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21.9.2018

Pensionsverpflichtungen und Unternehmenskennzahlen – Königsweg Auslagerung?

Christian Mehlinger, Seniorberater Heubeck AG,<br/>Martin Thiesen, Geschäftsführer Metzler Pension Management GmbH
Christian Mehlinger, Seniorberater Heubeck AG (links) und Martin Thiesen, Geschäftsführer Metzler Pension Management GmbH

Die Ausfinanzierung von Pensionsrückstellungen – auch fremdkapitalfinanziert – ist Voraussetzung für ein besseres Risikomanagement und für positive Effekte auf die Gewinn-und Verlust-Rechnung (GuV). Die Auslagerung in einen nicht versicherungsförmigen Pensionsfonds kann als Königsweg gesehen werden: Die Rückstellungen und die entsprechende Kapitalanlage verschwinden aus der Bilanz und entlasten die GuV. Positive Effekte auf den Unternehmenswert und die Dividendenkapazität sind die Folge; zusätzlich wird die Kapitalanlage unter HGB gegen einen Zinsanstieg immunisiert. Ein – beherrschbares – Risiko einer Auslagerung sind die möglichen Nachschüsse zwecks Sicherstellung der Mindestbedeckung.

Pensionsverpflichtungen binden mehr Kapazität denn je

Immer häufiger müssen sich Manager mit Themen beschäftigen, die nicht im Fokus des eigentlichen Unternehmenszwecks liegen. Dazu gehören auch Pensionsverpflichtungen: Einmal zugesagt, wachsen sie kontinuierlich in der Bilanz an, und bei stetig fallenden Zinsen, die zu einer höheren Bewertung führen, werden nicht nur die höheren Rückstellungen selbst, sondern auch die Zuführungen zum Problem. Die wachsende Bedeutung der Pensionsrückstellungen führt dann in den Unternehmen regelmäßig dazu, dass Ressourcen gebunden werden, die man im operativen Kerngeschäft effektiver einsetzen könnte.

Kanonisch ist der Bereich Personal erster Ansprechpartner für Pensionszusagen, denn die betriebliche Altersversorgung ist ein Baustein im Vergütungskonzept. Mit den über die Zeit anwachsenden Pensionsverpflichtungen muss sich aber auch die Finanzabteilung, insbesondere Treasury und Rechnungswesen, mit dem Thema befassen. Dabei zentral sind Fragen nach Liquiditätseffekten, der Bilanzwirkung und der Dividendenkapazität. Dies führt schließlich zur Notwendigkeit eines ressourcenintensiven Risikomanagements, um so der Pensionsrisiken wie Kapitalanlage-, Zins-, Langlebigkeitsund Liquiditätsrisiko habhaft zu werden.
 

Ausfinanzierung kann Unternehmenswert steigern …

Um die drängendsten Aufgaben wie Governance rund um das Management von Pensionen, Liquiditätsmanagement oder Kennzahlensteuerung bewältigen zu können, ist die Ausfinanzierung von Pensionsverpflichtungen, also liquide Mittel für die Bedeckung der Pensionsverbindlichkeiten zur Verfügung zu stellen, die Grundvoraussetzung. Ein wesentlicher Vorteil der Auslagerung liegt im Optimieren des Cashflow-Statements, indem insbesondere mittel- bis langfristig der operative Cashflow minimiert, das heißt um die zukünftigen Rentenzahlungen entlastet werden kann. Darüber hinaus wird eine Vereinfachung von M&A-Transaktionen erreicht, da die Pensionsverpflichtungen durch die Ausfinanzierung „gekapselt“ werden und idealerweise zukünftig keine Belastung mehr im operativen Geschäftsbetrieb darstellen. Im Gegenzug entstehen durch die Ausfinanzierung allerdings Kapitalanlagerisiken, die separat gemanagt werden müssen.

Bereits sehr generische Rechenbeispiele zeigen, dass durch eine Ausfinanzierung und nachfolgende Auslagerung von Pensionsverbindlichkeiten der Unternehmenswert substanziell steigen kann, auch wenn die Ausfinanzierung kreditfinanziert ist. Durch die „Bereinigung“ der Rentenzahlungen nach erfolgtem Funding steigt der Free Cashflow eines Unternehmens. Eine Fremdfinanzierung der Mittel für die Ausfinanzierung kann zwar die Kapitalkosten erhöhen, aber den positiven Effekt auf den Free Cashflow nicht wesentlich reduzieren. Der Unternehmenswert, definiert als Differenz zwischen Gesamtaktiva und Fremdkapital unter Berücksichtigung der Kapitalkosten, steigt unter Umständen deutlich.

... auch wenn sie kreditfinanziert ist

Neben der potenziellen Steigerung des Unternehmenswerts gibt es weitere Gründe zur Ausfinanzierung der Pensionsverbindlichkeiten. CFOs und Treasury-Abteilungen beschäftigen sich aktuell intensiv mit dem Management von Pensionsverbindlichkeiten, insbesondere mit dem Risikomanagement. Denn gesunkene Refinanzierungszinsen und Credit-Spreads sowie attraktive Finanzierungsvehikel –klassische Anleihen, Convertibles und Schuldscheindarlehen –tragen dazu bei, dass der Tausch von Verbindlichkeiten gegenüber Mitarbeitern und Rentnern gegen Verbindlichkeiten am Kapitalmarkt, also von Pensionsrückstellungen gegen Fremdfinanzierung, beliebter wird. Nach der verbesserten Ausfinanzierung ist die Auslagerung der konsequente nächste Schritt, denn die absehbar fortschreitende Reduktion des Bewertungszinses für Pensionsrückstellungen erhöht den Aufwand in der HGB-GuV. Dies wird sich die kommenden Jahre fortsetzen, bedingt durch die Herleitungsmethode für den HGB-Rechnungszins („gleitender 10-Jahres-Schnitt“), unabhängig davon, wie sich der Zins – beispielsweise durch ein Ende des „ Quantitative Easing“ seitens der Europäischen Zentralbank – kurz- bis mittelfristig entwickelt. Hat man sich aus Risikogesichtspunkten für eine Ausfinanzierung entschieden, möchte man aber auch die möglichen positiven Effekte auf die HGB-GuV realisieren – also einen zusätzlichen Aufwand auf der Verbindlichkeitenseite durch die HGB-Zinsschmelze und die „Immunisierung“ der Kapitalanlage gegen einen Zinsanstieg vermeiden.

Auslagerung in Pensionsfonds verkürzt HGB-Bilanz

Mittel der Wahl für die Auslagerung ist der nicht versicherungsförmige Pensionsfonds. Denn bei der Auslagerung in den Pensionsfonds verschwinden die Rückstellungsposition und die Kapitalanlage aus der HGB Bilanz (unter IFRS wird der Funded Status, also die Differenz von Verpflichtung und Vermögen, bilanziert, da die auf den Pensionsfonds übertragenen Mittel „Plan-Assets“ darstellen). Mit der Verkürzung der HGB-Bilanz verschwinden auch die potenziell negativen GuV-Effekte. Gleichzeitig ist die Kapitalanlage unter HGB gegen einen Zinsanstieg und den damit einhergehenden Marktwertverlust „immunisiert“. Und schließlich können 80 % der Beiträge zum Pensions Sicherungs-Verein (PSV) gespart werden. Ein Nachteil des nicht versicherungsförmigen Pensionsfonds liegt in den Vorschriften zur Mindestbedeckung der Verpflichtungen gegenüber den Rentenempfängern, wobei das Risiko durch eine entsprechend zugeschnittene Kapitalanlage beherrschbar ist. Hier kommen insbesondere die im Vergleich zu Versicherungslösungen deutlich liberaleren Anlagevorschriften zum Tragen, die eine höhere Rendite ermöglichen.

Die für den Pensionsfonds genannten Vorteile bezüglich der Bilanzierung bietet eine Treuhandlösung (Contractual Trust Arrangement – CTA) so nicht. Ein CTA ist allerdings noch freier in der Anlage des Kapitals und stellt darüber hinaus keine Anforderung an eine Mindestausfinanzierung.

Christian Mehlinger, Seniorberater Heubeck AG,
Martin Thiesen, Geschäftsführer Metzler Pension Management GmbH