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Information für professionelle Anleger - 22.7.2026

„Das Risiko-Overlay hat 2022 dazu beigetragen, unseren Verlust zu halbieren.“

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Die Zeit der „Great Moderation“ mit niedriger Inflation, niedrigen Zinsen und geringer Volatilität ist vorbei. Rückschläge an den Aktien und Rentenmärkten im Jahr 2022 haben verdeutlicht, wie schnell sich das Marktumfeld fundamental ändern kann. Trotz resilienter Kapitalmärkte prägen seither und bis heute geopolitische Spannungen, fiskalische Dominanz, Deglobalisierung und eine strukturell höhere Inflation das Bild. Investoren sollten ihre strategische Asset Allocation (SAA) konsequent auf inhärente Risiken prüfen, sich auf neue Krisenszenarien vorbereiten und zugleich Chancen aktiv nutzen. Wie die Evangelische Kirche der Pfalz dieses Spannungsfeld mit einem Risiko-Overlay löst, darüber sprach Mathias Weil, Co-Head der Abteilung Multi-Asset Solutions, mit Karin Kessel, der Leiterin des Finanzdezernats der Evangelischen Kirche der Pfalz.

Mathias Weil: Können Sie die Evangelische Kirche der Pfalz kurz vorstellen? 

Karin Kessel: Das Gebiet der Evangelischen Kirche der Pfalz umfasst den ehemaligen Regierungsbezirk Pfalz sowie den ehemals pfälzischen Teil des Saarlandes. Wir haben ca. 430.000 Gemeindemitglieder und 390 Kirchengemeinden in 15 Kirchenbezirken. 

Mathias Weil: Was sind aktuell die größten Herausforderungen in der strategischen Kapitalanlage?

Karin Kessel: Ziel ist, langfristig stabile Renditen zu erreichen, aber gleichzeitig die Risiken zu steuern. Wir haben seit 2022 zwar die Nullzinsphase oder gar die Phase mit negativen Zinsen überwunden. Aber Zinsschwankungen bleiben eine Herausforderung. Rentenpapiere sind jedoch nach wie vor eine relativ sichere Geldanlage, die zu einer strategischen Kapitalanlage gehören. Dann gibt es die geopolitischen Spannungen, den Ukraine-Krieg, die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und Palästina, die Beziehung von China und den USA, Handelskonflikte und Zölle, um nur einige zu nennen. Hinzu kommen demografische und gesellschaftliche Veränderungen, wozu ich auch das Feld der Künstlichen Intelligenz zählen würde. Diese Faktoren verändern die Arbeitswelt und werden auch Auswirkungen auf die Kapital anlage haben.

Karin Kessel und Mathias Weil
Karin Kessel, Oberkirchenrätin in der Evangelischen Kirche der Pfalz und Mathias Weil, Co-Head Multi-Asset Solutions, Metzler Asset Management

Mathias Weil: Was hat Sie vor zehn Jahren dazu bewegt, ein Risiko-Overlay umzusetzen? 

Karin Kessel: Die Balance zwischen Rendite und Risiko ist ja nicht leicht zu finden, deshalb wollten wir zunächst ein Overlay nur für die Aktien einrichten, da hier die Volatilität besonders hoch ist. Beim zweiten Blick auf unser Portfolio mussten wir uns eingestehen, dass unser Rentenanteil natürlich höher ist als der Aktienanteil. Wir waren zu diesem Zeitpunkt bereits in der Niedrigzinsphase und sahen auf dem Kapitalmarkt Entwicklungen auf uns zukommen, die man sich vor zwanzig Jahren nicht vorstellen konnte. Deshalb haben wir uns letztlich entschieden, das Risiko-Overlay auch auf den Rentenanteil auszuweiten.

Mathias Weil: Und wo hilft Ihnen ein Overlay heute? 

Karin Kessel: Die Marktvolatilität hat eher zugenommen, hier reicht das Stichwort geopolitische Herausforderungen. Mit dem Risiko-Overlay reagieren wir schnell auf Turbulenzen und vermindern Verlustrisiken.

Mathias Weil: Es gibt viele Overlay-Varianten: SAA-orientiert, also als ganzheitliche Steuerung der Kapitalanlage, oder basierend auf getrennter Asset-Klassen-Steuerung. Welchen  Ansatz haben Sie  umgesetzt und warum?

Karin Kessel: Wir haben uns für eine ganzheitliche Steuerung entschieden. Das Risiko-Overlay hilft dabei, Stabilität in die strategische Zielstruktur zu bringen. Gleichzeitig bietet es eine taktische Flexibilität,  die dazu beiträgt, ein stabileres Wachstum des Portfolios über Marktzyklen hinweg zu erreichen.

Mathias Weil: Welchen Vorteil sehen Sie in einer zentralisierten Risikosteuerung gegenüber getrennten Risikobudgetvorgaben für einzelne Segmentmanager? 

Karin Kessel: Für uns war die Einrichtung einer Master-KVG im Jahr 2012 ein konsequenter Schritt hin zur zentralen Steuerung. Zuvor hatten wir verschiedene Fonds, und die Fondmanager haben das Risiko mehr oder weniger erfolgreich selbst gesteuert. Durch die zentralisierte Risikosteuerung besteht ein besserer Überblick über die gesamte Vermögensanlage. Sie kann effektiver gesteuert werden, wodurch sich Verluste besser abfedern lassen. Aus unserer Sicht war dies der richtige Schritt.

Mathias Weil: Das Risikokapital muss zur Allokation passen, um langfristig nicht die SAA zu konterkarieren. Wie leitet sich das Budget ab? Und stimmen Sie es mit Ihrem Overlay-Manager ab?

Karin Kessel: Wir gehen in zwei Schritten vor: Zunächst schauen wir, welche Rücklagen aufgrund unserer haushaltsrechtlichen Vorgaben vorhanden sein müssen. Damit haben wir den ersten Anhaltspunkt für das Risikobudget. Anschließend sprechen wir mit dem Overlay-Manager, um herauszufinden, welches Risikobudget bei der von uns gewählten SAA notwendig ist, um handlungsfähig zu sein. Wir sind dankbar für den gebotenen Service. Es wird sehr nachvollziehbar dargestellt, welche Faktoren zu berücksichtigen sind. Daraus leitet sich dann das notwendige Risikobudget ab.

Mathias Weil: Mit einem Risiko-Overlay verfolgen viele Anleger auch höhere SAA-Risiko- beziehungsweise Aktienquoten. Konnte das Overlay dazu in der Vergangenheit beitragen?

Karin Kessel: Ja, wir konnten unsere Aktienquote dadurch etwas ausweiten.

Mathias Weil: Viele SAAs haben 2022 zweistellige Verluste erlitten. Wie hat das Risiko-Overlay hier geholfen?

Karin Kessel: Das Risiko-Overlay hat 2022 dazu beigetragen, dass wir den Verlust halbieren konnten. Wir sind mit einem Minus von 5,98 Prozent davongekommen. Ohne Overlay hätte unser Verlust bei 12,74 Prozent gelegen.

Mathias Weil: Wie hat das Overlay geholfen, die Risiko-Ertragsstruktur zu optimieren?

Karin Kessel: In Zeiten inverser Zinsstrukturkurven hat das Risiko-Overlay dazu beigetragen, das Renditepotenzial kurzer Laufzeiten zu nutzen und gleichzeitig das Zinsänderungsrisiko zu begrenzen. Damit erweist sich unsere Entscheidung von vor zehn Jahren, nicht nur den Aktienanteil, sondern das gesamte Portfolio abzusichern, als richtig.

Mathias Weil: Vielen Dank für das Gespräch!

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