Fed und BoJ müssten handeln – doch erhöhen sie wirklich die Zinsen?
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Die Finanzmärkte rechnen derzeit mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 30 Prozent mit einer Leitzinserhöhung der Fed am kommenden Mittwoch, während sie einen Zinsschritt der BoJ am Freitag praktisch ausschließen. Für eine Leitzinserhöhung der Bank of England wird eine Wahrscheinlichkeit von etwa 10 Prozent eingepreist.
USA: Wachstumsstärke erfordert Zinsschritt
Erst einen Tag nach der Fed-Sitzung werden die BIP-Daten für das zweite Quartal veröffentlicht. Wir halten es für gut möglich, dass sich das nominale Wachstum von rund 6,0 Prozent im ersten Quartal auf etwa 6,5 Prozent beschleunigt hat. Treiber dürften vor allem die kräftigen Unternehmensinvestitionen und ein weiterhin solider privater Konsum gewesen sein. Ein erwarteter Anstieg des Konsumentenvertrauens am Dienstag dürfte dieses Bild zusätzlich stützen.
Vor diesem Hintergrund erscheint ein Leitzins von lediglich 3,6 Prozent zu niedrig. Die Fed sollte vermeiden, dass sich der Abstand zwischen dem Leitzins und dem nominalen Wachstumstrend weiter vergrößert. Wir rechnen daher bis zum Jahresende mit insgesamt zwei Zinserhöhungen; die Wahrscheinlichkeit für einen ersten Schritt bereits in der kommenden Woche sehen wir bei über 50 Prozent, deutlich über dem Marktkonsens.
Hinzu kommt ein Glaubwürdigkeitsproblem: Die US-Notenbank verfehlt ihr Inflationsziel inzwischen seit mehr als fünf Jahren. Bleibt sie trotz des robusten Wachstums und des anhaltenden Preisdrucks weiter untätig, riskiert sie, ihre geldpolitische Glaubwürdigkeit weiter zu beschädigen.
Japan: Geldpolitik im Fokus
Die Finanzmärkte senden ein unmissverständliches Signal: Die Geldpolitik der Bank of Japan ist zu expansiv. Der Yen ist auf Basis des realen handelsgewichteten Wechselkurses zuletzt auf historische Tiefstände gefallen. Gleichzeitig hat der Abstand zwischen der Rendite 30-jähriger japanischer Staatsanleihen und dem Leitzins einen neuen Höchststand erreicht. Diese ungewöhnlich hohe Renditedifferenz lässt sich als wachsende Inflations- und Vertrauensrisikoprämie interpretieren.
Auch die konjunkturelle Lage spricht gegen eine anhaltend lockere Geldpolitik. Die am Freitag anstehenden Daten zur Industrieproduktion und zu den Einzelhandelsumsätzen dürften bestätigen, dass die japanische Wirtschaft weiterhin robust wächst.
Eine Entscheidung der BoJ gegen eine Zinserhöhung erhöht das Risiko, dass das Vertrauen der Bevölkerung in die Geldwertstabilität erodiert. Ein solcher Vertrauensverlust könnte erhebliche Kapitalabflüsse auslösen und den Yen weiter massiv unter Druck setzen.
Nach unserer Einschätzung sollte die BoJ den Leitzins daher schrittweise um jeweils 25 Basispunkte auf 2,0 Prozent anheben. Eine solche Normalisierung wäre notwendig, um die Inflationserwartungen zu verankern und den Außenwert des Yen zu stabilisieren.
Eurozone: Fragezeichen bei der Wachstumsresilienz
Die EZB rechnet für dieses Jahr in der Eurozone mit einem Wachstum von 0,8 Prozent und mit 1,2 Prozent 2027. Die EZB scheint das Potenzialwachstum der Eurozone bei etwa 1,0 Prozent zu schätzen. Insgesamt zeigen die Prognosen somit eine resiliente Wirtschaft der Eurozone und lassen ein Wachstum leicht unter Potenzial in diesem Jahr und leicht über Potenzial im nächsten Jahr erwarten. Diese Wachstumsprognosen signalisieren jedoch noch nicht die Notwendigkeit von Leitzinserhöhungen – dazu müsste das Wachstum deutlich über dem Potenzial erwartet werden und damit eine Überhitzung der Konjunktur signalisieren.
Es stellt sich allerdings die Frage, ob die Wachstumserwartungen der EZB nicht zu optimistisch sind. Denn die wieder steigenden Energiepreise, die hohen geopolitischen Unsicherheiten sowie ein sich abzeichnender negativer Kreditimpuls sprechen eher für ein niedrigeres Wachstum.
So zeigte die Umfrage der EZB bei den Geschäftsbanken, dass im zweiten Quartal 2026 die Kreditstandards weiter verschärft wurden und dass die Kreditnachfrage des privaten Sektors – vor allem der Konsumenten – deutlich zurückgegangen ist. Die Geldmengen- und Kreditdaten (Montag) vom Juni dürften die Schwäche im Kreditzyklus bestätigen.
Quellen: EZB, Metzler; Stand: 15.7.2026
Im Endeffekt wirkt der Transmissionsmechanismus der Geldpolitik in der Eurozone vor allem durch das Bankensystem auf die Realwirtschaft. Und die Banken signalisieren schon jetzt eine sehr restriktive Wirkungsweise der Geldpolitik. Vor diesem Hintergrund sollten weitere Leitzinserhöhungen der EZB wohl überlegt sein.
Maßgeblich für die Zinsentscheidung im September werden das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal (Donnerstag), die konjunkturellen Frühindikatoren wie der ifo-Index (Montag) und der Economic Sentiment Index (Donnerstag) sowie die Arbeitslosenquote (Donnerstag) sein. Eine überraschend starke konjunkturelle Eintrübung würde eher gegen eine Leitzinserhöhung sprechen. Auch dürfte die Inflation (Freitag) von 2,8 Prozent im Juni auf 2,9 Prozent im Juli steigen, die Kerninflation dürfte jedoch mit 2,4 Prozent stabil geblieben sein. Die Inflation ist somit nur leicht erhöht und sollte – wie leicht erhöhtes Fieber – keine Überreaktion seitens der EZB auslösen.
Risiken am Ölmarkt
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zeigt in ihrem Jahresbericht eine sehr spannende Grafik. Sie bildet den Öl-Produktionsausfall infolge historischer Krisen ab und die jeweilige Reaktion des Ölpreises.
So sorgte der Iran-Konflikt für den bisher größten Produktionsausfall, aber im Vergleich zu den anderen Krisen für den bisher geringsten Ölpreisanstieg. Der Grund dafür ist, dass es 1973 kaum globale Lagerbestände gab, die den Produktionsausfall kompensieren konnten. Die Welt hat daraus gelernt, sodass seit Ausbruch des Iran-Konflikts ein großer Teil des Produktionsausfalls durch einen Abbau der Lagerbestände ausgeglichen werden konnte. Durch die erneute Eskalation plus die (teilweise) Schließung des roten Meers durch die Huthis müssen nun erneut Lagerbestände in einem erheblichen Ausmaß abgebaut werden. Je länger die Eskalation dauert, desto größer ist das Risiko, dass die Lagerbestände nicht ausreichen und es zu einer dramatischen Ölpreisexplosion kommt.
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