Beginnt die Staatsschuldenkrise in Brasilien?
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Die weltweit steigenden Staatsschulden und hohe Staatsdefizite beschäftigen die Finanzmärkte schon länger. Noch gab es aber keine nennenswerten Turbulenzen an den Finanzmärkten – wobei der ungebrochene Aufwärtstrend der Renditen 30-jähriger Staatsanleihen in vielen Ländern schon als eine Art von Vorbeben interpretiert werden kann. Leider gibt es bisher keine zuverlässige Methodik für die Berechnung des kritischen Staatsverschuldungsniveaus eines Landes, ab dem die Finanzmärkte keine neu platzierten Staatsanleihen mehr kaufen.
Quellen: Internationaler Währungsfonds, Metzler; Stand: 31.12.2025
Das Beispiel Brasilien zeigt, dass das Verschuldungspotenzial vieler Staaten vielleicht doch deutlicher größer ist als befürchtet. Die Staatsverschuldung des Schwellenlands Brasilien betrug laut Internationalem Währungsfonds (IWF) 2025 etwa 93,3 Prozent des BIP. Der IWF erwartet einen Anstieg auf etwa 100 Prozent des BIP schon 2027.
Quellen: Bloomberg, Metzler; Stand: 30.6.2026
Gleichzeitig liegt der Leitzins derzeit bei 14,25 Prozent und die Inflation bei 4,7 Prozent. Trotz der Iran-Krise blieb die Inflation bisher stabil. Der reale Leitzins ist somit mit knapp 10 Prozent ungewöhnlich hoch. Dies kann eigentlich nur durch eine hohe Risikoprämie erklärt werden, die Brasilien Anlegern bieten muss – wahrscheinlich aufgrund von strukturell großen Inflationssorgen.
Quellen: Internationaler Währungsfonds, Metzler; Stand: 31.12.2025
Das Problem für den brasilianischen Staat ist jedoch, dass die hohen Staatsschulden in Kombination mit den hohen Zinsen die Zinslast des Staates explodieren lassen. Laut dem IWF betrugen 2025 die staatlichen Zinszahlungen etwa 7,7 Prozent des BIP. Darüber hinaus hatte Brasilien ein Primärdefizit von 0,4 Prozent des BIP, sodass sich das Staatsdefizit auf 8,1 Prozent des BIP summierte und damit zu einem rapiden Anstieg der Schulden beiträgt. Das Beispiel Brasilien zeigt also, dass selbst bei sehr hohen Staatsschulden, sehr hohen Zinsen und sehr hohen Staatsdefiziten nicht automatisch eine Schuldenkrise entsteht.
Sollte der Leitzins in Brasilien bei etwa 14 Prozent bleiben, müsste bei einer Staatsverschuldung von 100 Prozent des BIP die Zinslast im Laufe der Zeit von 7,7 Prozent des BIP auf etwa 14 Prozent des BIP steigen. Das wären mehr als 30 Prozent der Staatseinnahmen, was für kaum einen Staat der Welt tragbar wäre.
Es gibt drei Wege für Brasilien: Entweder senkt die Zentralbank den Leitzins in den kommenden Monaten schnell bis auf mindestens etwa 8,0 Prozent – dann würde die Zinslast in etwa stabil bleiben; oder Brasilien betreibt eine knallharte Sparpolitik oder Brasilien erleidet früher oder später eine Schuldenkrise. Sollte sich die Zentralbank für Leitzinssenkungen entscheiden, stellt sich allerdings die die Frage, ob sich dadurch die Inflationsdynamik beschleunigt.
Die Entwicklungen in Brasilien im Auge zu behalten, könnte sich somit lohnen, da das eine Blaupause für die Schuldenproblematik in anderen Ländern werden könnte. Immerhin lag die Zinslast in den USA ebenso wie in Italien 2025 nur bei 3,6 Prozent des BIP, bei 2,6 Prozent in Großbritannien, bei 2,0 Prozent in Frankreich und bei nur 0,2 Prozent in Japan. Der IWF prognostiziert jedoch für alle Staaten eine steigende Zinslast in den kommenden Jahren. Die Herausforderung wird sein, entweder die Staatseinnahmen zu erhöhen oder die Staatsausgaben zu reduzieren, um die höheren Zinsen bezahlen zu können, ohne dass die Staatsdefizite explodieren.
Nur Deutschland ist hierbei eine Ausnahme. Bei einer im internationalen Vergleich sehr niedrigen Staatsverschuldung betrug 2025 die Zinslast nur 0,8 Prozent des BIP. Laut dem IWF wird sie bis 2030 nur auf 1,5 Prozent des BIP steigen. Die höheren Zinsen kann Deutschland also locker über höhere Staatsdefizite finanzieren.
USA: Inflation im Fokus
Der Höhepunkt der kommenden Woche wird die erste geldpolitische Anhörung von Kevin Warsh als Vorsitzendem der US-Notenbank Federal Reserve vor dem US-Repräsentantenhaus sein. Nur 90 Minuten davor werden die Inflationsdaten für Juni veröffentlicht. Mit einer hohen Wahrscheinlichkeit wird die Inflation bei etwa 4,0 Prozent gelegen haben. Kevin Warsh wird also beweisen müssen, dass er es tatsächlich ernst meint, die Inflation wieder auf das Ziel von 2,0 Prozent zu reduzieren.
Darüber hinaus werden noch die Einzelhandelsumsätze am Donnerstag veröffentlicht, die einen solide wachsenden Konsum zeigen dürften.
China: Wirtschaftswachstum mit Fragezeichen
China wird die BIP-Daten für das zweite Quartal am Mittwoch veröffentlichen. Es wird mit einem Anstieg von 1,0 Prozent zum Vorquartal und damit mit einem Anstieg von 4,7 Prozent zum Vorjahr gerechnet. Das sind ungewöhnlich starke Wirtschaftsdaten. Vor dem Hintergrund seit drei Monaten sinkender Einzelhandelsumsätze und Anlageinvestitionen wird zunehmend die Frage nach der Aussagekraft der offiziellen BIP-Daten gestellt. Normalerweise würde eine solche Datenlage eine schwere Rezession der Wirtschaft vermuten lassen.
|
Monat 2026 |
Einzelhandelsumsätze, |
Anlageinvestitionen (Fixed Asset Investment), |
|---|---|---|
|
Januar |
+0,27 % |
+0,38 % |
|
Februar |
+0,32 % |
+0,29 % |
|
März |
-0,13 % |
-1,03 % |
|
April |
-0,55 % |
-2,32 % |
|
Mai |
-0,38 % |
-1,91 % |
Quelle: National Bureau of Statistics of China
Am Mittwoch werden die Daten zu Einzelhandel, Industrieproduktion und Anlageinvestitionen für Juni veröffentlicht. Vielleicht ergibt sich dann ein freundlicheres Bild – auch durch Revisionen. Der Export (Dienstag) bleibt der einzige Lichtblick für China und ein großes Problem für den Rest der Welt.
Immerhin gibt es jüngst Hinweise auf eine Belebung der chinesischen Infrastrukturinvestitionen. Nach einem schwachen Jahresauftakt mit nur 0,6 Prozent Wachstum in den ersten fünf Monaten deutet der kräftige Anstieg des Frühindikators der Baumaschinenverkäufe um 35 Prozent darauf hin, dass sich die Bautätigkeit im zweiten Halbjahr deutlich beschleunigen könnte. Sollte die Regierung tatsächlich das BIP-Wachstumsziel von 4,0 bis 4,5 Prozent erreichen wollen, müssten die Investitionen in Infrastruktur in den verbleibenden Monaten um etwa 7 bis 10 Prozent zulegen.
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