Wird Powell Trump Paroli bieten?
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In der kommenden Woche richtet sich der Blick der Märkte vor allem auf die Sitzung des Federal Open Market Committee am Mittwoch. Ein unmittelbarer Zinsschritt gilt als unwahrscheinlich. Die eigentliche Spannung liegt vielmehr in der Kommunikation: Beobachtet wird vor allem, wie Fed-Präsident Jerome Powell auf die zuletzt deutlich schärfer gewordenen politischen Angriffe aus dem Weißen Haus reagiert – und ob er die geldpolitische Unabhängigkeit der Notenbank demonstrativ unterstreicht.
Fed: Unabhängigkeit als Teil der geldpolitischen Strategie
Wir gehen davon aus, dass Powell bis zum Ende seiner Amtszeit im Mai 2026 weiteren Leitzinssenkungen eine klare Absage erteilen wird. Das wäre nicht nur eine technische geldpolitische Entscheidung, sondern auch ein institutionelles Signal: Die Federal Reserve würde damit verdeutlichen, dass sie ihre Reaktionsfunktion ausschließlich nach ihrem Inflations- und Beschäftigungsmandat ausrichtet – und nicht nach kurzfristigen politischen Zielen.
Hinzu kommt: Auch die konjunkturellen Fundamentaldaten haben sich zuletzt spürbar aufgehellt. Für das erste Halbjahr 2026 sehen wir daher solide Chancen, dass die US-Wirtschaft ein Wachstum von über 3,0 Prozent erreichen kann. Vier Faktoren sprechen dafür:
- Nachlassender Zoll-Schock: Die dämpfenden Effekte der Zollerhöhungen aus dem Jahr 2025 dürften im Verlauf von 2026 sukzessive auslaufen. Basiseffekte und Anpassungen entlang der Lieferketten sollten den „Zoll-Pessimismus“ der vergangenen Quartale schrittweise relativieren.
- Fiskalischer Impuls über Steuererstattungen: Als Folge der „Big Beautiful Bills“ erwarten wir im ersten Halbjahr spürbare Steuerrückzahlungen an private Haushalte – ein klassischer temporärer Nachfrageimpuls, der insbesondere den Konsum stützen kann.
- Zeitverzögerte Wirkung früherer Zinssenkungen: Die bereits erfolgten Lockerungsschritte entfalten ihre volle Wirkung typischerweise mit Verzögerung. In der Summe sollten sie Investitionen und zinssensitive Konsumsegmente weiter anschieben.
- Sehr günstige Finanzierungsbedingungen: Unabhängig vom Leitzins sind die breiteren Finanzierungsbedingungen zuletzt ausgesprochen stimulierend. Das erleichtert Kreditaufnahme, verbessert Bilanzbedingungen und unterstützt risikobehaftete Anlageklassen – ein Umfeld, das konjunkturell eher Rückenwind als Gegenwind bedeutet.
Politik: Wachstum genügt nicht - entscheidend ist der Arbeitsmarkt
Ein höheres Wachstum allein dürfte für Präsident Donald Trump dennoch nicht ausreichen. Politisch zählt weniger die aggregierte BIP-Zahl als die gefühlte Lage der privaten Haushalte. Genau hier wird der Blick auf das Konsumentenvertrauen (Dienstag) wichtig: Solange die Arbeitsmarktsituation als „schwierig“ wahrgenommen wird, bleibt das Vertrauen anfällig – selbst bei ordentlichen Wachstumsraten.
Mit Blick auf die Zwischenwahlen im November ergibt sich daraus ein kalkulierbarer Zielkonflikt: Aus politischer Perspektive wäre ein dynamischer Arbeitsmarkt die entscheidende Erfolgsbedingung. Aus geldpolitischer Perspektive wiederum ist zusätzliche Lockerung nur dann zu rechtfertigen, wenn Inflations- und Stabilitätsrisiken es zulassen. Damit ist eine weitere Zuspitzung des Konflikts zwischen Notenbank und US-Präsident strukturell angelegt.
Unser Basisszenario bleibt: Keine weiteren Senkungen unter Powell, wohl aber zwei Zinsschritte unter seinem Nachfolger, voraussichtlich im Juni und September 2026. Die geldpolitische Logik wäre dabei weniger „Konjunkturrettung“ als vielmehr Feintuning.
USA: Warum ist die Inflation trotz großer Defizite so niedrig?
Angesichts der außergewöhnlich hohen Staatsdefizite ist die Frage berechtigt, weshalb der Inflationsdruck bislang so begrenzt geblieben ist. Seit Ende 2023 beläuft sich das gesamtstaatliche Haushaltsdefizit auf mehr als 2,0 Billionen US-Dollar. In vielen historischen Episoden wären Defizite dieser Größenordnung ein klassischer Nährboden für Überhitzung – insbesondere, wenn die private Nachfrage zugleich robust ist.
Quellen: FRED Database, Metzler; Stand: 30.9.2025
Der zentrale Gegenmechanismus lag jedoch in der jüngeren geldpolitischen Vergangenheit: Die Phase deutlicher Leitzinserhöhungen und die restriktive Haltung der Fed setzten bis vor Kurzem starke Sparanreize und schwache Anreize für kreditfinanzierte Ausgaben. Private Haushalte und Unternehmen verbesserten ihren Finanzierungssaldo – sie gaben relativ weniger aus, bauten Liquidität auf und reduzierten risikoreiche Finanzierungen. Makroökonomisch bedeutet das: Ein Teil der staatlichen Defizitnachfrage wurde faktisch durch private Überschüsse „mitfinanziert“.
Hinzu kommt die internationale Dimension. Zuletzt waren ausländische Anleger bereit, netto rund 1,2 Billionen US-Dollar mehr in US-Aktien, US-Anleihen, US-Immobilien, US-Kredite und US-Unternehmen zu investieren, als US-Inländer im Ausland finanzierten. Dieser Kapitalzufluss wirkt wie ein Ventil: Er stabilisiert die Finanzierung des Defizits, dämpft Zinsanstiege und kann – je nach Wechselkurskanal – auch preisdämpfend wirken.
Der mögliche Regimewechsel: private Nachfrage steigt, Auslandsfinanzierung wird unsicherer
Mit den vergangenen Zinssenkungen und den insgesamt sehr günstigen Finanzierungsbedingungen verschiebt sich das Gleichgewicht jedoch. Wenn die private Nachfrage im ersten Halbjahr 2026 anspringt, steht weniger inländisches Sparvolumen für die Staatsfinanzierung zur Verfügung. Dann wird die entscheidende Frage: Füllt das Ausland die Lücke – oder nicht?
Fall 1: Ausländer finanzieren weiter (oder stärker). Dann ist ein dynamischer Aufschwung möglich, der trotz hoher Staatsnachfrage inflationsarm bleibt – allerdings um den Preis eines deutlich größeren Handelsbilanzdefizits (mehr Kapitalzufluss korrespondiert spiegelbildlich mit höherem Leistungsbilanzdefizit).
Fall 2: Ausländer finanzieren nicht ausreichend. In diesem Szenario trifft hohe Staatsnachfrage auf steigende private Nachfrage, ohne dass ein externer Finanzierungsanker stabilisierend wirkt. Der Inflationsdruck würde wahrscheinlicher – und zwar nicht primär aus „Kosten“-gründen, sondern aus einem klassischen Nachfrageüberhang heraus.
Gerade im aktuellen geopolitischen Umfeld könnten die USA als Anlagedestination an relativer Attraktivität verlieren – zumal niedrigere Zinsen die Renditedifferenz reduzieren. Bleibt die Auslandsnachfrage nach US-Vermögenswerten hinter dem Finanzierungsbedarf zurück, wäre eine Inflationsbeschleunigung ein realistisches Risiko. Sichtbar werden könnte dies paradoxerweise sogar in einem „besseren“ staatlichen Finanzierungssaldo: Ein inflationär getriebener Boom erhöht nominal die Staatseinnahmen und verbessert kurzfristig die Haushaltskennziffern – nicht aus Konsolidierung, sondern aus Preis- und Nominaleffekten.
Geldpolitische Konsequenz: Der nächste Schritt könnte theoretisch nach oben zeigen
Genau hier liegt die heikle Pointe: Sollte sich dieses Inflationsszenario materialisieren, müsste die Fed aus rein geldpolitischer Logik eigentlich die Zinsen anheben, um die private Nachfrage zu dämpfen und Preisstabilität zu sichern. Damit ist nicht gesagt, dass dies das Basisszenario ist – aber es ist eine plausible Risikoverschiebung: Es ist nicht ausgeschlossen, dass der nächste „eigentlich richtige“ Zinsschritt eine Erhöhung wäre. Im gegenwärtigen politischen Klima wäre eine solche Entscheidung jedoch besonders konfliktträchtig – und würde die institutionelle Unabhängigkeit der Fed auf eine neue Bewährungsprobe stellen.
Eurozone: Wie stark wird der Aufschwung?
Wir schauen optimistisch ins Jahr 2026 und rechnen mit einem Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent. Das hängt auch damit zusammen, dass die Wirtschaft der Eurozone (Freitag) schon im vierten Quartal 2025 dynamischer mit 0,4 Prozent zum Vorquartal gewachsen sein dürfte. Die Gründe dafür sind höhere Staatsausgaben und eine einsetzende Erholung des Konsums.
Die deutschen Daten zeigen schon jetzt eine merkliche Belebung des inländischen (Rüstungs-)Auftragseingangs und damit, dass die höheren Staatsausgaben langsam in den realwirtschaftlichen Daten sichtbar werden. Dementsprechend dürfte sich der ifo-Index (Montag) verbessert haben und der Geschäftsklimaindex für die gesamte Wirtschaft der Eurozone (Donnerstag) auch.
Ein entscheidender Faktor in unserer optimistischen Prognose darüber hinaus ist, dass sich das Wachstum des Konsums 2026 beschleunigt. Dafür unterstellen wir einen Rückgang der Arbeitslosenquote (Freitag) in der Eurozone im Jahresverlauf auf 5,5 Prozent und eine Verbesserung des Konsumentenvertrauens (GfK Konsumentenvertrauen, Mittwoch).
Japan: Der Staatsanleihemarkt ist angeschlagen
Die Renditen langlaufender Staatsanleihen in Japan verzeichneten in dieser Woche einen deutlichen Sprung nach oben und sorgten somit für erhebliche Kursverluste bei Anlegern. Der Grund dafür sind die am 8. Februar anstehenden Neuwahlen, die in einem Wahlsieg von Premierministerin Takaichi münden könnten. Premierministerin Takaichi würde in diesem Fall die Staatsausgaben für Einkommenshilfe, Investitionen in Technologie und Verteidigung deutlich erhöhen.
Damit würden sich die Wachstumsperspektiven merklich verbessern. Der Staatsanleihemarkt preist dieses Szenario ein, indem er eine steilere Renditestrukturkurve preist. Er bewertet damit einerseits höhere Leitzinsen in der Zukunft als eine Reaktion auf das stärkere nominale Wachstum aber auch das Risiko, dass die Zentralbank nicht ausreichend die Leitzinsen anhebt und die Inflation merklich steigt.
Dementsprechend werden die Fundamentaldaten auf den Prüfstand gestellt werden: Inflation im Großraum Tokio, Arbeitslosenquote und Industrieproduktion (alle am Freitag).
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