zwangsumtausch für Ausländer in Nullzins-Staatsanleihen geben?

US-Präsident Donald Trump möchte lieber ausländische Investoren/Unternehmen belasten als die eigene Bevölkerung. Dennoch sind die USA auf einen Zufluss von mehr als 1,0 Billionen USD pro Jahr von ausländischen Investoren zur Finanzierung der Staatsdefizite angewiesen. Solange diese Abhängigkeit besteht, dürften die USA nichts unternehmen, um ausländische Anleger zu verschrecken.

Was ist im Handelskonflikt zu erwarten?

Das Zoll-Urteil des Verfassungsgerichts hat US-Präsident Donald Trump ausgebremst. Er kann nicht mehr so schnell mit höheren Zöllen drohen wie zuvor. Auch ist für die Änderung von Zöllen nunmehr ein strukturierter bürokratischer Prozess notwendig.

Trump dürfte versuchen, wieder zu den Zollsätzen wie vor dem Gerichtsurteil zurückzukehren. Das wäre zwar belastend für deutsche Unternehmen, die bisher hohe Unsicherheit dürfte aber sinken.  

Was ist mit US-Aktien?

Wie bisher ausgeführt, bestehen die größten Risiken in einer Abwertung des US-Dollars und in (vorübergehenden) Turbulenzen bei Anleihen. Am US-Aktienmarkt gibt es dagegen viele Geschäftsmodelle – gerade im Technologiesektor –, die nicht in Europa zu finden sind.

Künstliche Intelligenz wird die Weltwirtschaft in den kommenden Jahren revolutionieren. Auch sind viele US-Unternehmen global aktiv und würden von einem schwächeren US-Dollar-Wechselkurs profitieren. Die USA bleiben somit ein attraktiver Aktienmarkt.

US-Notenbanksitzung am Freitag im Fokus

In der Regel (bei einem funktionierenden Banken- und Finanzsystem) ist das Wachstum des nominalen BIPs ein guter Indikator dafür, wo derzeit der neutrale Leitzins liegt, der weder die Konjunktur bremst noch stimuliert. In den USA wächst das nominale BIP, dessen Wert für das erste Quartal am Donnerstag veröffentlicht wird, derzeit mit etwa 5,0 Prozent.

Ein Leitzins von 3,6 Prozent liegt merklich darunter und signalisiert somit eine leicht stimulierende Geldpolitik, die aufgrund der im Trend steigenden Arbeitslosenquote durchaus angemessen erscheint. Vor dem Hintergrund des sich abzeichnenden Inflationsschubs infolge der gestiegenen Energiepreise sollte die US-Notenbank aber auf keinen Fall den Leitzins senken. Sie kann eine abwartende Haltung einnehmen.

USA: Überraschende nominale Wachstumsstärke
Leitzins in % und nominales BIP in % ggü. Vj. (gleitender Durchschnitt über vier Quartale)

Quellen: Bloomberg, Metzler; Stand: 31.3.2025

1 Geldpolitischer Transmissionsmechanismus stark eingeschränkt aufgrund beschädigtem Bankensystem

Zurück zum Rest der Welt: Überraschend dynamisches nominales Wachstum in der Eurozone

In der Eurozone war bis dato ein Wachstum des nominalen BIPs von etwa 4,0 Prozent zu beobachten. Das nominale BIP aggregiert praktisch die Umsätze der Unternehmen und die Einkommen der Privathaushalte.

Am Donnerstag wird leider nur die reale BIP-Wachstumsrate für das erste Quartal veröffentlicht. Das nominale BIP wird erst Wochen später zur Verfügung gestellt. Das reale Wachstum im ersten Quartal dürfte noch solide gewesen sein. Im April scheint es sich jedoch merklich abgeschwächt zu haben, wie die Einkaufsmanagerindizes schon signalisierten und wie der Europäische Geschäftsklimaindex (Mittwoch) zeigen dürfte.

Gleichzeitig ist jedoch mit einer Beschleunigung der Inflation (Donnerstag) in Richtung 3,0 Prozent zu rechnen. Das nominale Wachstum dürfte also bei etwa 4,0 Prozent bleiben, aber mit mehr Inflation und weniger realem Wachstum.

Dementsprechend sollte die EZB den Leitzins anheben, um weniger stimulierend zu sein. Wir rechnen jedoch erst im Juni und September mit zwei Schritten auf 2,5 Prozent. 

Eurozone: hohes nominales Einkommenswachstum dürfte anhalten und Leitzinserhöhungen erfordern
Nominales BIP in % ggü. Vj. (gleitender Durchschnitt über 4 Quartale) und Leitzins in %

Quellen: Bloomberg, Metzler; Stand: 31.12.2025

1 Geldpolitischer Transmissionsmechanismus stark eingeschränkt aufgrund beschädigtem Bankensystem

Japans ultralockere Geldpolitik

Auch in Japan wuchsen die Umsätze der Unternehmen und die Einkommen der Privathaushalte im Aggregat zuletzt mit etwa 4,0 Prozent. Grundsätzlich sind auch anhaltend robuste Konjunkturdaten wie die Einzelhandelsumsätze und die Industrieproduktion (jeweils Donnerstag) zu beobachten. Die Inflation (Freitag) ist zwar zuletzt etwas zurückgegangen, sie hat sich jedoch auf einem Niveau zwischen 2,0 bis 3,0 Prozent eingependelt.

In diesem Umfeld ist ein Leitzins von nur 0,75 Prozent viel zu niedrig. Die Folgen sind eine hohe Inflation der Aktienkurse und Immobilienpreise. Auch beschleunigte sich die Kreditvergabe zuletzt auf knapp 5,0 Prozent. Die Bank von Japan sollte also am Dienstag den Leitzins auf 1,0 Prozent anheben. Wahrscheinlich wird sie aufgrund der hohen Unsicherheit in Bezug auf die Iran-Krise bis Juni erst einmal abwarten.

Die Geldpolitik der Bank von Japan ist viel zu locker
Nominales BIP in % ggü. Vj. (gleitender Durchschnitt über drei Jahre) und Leitzins in %

Quellen: Bloomberg, Metzler; Stand: 31.3.2025

1 Mehrwertsteuererhöhung, 2 Geldpolitischer Transmissionsmechanismus stark eingeschränkt aufgrund beschädigtem Bankensystem

Edgar Walk
Edgar Walk

Chief Economist , Metzler Asset Management

Edgar Walk joined Metzler in 2000. As Chief Economist in the asset management division, he is responsible for formulating our global economic outlook. Due to his close cooperation with the portfolio management, he focuses on capital market themes as well as on global economic analyses. Mr. Walk holds a master’s degree in economics from the University of Tübingen in Germany and spent a semester at the University of Doshisha in Kyoto, Japan. In addition, he completed the program “Advanced Studies in International Economic Policy Research“ at the Institute of World Economy in Kiel, Germany.

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