Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen und Hinweise entnehmen Sie bitte unserer Datenschutzerklärung.

Akzeptieren
18.1.2019

Wie programmierbar ist der Mensch?

Künstliche Intelligenz | Metzler

Das Verhältnis von menschlichen Potenzialen zur künstlichen Intelligenz

Großartige Fähigkeiten bescheinigte Prof. Gerald Hüther, Vorstand der Akademie für Potentialentfaltung und Hirnforscher, dem menschlichen Gehirn. Stets neue Verknüpfungen könne das Hirn schaffen, entsprechend sei auch die Hirnforschung nicht sequenziell, sondern verbindend ausgelegt. Das Gehirn verändere sich ständig durch neue Lernprozesse und bilde immer wieder angepasste und neue Netzwerke aus – es strukturiere sich in einem viel weiteren Kontext: „Das Gehirn des Menschen hat eine Plastizität, die Maschinen einfach nicht haben“, so Hüther. Es lerne durch Versuch und Irrtum täglich hinzu. Der Mensch gestalte seinen Lernprozess selbst, er sei Subjekt – dagegen sei die Maschine Objekt und werde programmiert.

Künstliche Intelligenz - die letzte Erfindung der Menschheit?

Die rasante Entwicklung der KI beleuchtete Fabian Westerheide, Geschäftsführer von Asgard, Human Venture Capital for Artificial Intelligence. Seit dem ersten hochleistungsfähigen Schachcomputer 1997 sei viel passiert – Maschinen überflügelten den Menschen auf vielen Gebieten, zum Beispiel bei der Diagnose von Krebserkrankungen mittels Bilderkennung. Anders als ein Mensch werde eine Maschine nicht müde und mache Fehler. Zudem müsse der Mensch jede Erfahrung selber machen. Habe dagegen ein Tesla gelernt, eine Brücke von einer Birke zu unterscheiden, hätten alle anderen Teslas sofort das gleiche Wissen abrufbar. KI sei längst im Alltag angekommen. Weltweit die Nase vorn bei KI hätten die USA, dicht gefolgt von China und Israel. In der europäischen Union fehle jedoch nicht nur das Kapital, sondern vor allem der politische Wille, KI voranzutreiben. „Wie stehen wir zum Social Scoring in China oder zur Entwicklung von autonomen Kampfmaschinen? Wir müssen die Frage beantworten, welche Werte die KI vertreten soll, die wir nutzen. Die der USA, Chinas oder der EU?“ so Westerheide.

Technik, die unter die Haut geht – ein Turbo für die Evolution?

„Alles wird digitalisiert – um jeden Preis“ war sich Dr. Patrick Kramer sicher, CEO von Digiwell – upgrading humans. Er befasste sich mit der Optimierung des Menschen durch Technik. Herzschrittmacher, künstliche Gelenke und Hörgeräte nutzten Menschen bereits. Body-Hacking würde man es nennen, wenn Implantate ohne medizinischen Grund gesetzt werden, etwa ein Mikrochip unter die Haut, der dann als Türschlüssel, Identifikation oder Kompass dient. Viele weitere Anwendungen seien denkbar, etwa in der Notfallmedizin, wenn medizinische Daten auf einem Chip in der Haut sofort verfügbar wären. Kramer ist überzeugt, dass „Human Augmentation“ ein wichtiger Trend werde und dass menschliche Intelligenz zusammen mit künstlicher Intelligenz ein deutlich leistungsfähigeres Gehirn hervorbringen werde.

World Wide Web, verheißungsvolles Reich der Freiheit?

Cem Özdemir, Bundestagsabgeordneter der Partei Bündnis 90/Die Grünen, konstatierte in seiner Keynote, dass Digitalisierung kein Garant für Demokratieentwicklung sei: War das Internet in den 1990er-Jahren noch das verheißungsvolle Reich der Freiheit, sei es heute eben auch ein Vehikel für digitale Attacken, Populismus und Manipulation. Özdemirs Lösungsansatz ist zum einen die Entschleunigung: Nachrichten müssten vor dem Weitertwittern und Veröffentlichen verifiziert werden. Denn eine Richtigstellung von Falschmeldungen oder Fake News sei heute nahezu unmöglich. Zum anderen plädiert er für die „Rehabilitation des Stammtischs“: Analoge Kommunikation im digitalen Zeitalter sei eine wichtige Alternative zur Echokammer im Netz, fördere Freundschaften, Toleranz und Empathie.

Es gibt viele unterschiedliche Sichtweisen auf KI, doch über eines ist man sich einig: über die Nutzungsintensität muss schlussendlich jeder selbst entscheiden. Wie weit die Technologie vorangetrieben und ob alles Machbare auch umgesetzt wird, ist noch völlig offen. Daher ist es nach Meinung Professor Hüthers dringend nötig, dass die Gesellschaft klar entscheidet, was sie unter Menschsein versteht, und wie sie weiter (zusammen-)leben will.