Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen und Hinweise entnehmen Sie bitte unserer Datenschutzerklärung.

Akzeptieren
Eine Werbemitteilung der Metzler Asset Management GmbH - 17.12.2018

Nikkei 225 im Aufwind – wann klettert das Aktienbarometer über die Rekordmarke von 1989?

Der japanische Leitindex Nikkei 225 stieg im Herbst vorübergehend auf den höchsten Stand seit 27 Jahren. Seitdem diskutieren die Marktteilnehmer erstmals seit langem darüber, ob der Nikkei seinen Rekordstand vom Ende der 1980er-Jahre jemals wieder wird erreichen können. Dabei haben die Optimisten einige gute Argumente.

Der Nikkei 225 als Japans bekanntestes Aktienbarometer hatte sich in den 1980er-Jahren versechsfacht und Ende Dezember 1989 sein historisches Hoch von 38.916 markiert. Danach ging es schubweise zwei Jahrzehnte tendenziell abwärts, wobei der Nikkei Mitte März 2009 mit 7.055 Punkten seinen Tiefpunkt erreichte. Seitdem ist der Index wieder um das 3,5-Fache gestiegen. Mit 24.409 Punkten kletterte der Nikkei Anfang Oktober zurück auf den Stand von November 1991, also etwa zwei Jahre nach dem Rekord.

Damit gebührt dem Nikkei mit 29 Jahren Dauer die zweifelhafte Ehre, der Index mit dem längsten Bärenmarkt der Börsengeschichte zu sein. Bisheriger Rekordhalter war der US-amerikanische Dow Jones, der 25 Jahre brauchte, um wieder auf sein Hoch vor der Weltwirtschaftskrise von 1929 zu steigen. Doch die Kursavancen in diesem Jahr lassen auf ein Ende der Nikkei-Durststrecke hoffen. Zuversichtliche Beobachter erwarten, dass der japanische Leitindex bereits in den nächsten Jahren einen neuen Höchststand erklimmen könnte – vorausgesetzt, die Bedingungen stimmen, damit der Nikkei noch um die notwendigen zwei Drittel zulegen kann. 

Steigende Unternehmensgewinne

Die wichtigste Grundlage dafür wären höhere Gewinne und Kapitalrenditen der Unternehmen. Als Folge der globalen Finanzkrise ab 2007/2008 und gefördert durch die expansive Wirtschaftspolitik der „Abenomics“ ab 2013, sind diese Kenngrößen in Japan zuletzt stetig gestiegen: Im Geschäftsjahr 2017 verdienten die rund 2.000 Gesellschaften im rund neunmal breiter als dem Nikkei gefassten TOPIX durchschnittlich 34 % mehr als im Vorjahr und erhöhten ihre Kapitalrendite um 27 % auf 10,1 %. 

Nach Ansicht vieler Analysten wird dieser Aufwärtstrend anhalten. Im Schnitt der vergangenen 20 Jahre stiegen die Gewinne der im TOPIX enthaltenen Unternehmen um durchschnittlich 9 % pro Jahr. Auf Basis eines angenommenen Nikkei-Stands von 23.000 Punkten am Ende des Geschäftsjahres 2018 (31.3.2019) könnte Nippons Leitindex bei einem weiteren Gewinnwachstum von 9 % jährlich nach Einschätzung des japanischen Brokerhauses Mizuho Securities die alte Höchstmarke im Jahr 2024 erreichen. Unter Einbezug einer kurzen Rezession wäre es immerhin 2025 soweit.

Transformation durch Druck aus dem Westen

Die sich verbessernde Rentabilität basiert auf einem tiefgreifenden Transformationsprozess in Japan. Vor allem durch ausländischen Einfluss ist das Bewusstsein japanischer Manager für die Belange der Aktionäre deutlich geschärft worden. Zum einen expandieren japanische Unternehmen im Rekordtempo ins Ausland, wo sie sich schon seit längerem Fragen von Analysten zur Zusammensetzung des Managements, zu Kapitaleinsatz und Strategie stellen müssen. Zum anderen halten ausländische Investoren bereits über 30 % der Anteile an den börsennotierten Unternehmen in Nippon. Und genau diese Investoren drängen verstärkt darauf, dass die Firmen internationale Standards einhalten. Hinzu kommt, dass der Stewardship Code von 2014 auch japanische institutionelle Investoren dafür sensibilisiert hat, dass sie Verantwortung für dieses Thema tragen.

Der Druck der Aktionäre hat zu einem erheblichen Wandel in der japanischen Wirtschaft geführt und auch große Mischkonzerne dazu bewogen, sich noch stärker auf ihre rentablen Geschäfte zu konzentrieren und dementsprechend wenig ertragreiche Töchter zu verkaufen. Im gleichen Atemzug sind die traditionellen Überkreuzbeteiligungen von langjährigen Geschäftspartnern reduziert worden. Das Umdenken spiegelt sich auch in steigenden Dividenden wider – auch wenn eine Ausschüttungsquote von 30 % noch viel Luft nach oben signalisiert. Dazu sind Aktienrückkäufe populär geworden: Laut den Experten von Morgan Stanley übertrafen Japans Unternehmen mit Rückkäufen von 5,2 Bio. JPY (40,5 Mrd. EUR) bereits Mitte November den Rekord von 2017 um ein Viertel. Die Attraktivität japanischer Aktien könnte also weiter steigen. 

„Kuroda-Put“ bleibt länger intakt

Auch die japanische Notenbank leistete ihren Beitrag zu den höheren Gewinnen der „Japan AG“: Seit dem Amtsantritt von Gouverneur Haruhiko Kuroda hat die Bank of Japan (BoJ) ihre Wertpapierkaufprogramme mehrmals ausgeweitet. Offiziell geht es ihr darum, Japans leichte Deflation auszumerzen und die Inflation auf 2 % zu treiben; inoffizielles Ziel der lockeren Geldpolitik ist aber, die japanische Währung abzuwerten, wodurch die Gewinne der Unternehmen mit dem Export ihrer in Japan produzierten Waren steigen würden. 

Kurzgefasst bedeutet das: Eine weiche Währung lässt die Aktienkurse in Japan steigen. Nach den Berechnungen von J.P. Morgan könnte allein eine weitere Abwertung des japanischen Yen um 10 % gegenüber dem US-Dollar den Nikkei 225 auf 28.000 Punkte treiben. In der Theorie könnte der Nikkei also auch auf diesem Weg seinen alten Rekord übertreffen. In der Praxis jedoch ist festzuhalten, dass die Notenbank an einem beschleunigten Währungsverfall nicht interessiert sein kann, weil sie das Vertrauen in die japanische Währung nicht untergraben will. Außerdem würde Japan dann womöglich international an den Pranger gestellt werden, weil eine schwache Devise immer auch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Handelspartnern mit sich bringt. 

Einige Investoren erwarten zwar schon in naher Zukunft ein Ende der lockeren Geldpolitik in Japan. Das würde den Yen stärken und die Unternehmensgewinne schmälern, was wiederum die Aktienkurse fallen lassen könnte. Doch dieses Szenario ist wenig wahrscheinlich, weil Gouverneur Kuroda es als seine historische Mission ansieht, die – nach eigenen Worten – „deflationäre Mentalität“ zu vertreiben. Daher können sich Anleger und Aktionäre nach Einschätzung der meisten Experten vorerst auf den „Kuroda-Put“ verlassen. Das bedeutet zum einen, dass Japans aufgedrehte Geldhähne den Renditeabstand zwischen japanischen und US-Staats-anleihen hoch halten – und zum anderen, dass die Notenbank über ihren Erwerb von Aktienindexfonds den Aktienmarkt stabilisiert, falls die Kurse ins Rutschen kommen sollten.

Technologietrends erzeugen Auftrieb

Zwar altert und schrumpft Japans Bevölkerung, aber für die Unternehmen ergeben sich daraus viele Chancen. Seit sieben Jahren wachsen die privaten Kapitalausgaben, die vor allem in die Automatisierung fließen. Die traditionell niedrige Produktivität im japanischen Servicesektor steht durch den Einsatz von Maschinen und künstlicher Intelligenz (KI) sowie Big Data vor einer enormen Steigerung – von kassenlosen Supermärkten über mehr Automaten in Restaurantküchen bis zu digital gesteuerten Kostenabrechnungen. Von diesem Wandel profitieren Unternehmen für Automatisierung, aber auch die japanischen Elektronikzulieferer. Diese Sektoren sind im Nikkei 225 gut vertreten. 

Factory-Automation spart Personal, senkt Kosten und erhöht Qualität. Daher wachsen auch die Gewinne von vielen Nikkei-Unternehmen, die mehr Maschinen und Software einsetzen. Dazu gehören international tätige Firmen, zum Beispiel mit ihren ferngesteuerten Baumaschinen, die Gelände- und Positionsdaten von Drohnen erhalten. Auch werden Sensoren und KI über das Internet der Dinge beim Energiesparen helfen. Hier dürften die ebenfalls im Nikkei 225 vertretenen Aktien von Kli¬maanlagenherstellern und Dienstleistern im Energiemanagement zu den Nutznießern gehören. 

Japans Unternehmen wachsen mit Asien

Die globale Mittelschicht wird sich laut Experten der Weltbank in den nächsten 15 Jahren auf 2,5 Mrd. Menschen verdoppeln. Das größte Wachstum erlebt Asien. Auf diesen Kontinent werden dann zwei Drittel des weltweiten Konsums entfallen. Diesen Märkten ist Japan sowohl regional als auch kulturell nahe. „Made in Japan“ ist in Asien ein Gütesiegel. Zugleich sind Japans Unternehmen bei Konsumgütern gut positioniert, was etwa dem Nikkei-Titel Shiseido zugute kommen dürfte: Der Kosmetikhersteller baut gerade in Japan neue Fabriken für den Export nach Asien. 

Wegen der Handelsspannungen zwischen Peking und Washington hat sich die enge Verbundenheit mit der Wirtschaft von China für japanische Unternehmen in diesem Jahr als Nachteil erwiesen und auch den Anstieg vieler Aktienkurse in Japan gebremst. Jedoch könnten Japans Unternehmen vom anhaltend wachsenden Wohlstand im Reich der Mitte weiter profitieren. Der Textilkonzern Fast Retailing zum Beispiel, der schwerste Titel im Nikkei 225, will die Zahl der Geschäfte seiner Marke „Uniqlo“ in China bis 2020 auf 1.000 verdoppeln. Und die erste Indien-Filiale wird ihre Pforten Anfang 2019 öffnen.

Ausländische Anleger entscheiden über neuen Rekord

Grundsätzlich gilt: Läuft die Wirtschaft in China und den USA, Japans wichtigsten Absatzmärkten, gut, dann sind auch Aktien aus Japan gefragt – bis zu 64 % der Erträge der dahinterstehenden Unternehmen hängen von Überseeverkäufen ab. Zugleich werden ausländische Anleger von den gesunden Bewertungen der japanischen Aktienmärkte angezogen. Auf ihr Engagement ist die japanische Börse angewiesen, um das Allzeithoch von 1989 knacken zu können. Derzeit sind internationale Investoren in Japan jedoch unterinvestiert. Womöglich könnte daher schon allein die Rückkehr zu einer neutralen Investmentquote einen neuen Nikkei-Rekord ermöglichen.

Ihr Ansprechpartner

Gerhard Wiesheu, Mitglied des Partnerkreises | Metzler
Gerhard Wiesheu

Mitglied des Partnerkreises B. Metzler seel. Sohn & Co. Holding AG

(+49) 69 2104-1125

GWiesheu@metzler.com

Diese Unterlage der Metzler Asset Management GmbH (nachfolgend zusammen mit den verbundenen Unternehmen im Sinne von §§ 15 ff. AktG „Metzler“ genannt) enthält Informationen, die aus öffentlichen Quellen stammen, die wir für verlässlich halten. Metzler übernimmt jedoch keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit dieser Informationen. Metzler behält sich unangekündigte Änderungen der in dieser Unterlage zum Ausdruck gebrachten Meinungen, Vorhersagen, Schätzungen und Prognosen vor und unterliegt keiner Verpflichtung, diese Unterlage zu aktualisieren oder den Empfänger in anderer Weise zu informieren, falls sich eine dieser Aussagen verändert hat oder unrichtig, unvollständig oder irreführend wird.

Ohne vorherige schriftliche Zustimmung von Metzler darf/dürfen diese Unterlage, davon gefertigte Kopien oder Teile davon nicht verändert, kopiert, vervielfältigt oder verteilt werden. Mit der Entgegennahme dieser Unterlage erklärt sich der Empfänger mit den vorangegangenen Bestimmungen einverstanden.