Gewinnt der Aufschwung der Weltwirtschaft an Breite?
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Das resiliente Wachstum in den USA und der Aufschwung in Asien wurden bisher überwiegend durch den globalen KI-Investitionsboom getragen. So verzeichneten in den USA die Unternehmensinvestitionen in Technologiegüter im ersten Quartal 2026 mit knapp 20 Prozent das stärkste Wachstum seit 1990. Dagegen stagnierten die Unternehmensinvestitionen außerhalb des Technologiesektors seit dem ersten Quartal 2025.
Quellen: Bloomberg, Metzler; Stand: 31.3.2026
Das heißt, der Aufschwung der Weltwirtschaft war bisher extrem unbalanciert und komplett abhängig von KI-Investitionen. Frühindikatoren wie die Einkaufsmanagerindizes der Investitionsgüterindustrie zeichnen jedoch das Bild, wonach die Investitionsausgaben der Unternehmen auch außerhalb des Technologiesektors langsam an Dynamik zu gewinnen scheinen. Sollten die Daten diesen Trend in den kommenden Monaten bestätigen, würde das signalisieren, dass der globale Aufschwung auf einem zunehmend breiteren Fundament steht.
Wenn Unternehmen außerhalb des Technologiesektors investieren, schaffen sie in der Regel gleichzeitig neue Arbeitsplätze. Vor diesem Hintergrund können die Arbeitsmarktdaten aus den USA in der kommenden Woche auch als Indikator der Investitionsdynamik gelesen werden: Neueinstellungen und offene Stellen (Dienstag) sowie Beschäftigung und Arbeitslosenquote (jeweils Freitag).
Einer Belebung der Investitionsdynamik geht in der Regel eine Belebung der Bankkreditvergabe voraus. Tatsächlich zeigen die aktuellen Daten in allen großen Wirtschaftsräumen steigende Wachstumsraten der Bankkreditvergabe. In den USA beschleunigte sich die Wachstumsrate auf über 7,0 Prozent im Mai und in Japan auf knapp 6,0 Prozent. In beiden Wirtschaftsräumen würden wir die Ausrichtung der Geldpolitik als expansiv bezeichnen, sodass der positive Trend vorerst anhalten dürfte, da zumindest in den kommenden drei Monaten keine Leitzinserhöhungen zu erwarten sind.
Quellen: EZB, FRED Database, Bank of Japan, Metzler; Stand: 31.5.2026
Die Eurozone hinkte mit einem Wachstum der Kreditvergabe von über 4,0 Prozent im April hinterher. Am Montag werden die Mai-Daten veröffentlicht, die zunächst noch keine Verbesserung zeigen dürften. Der Energiepreisschock und der geringe Anteil an Hochtechnologieproduzenten dämpfen das Wachstum der Eurozone seit März.
Immerhin dürften der Rückgang der Energiepreise und die Verbreiterung des globalen Aufschwungs auch die Wirtschaft der Eurozone nach und nach erfassen und in den kommenden Monaten für einen Aufschwung sorgen. Erste Verbesserungstendenzen sind schon vom europäischen Geschäftsklimaindex (Economic Sentiment Index) zu erwarten.
Es stellt sich die Frage, ob die EZB noch einmal im September den Leitzins unbedingt erhöhen muss. Vor dem Hintergrund der Energiepreisentwicklung dürfte nämlich die Inflation von 3,2 Prozent im Mai auf 2,9 Prozent im Juni gefallen sein. In Abhängigkeit von der Energiepreisentwicklung könnte die Inflation bis April 2027 um etwa 3,0 Prozent schwanken, um dann aufgrund von Basiseffekten wieder unter die Marke von 2,0 Prozent zu fallen. Eigentlich sollte eine antizipatorische Geldpolitik vor diesem Hintergrund eine abwartende Haltung einnehmen.
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